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Grundlage der gesammten Wissenschaftslehre
Grundlage der gesammten Wissenschaftslehre
als Handschrift für seine Zuhörer
1794–1795
Vorrede
Erster Theil. Grundsätze der gesammten Wissenschaftselhre.
§. 1.
Erster, schlechthin unbedingter Grundsatz
.
§. 2.
Zweiter, seinem Gehalte nach bedingter Grundsatz
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§. 3.
Dritter, seiner Form nach bedingter Grundsatz
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A)
1) Insofern das Nicht-Ich gesetzt ist, ist das Ich nicht gesetzt; denn durch das Nicht-Ich wird das Ich völlig aufgehoben.
B) Alle diese Folgerungen sind von den aufgestellten Grundsätzen, nach den als gültig vorausgesetzten Reflexionsgesetzen abgeleitet; sie müssen demnach richtig seyn.
1) Die Gegensätze, welche vereinigt werden sollen, sind im Ich, als Bewusstseyn.
C) Jetzt haben wir bloss noch zu untersuchen, ob durch die aufgestellte Handlung die Aufgabe wirklich gelöst, und alle Gegensätze vereinigt sind.
1) Die erste Schlussfolge ist nunmehr folgendermaassen bestimmt.
D) Da unserer erst durch Vollendung einer Wissenschaftslehre erweisbaren Voraussetzung nach nicht mehr als Ein schlechthin unbedingter, Ein dem Gehalte nach bedingter, und Ein der Form nach bedingter Grundsatz möglich ist; so kann es ausser den aufgestellten weiter keinen geben.
Zweiter Theil. Grundlage des theoretischen Wissens.
§. 4.
Erster Lehrsatz
.
A.
Bestimmung des zu analysirenden synthetischen Satzes
.
B.
Synthesis der in dem aufgestellten Satze enthaltenen Gegensätze überhaupt, und im allgemeinen
.
C.
Synthesis durch Wechselbestimmung der in dem ersten der entgegengesetzten Sätze selbst enthaltenen Gegensätze
.
D.
Synthesis durch Wechselbestimmung der in dem zweiten der entgegengesetzten Sätze enthaltenen Gegensätze
.
E.
Synthetische Vereinigung des zwischen den bei den aufgestellten Arten der Wechselbestimmung stattfindenden Gegensatzes
.
I. —
Den ersten Satz betreffend haben wir zuvörderst zu untersuchen, was es überhaupt heisst: eine unabhängige Thätigkeit wird durch ein Wechsel-Thun bestimmt; dann haben wir ihn auf die vorliegenden Fälle anzuwenden.
1) Durch Wechsel-Thun und Leiden wird überhaupt eine unabhängige Thätigkeit bestimmt.
2) Wir wenden diesen allgemeinen Satz an auf die besonderen unter ihm enthaltenen und gegenwärtig vorkommenden Fälle.
a. Vermittelst des Wechselbegriffs der Wirksamkeit wird durch ein Leiden des Ich gesetzt eine Thätigkeit des Nicht-Ich.
b. Vermittelst des Begriffs der Substantialität wird durch Thätigkeit im Ich ein Leiden in ebendemselben gesetzt und bestimmt.
II. —
Durch eine unabhängige Thätigkeit wird ein Wechsel-Thun und Leiden bestimmt: dies ist der zweite Satz, den wir zu erörtern haben.
1) diesen Satz überhaupt zu erklären, und seine Bedeutung von der des vorhergehenden scharf zu unterscheiden.
2) Wir wenden jetzt den nunmehr im Allgemeinen erklärten Satz an auf die einzelnen unter ihm enthaltenen Fälle.
a. In dem Wechsel der Wirksamkeit wird durch ein Leiden im Ich eine Thätigkeit im Nicht-Ich gesetzt, d. i. es wird eine gewisse Thätigkeit in das Ich nicht gesetzt, oder demselben entzogen, und dagegen gesetzt in das Nicht-Ich.
b. Im Wechsel der Substantialität soll, vermittelst absoluter Totalität, Thätigkeit als begrenzt gesetzt werden: d. i. dasjenige an absoluter Totalität, was durch die Grenze ausgeschlossen wird, wird gesetzt, als durch das Setzen der begrenzten Thätigkeit nicht gesetzt, als in derselben mangelnd; mithin ist der bloss formale Charakter dieses Wechsels ein Nicht-Setzen vermittelst eines Setzens.
III. —
Beides, der Wechsel und die von ihm unabhängige Thätigkeit, sollen sich selbst gegenseitig bestimmen.
1) In der unabhängigen Thätigkeit sowohl, als im Wechsel, haben wir wieder zweierlei unterschieden; wir haben unterschieden die Form des Wechsels von seiner Materie; und nach Maassgabe dieser Unterscheidung eine unabhängige Thätigkeit, welche die erstere bestimmt, von einer anderen, welche in der Reflexion durch die zweite bestimmt wird.
α) Diejenige Thätigkeit, welche die Form des Wechsels, oder den Wechsel als solchen bestimmen, von ihm aber schlechthin unabhängig seyn soll, ist ein Uebergehen von einem im Wechsel begriffenen Gliede zum anderen, als Uebergehen (nicht etwa als Handlung überhaupt), diejenige, welche die Materie desselben bestimmt, ist eine solche, welche dasjenige in die Glieder setzt, was möglich macht, dass von einem zu dem anderen übergegangen werden kann.
β) Die Form des Wechsels und die Materie desselben sollen sich gegenseitig bestimmen.
γ) Die unabhängige Thätigkeit (als synthetische Einheit) bestimmt den Wechsel (als synthetische Einheit) und umgekehrt, d. i. beide bestimmen sich gegenseitig, und sind selbst synthetisch vereinigt.
