Zweiter Theil. Grundlage des theoretischen Wissens.
§. 4. Erster Lehrsatz.
Ehe wir unseren Weg antreten, eine kurze Reflexion über denselben! – Wir haben nun drei logische Grundsätze; den der Identität, welcher alle übrigen begründet; und dann die beiden, welche sich selbst gegenseitig in jenem begründen, den des Gegensetzens, und den des Grundes aufgestellt. Die beiden letzteren machen das synthetische Verfahren überhaupt erst möglich; stellen auf und begründen die Form desselben. Wir bedürfen demnach, um der formalen Gültigkeit unseres Verfahrens in der Reflexion sicher zu seyn, nichts weiter. – Ebenso ist in der ersten synthetischen Handlung, der Grundsynthesis (der des Ich und Nicht-Ich), ein Gehalt für alle mögliche künftige Synthesen aufgestellt, und wir bedürfen auch von dieser Seite nichts weiter. Aus jener Grundsynthesis muss alles sich entwickeln lassen, was in das Gebiet der Wissenschaftslehre gehören soll.
Soll sich aber etwas aus ihr entwickeln lassen, so müssen in den durch sie vereinigten Begriffen noch andere enthalten liegen, die bis jetzt nicht aufgestellt sind; und unsere Aufgabe ist die, sie zu finden. Dabei verfahrt man nun auf folgende Art. – Nach §. 3. entstehen alle synthetische Begriffe durch Vereinigung entgegengesetzter. Man müsste demnach zuvörderst solche entgegengesetzte Merkmale der aufgestellten Begriffe (hier des Ich und des Nicht-Ich, insofern sie als sich gegenseitig bestimmend gesetzt sind) aufsuchen; und dies geschieht durch Reflexion! die eine willkürliche Handlung unseres Geistes ist. – Aufsuchen, sagte ich; es wird demnach vorausgesetzt, dass sie schon vorhanden sind, und nicht etwa durch unsere Reflexion erst gemacht und erkünstelt werden (welches überhaupt die Reflexion gar nicht vermag), d.h. es wird eine ursprünglich nothwendige antithetische Handlung des Ich vorausgesetzt.
Die Reflexion hat diese antithetische Handlung aufzustellen: und sie ist insofern zuvörderst analytisch. Nemlich entgegengesetzte Merkmale, die in einem bestimmten Begriffe = A enthalten sind, als entgegengesetzt durch Reflexion zum deutlichen Bewusstseyn erheben, heisst: den Begriff A analysiren. Hier aber ist insbesondere zu bemerken, dass unsere Reflexion einen Begriff analysirt, der ihr noch gar nicht gegeben ist, sondern erst durch die Analyse gefunden werden soll; der analysirte Begriff ist bis zur Vollendung der Analyse = X. Es entsteht die Frage: wie kann ein unbekannter Begriff analysirt werden?
Keine antithesische Handlung, dergleichen doch für die Möglichkeit der Analyse überhaupt vorausgesetzt wird, ist möglich ohne eine synthetische; und zwar keine bestimmte antithetische ohne ihre bestimmte synthetische. (§. 3) Sie sind beide innig vereinigt, eine und ebendieselbe Handlung, und werden bloss in der Reflexion unterschieden. Mithin lässt von der Antithesis sich auf die Synthesis schliessen; das dritte, worin die beiden entgegengesetzten vereinigt sind, lässt sich gleichfalls aufstellen: nicht als Product der Reflexion, sondern als ihr Fund; aber als Product jener ursprünglichen synthetischen Handlung des Ich; die darum, als Handlung, nicht eben zum empirischen Bewusstseyn gelangen muss, ebensowenig, als die bisher aufgestellten Handlungen. Wir treffen also von jetzt an auf lauter synthetische Handlungen, die aber nicht schlechthin unbedingte Handlungen sind, wie die ersteren. Durch unsere Deduction aber wird bewiesen, dass es Handlungen, und Handlungen des Ich sind. Nemlich, sie sind es so gewiss, so gewiss die erste Synthesis, aus der sie entwickelt werden) und mit der sie Eins und dasselbe ausmachen, eine ist; und diese ist eine, so gewiss als die höchste Thathandlung des Ich, durch die es sich selbst setzt, eine ist. – Die Handlungen, welche aufgestellt werden; sind synthetisch; die Reflexion aber, welche sie aufstellt, ist analytisch.
