Vorrede.

Der Verfasser dieser Abhandlung wurde durch das Lesen neuer Skeptiker, besonders des Aenesidemus, und der vortreflichen Maimonschen Schriften völlig von dem überzeugt, was ihm schon vorher höchst wahrscheinlich gewesen war: dass die Philosophie, selbst durch die neuesten Bemühungen der scharfsinnigsten Männer noch nicht zum Range einer evidenten Wissenschaft erhoben sei. Er glaubte den Grund davon gefunden, und einen leichten Weg entdeckt zu haben, alle jene gar sehr gegründeten Anforderungen der Skeptiker an die kritische Philosophie vollkommen zu befriedigen; und das dogmatische und kritische System überhaupt in ihren streitenden Ansprüchen so zu vereinigen, wie durch die kritische Philosophie die streitenden Ansprüche der verschiedenen dogmatischen Systeme vereinigt sind *). Nicht gewohnt, von Dingen zu reden, die er noch zu thun hat, — würde er seinen Plan ausgeführt, oder auf immer von ihm geschwiegen haben; wenn nicht die gegenwärtige Veranlassung ihm eine Aufforderung zu seyn schiene, von der bisherigen Anwendung seiner Musse, und von den Arbeiten, denen er die Zukunft zu widmen gedenkt, Rechenschaft abzulegen.

Die folgende Untersuchung hat auf keine andere Gültigkeit Anspruch zu machen, als auf eine hypothetische. Daraus aber folgt gar nicht, dass der Verfasser seinen Behauptungen überhaupt nichts anders, als unerwiesene Voraussetzungen zum Grunde zu legen vermöge; und dass sie nicht dennoch die Resultate eines tiefer gehenden, und festen Systems seyn sollten. Freilich verspricht er sich erst nach Jahren es dem Publikum in einer desselben würdigen Gestalt vorlegen zu können; aber die Billigkeit, dass man nicht absprechen werde, ehe man das Ganze geprüft habe, erwartet er schon jetzt.

Die erste Absicht dieser Blätter war die, die studierenden Jünglinge der hohen Schule, auf welche der Verfasser gerufen ist, in den Stand zu setzen, zu urtheilen, ob sie sich seiner Führung auf dem Wege der ersten unter den Wissenschaften anvertrauen, und ob sie hoffen dürften, dass er so viel Licht über dieselbe zu verbreiten vermöge, als sie bedürfen, um ihn ohne gefährliches Straucheln zu gehen: die zweite, die Urtheile seiner Gönner und Freunde über sein Unternehmen einzuholen.

Für diejenigen, die weder unter die ersten, noch unter die zweiten gehören, wenn ihnen diese Schrift in die Hände kommen sollte, sind folgende Anmerkungen.

Der Verfasser ist bis jetzt innig überzeugt, dass kein menschlicher Verstand weiter, als bis zu der Grenze vordringen könne, an der Kant besonders in seiner Kritik der Urtheilskraft, gestanden, die er uns aber nie bestimmt, und als die letzte Grenze des endlichen Wissens angegeben hat. Er weiss es, dass er nie etwas wird sagen können, worauf nicht schon Kant, unmittelbar oder mittelbar, deutlicher oder dunkler gedeutet habe. Er überlässt es den zukünftigen Zeitaltern das Genie des Mannes zu ergründen, der von dem Standpunkte aus, auf welchem er die philosophierende Urtheilskraft fand, oft wie durch höhere Eingebung geleitet, sie so gewaltig gegen ihr letztes Ziel hinriss. — Er ist eben so innig überzeugt, dass nach dem genialischen Geiste Kants der Philosophie kein höheres Geschenk gemacht werden konnte, als durch den systematischen Geist Reinholds; und er glaubt den ehrenvollen Platz zu kennen, welchen die Elementar-Philosophie des letztern, bey den weitern Vorschriften, die die Philosophie, an wessen Hand es auch sey, nothwendig machen muss, dennoch immer behaupten wird. Es ist nicht in seiner Denkungsart irgend ein Verdienst muthwillig zu verkennen, oder es verkleinern zu wollen; er glaubt einzusehen, dass jede Stuffe, die die Wissenschaft je bestiegen hat, erst bestiegen seyn musste, ehe sie eine höhere betreten konnte; er hält es wahrhaftig nicht für persönliches Verdienst durch einen glücklichen Zufall nach vortreflichen Arbeitern an die Arbeit gerufen zu werden; und er weiss, dass alles Verdienst, was etwa hierin Statt finden könnte, nicht auf dem Glücke des Findens, sondern auf der Redlichkeit des Suchens beruht, über welche jeder nur selbst sich richten, und belohnen kann. Er sagte dies nicht um jener grossen Männer und um derer Willen, die ihnen gleichen; sondern für andere nicht ganz so grosse Männer. Wer überflüssig findet, dass er es sagte, der gehört nicht unter diejenigen, für welche er es sagte. Ausser jenen ernsthaften giebt es auch noch scherzhafte Männer, die den Philosophen warnen, sich durch die übertriebne Erwartungen von seiner Wissenschaft doch nicht lächerlich zu machen. Ich will nicht entscheiden, ob alle recht aus Herzensgrunde lachen, weil ihnen die Jovialität einmal angeboren ist; oder ob es nicht welche unter ihnen giebt, die sich bloss zum Lachen zwingen, um den weltunklugen Forscher ein Unternehmen zu verleiden, dass sie aus begreiflichen Gründen nicht gern sehen. *) Da ich, so viel mir bewusst ist, bis jetzt durch Aeusserung solcher hohen Erwartungen ihrer Laune noch keine Nahrung gegeben habe: so ist es mir vielleicht am ersten erlaubt, sie, nicht um der Philosophen, und noch weniger um der Philosophie, sondern um ihrer selbst Willen zu bitten, das Lachen so lange zu verhalten, bis das Unternehmen förmlich misslungen, und aufgegeben ist. Mögen sie dann unsers Glaubens an die Menschheit, zu der sie selbst gehören, und unsrer Hofnungen von den grossen Anlagen derselben spotten; mögen sie dann ihren Trostspruch: Es ist der Menschheit einmal nicht zu helfen; so war es, und so wird es immer seyn, — wiederholen, so oft sie des Trostes bedürfen!