2) Der Satz: der Wechsel, und die bis jetzt als unabhängig von ihm betrachtete Thätigkeit sollen sich gegenseitig bestimmen, ist jetzt anzuwenden auf die besonderen unter ihm enthaltenen Fälle; zuvörderst
a. auf den Begriff der Wirksamkeit.
α) Die zum Behuf der Möglichkeit des im Begriffe der Wirksamkeit postulirten Wechsels vorauszusetzende Thätigkeit ist der blossen Form nach ein Uebertragen, ein Setzen durch ein Nicht-Setzen: dadurch dass (in einer gewissen Rücksicht) nicht gesetzt wird, wird (in einer gewissen anderen Rücksicht) gesetzt.
β) Die Form des blossen Wechsels im Begriffe der Wirksamkeit und die Materie desselben bestimmen sich gegenseitig.
γ) In der Wirksamkeit bestimmen sich gegenseitig die Thätigkeit, als synthetische Einheit gedacht, und der Wechsel, als synthetische Einheit gedacht, und machen selbst eine synthetische Einheit aus.
1. Durch die erstere wird der letztere bestimmt, heisst: die Mittelbarkeit des Setzens (auf welche es hier eigentlich ankommt) ist die Bedingung und der Grund davon, dass das wesentliche Entgegenseyn und das reale Aufheben völlig Eins und Ebendasselbe sind; weil, und inwiefern das Setzen ein mittelbares ist, sind Entgegenseyn und Aufheben identisch.
2. Dadurch, dass das Wesen der Wechselglieder in dem blossen Entgegenseyn besteht, wird die Mittelbarkeit des Setzens bestimmt; nur unter Bedingung des ersteren ist sie möglich.
3. Die Mittelbarkeit des Setzens und das wesentliche Entgegenseyn bestimmen sich gegenseitig; beide fühlen Eine und ebendieselbe Sphäre aus und sind Eins.
b. Ebenso, wie wir den Begriff der Wirksamkeit behandelt haben, behandeln wir jetzt den Begriff der Substantialität; wir vereinigen synthetisch die Thätigkeit der Form und der Materie; – dann die Form des blossen Wechsels mit der Materie desselben; – und endlich die dadurch entstandenen synthetischen Einheiten mit einander.
α) Zuvörderst die Thätigkeit der Form und der Materie.
β) Die Form des Wechsels in der Substantialität, und die Materie desselben sollen sich gegenseitig bestimmen.
γ) Die Thätigkeit, als synthetische Einheit, und der Wechsel, als synthetische Einheit, sollen sich wechselseitig bestimmen, und selbst eine synthetische Einheit ausmachen.
a. Die soeben erklärte Thätigkeit bestimmt den Wechsel, den wir erklärt haben, würde heissen: das Zusammentreffen der Wechselglieder, als solcher, steht unter der Bedingung einer absoluten Thätigkeit des Ich, vermittelst welcher dasselbe ein objectives und subjectives entgegensetzt, und beide vereinigt.
b. Der Wechsel bestimmt die Thätigkeit, würde heissen: zwar nicht durch das reelle Vorhandenseyn Entgegengesetzter, aber doch durch ihr blosses Zusammentreffen oder Sichberühren im Bewusstseyn, wie es soeben erklärt worden, wird das Entgegensetzen und Zusammenfassen durch die Thätigkeit des Ich möglich: jenes Zusammentreffen ist die Bedingung dieser Thätigkeit.
c. Beide Folgerungsarten sollen synthetisch vereinigt werden; die Thätigkeit und der Wechsel sollen sich gegenseitig bestimmen.
1) Ohne Unendlichkeit des Ich – ohne ein absolutes, in das unbegrenzte und unbegrenzbare hinaus gehendes Productions-Vermögen desselben ist auch nicht einmal die Möglichkeit der Vorstellung zu erklären.
Deduktion der Vorstellung
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Dritter Theil. Grundlage der Wissenschaft des Praktischen.
§. 5.
Zweiter Lehrsatz
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I. —
Wir nehmen, um diese Antithese aufzusuchen, den kürzesten Weg, auf welchem zugleich, von einem höheren Gesichtspuncte aus, der Hauptsatz aller praktischen Wissenschaftslehre, der: das Ich setzt sich als bestimmend das Nicht-Ich, als annehmbar erwiesen wird, und gleich vom Anfange an eine höhere Gültigkeit erhält, als eine bloss problematische.
II. —
Wir haben gesehen, dass die geforderte Kausalität des Ich auf das Nicht-Ich, durch die der aufgezeigte Widerspruch zwischen der Unabhängigkeit des Ich, als absoluten Wesens, und der Abhängigkeit desselben, als Intelligenz, geholfen werden sollte, selbst einen Widerspruch enthält.
§. 6.
Dritter Lehrsatz
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Im Streben des Ich wird zugleich ein Gegenstreben des Nicht-Ich gesetzt, welches dem ersteren das Gleichgewicht halte.
§. 7.
Vierter Lehrsatz. Das Streben des Ich, Gegenstreben des Nicht-Ich, und Gleichgewicht zwischen beiden muss gesetzt werden.
§. 8.
Fünfter Lehrsatz
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Das Gefühl selbst muss gesetzt und bestimmt werden.
§. 9.
Sechster Lehrsatz. Das Gefühl muss weiter bestimmt und begrenzt werden.
§. 10.
Siebenter Lehrsatz
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Der Trieb selbst muss gesetzt und bestimmt werden.
§. 11.
Achter Lehrsatz
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Die Gefühle selbst müssen entgegengesetzt werden können.