Jene Antithesen aber, die für die Möglichkeit einer Analyse durch Reflexion vorausgesetzt worden, müssen, als vorhergegangen, d i. als solche gedacht werden, von welchen die Möglichkeit der aufzuzeigenden synthetischen Begriffe abhängig ist. Keine Antithesis aber ist möglich ohne Synthesis. Mithin wird eine höhere Synthesis als schon geschehen vorausgesetzt; und unser erstes Geschäft muss seyn, diese aufzusuchen, und sie bestimmt aufzustellen. Nun muss zwar eigentlich dieselbe schon im vorigen §. aufgestellt seyn. Es könnte sich aber doch finden, dass wegen des Ueberganges in einen ganz neuen Theil der Wissenschaft doch noch etwas besonderes dabei zu erinnern wäre.
A. Bestimmung des zu analysirenden synthetischen Satzes.
Das Ich sowohl als das Nicht-Ich sind, beide durch das Ich und im Ich, gesetzt als durcheinander gegenseitig beschränkbar, d. i. so, dass die Realität des Einen die Realität des Anderen aufhebe, und umgekehrt. (§. 3)
In diesem Satze liegen folgende zwei:
1) Das Ich setzt das Nicht-Ich als beschränkt durch das Ich. Von diesem Satze, der in der Zukunft, und zwar im praktischen Theile unserer Wissenschaft eine grosse Rolle spielen wird, lässt, wie es wenigstens scheint, vor der Hand sich noch gar kein Gebrauch machen. Denn bis jetzt ist das Nicht Ich Nichts; es hat keine Realität, und es lässt demnach sich gar nicht denken, wie in ihm durch das Ich eine Realität aufgehoben werden könne, die es nicht hat; wie es eingeschränkt werden könne, da es nichts ist. Also scheint dieser Satz wenigstens so lange, bis dem Nicht-Ich auf irgend eine Weise Realität beigemessen werden kann, völlig unbrauchbar. Der Satz, unter welchem er enthalten ist, der: das Ich und Nicht Ich schränken sich gegenseitig ein, ist zwar gesetzt; aber ob auch der eben jetzt aufgestellte durch ihn gesetzt und in ihm enthalten sey, ist völlig problematisch. Das Ich kann auch bloss und lediglich in der Rücksicht vom Nicht-Ich eingeschränkt werden, als es dasselbe erst selbst eingeschränkt hat; als das Einschränken erst vom Ich ausgegangen ist. Vielleicht schränkt das Nicht-Ich gar nicht das Ich an sich, sondern nur das Einschränken des Ich ein; und so bliebe der obige Satz doch wahr und richtig, ohne dass dem Nicht-Ich eine absolute Realität zugeschrieben werden müsste, und ohne dass der oben problematisch aufgestellte Satz in ihm enthalten wäre.
2) Liegt in jenem Satze folgender: das Ich setzt sich selbst, als beschränkt durch das Nicht-Ich. Von diesem lässt sich ein Gebrauch machen; und er muss angenommen werden als gewiss, denn er lässt sich aus dem oben aufgestellten Satze ableiten.
Das Ich ist gesetzt zuvörderst als absolute, und dann als einschränkbare, einer Quantität fähige Realität, und zwar als einschränkbar durch das Nicht-Ich. Alles dies aber ist gesetzt durch das Ich; und dieses sind denn die Momente unseres Satzes.
(Es wird sich zeigen,
1) dass der letztere Satz den theoretischen Theil der Wissenschaftslehre begründe – jedoch erst nach Vollendung desselben, wie das beim synthetischen Vortrage nicht anders seyn kann.
2) Dass der erstere, bis jetzt problematische Satz den praktischen Theil der Wissenschaft begründe. Aber da er selbst problematisch ist, so bleibt die Möglichkeit eines solchen praktischen Theils gleichfalls problematisch. Hieraus geht nun
3) hervor, warum die Reflexion vom theoretischen Theile ausgehen müsse; ohngeachtet sich im Verfolg zeigen wird, dass nicht etwa das theoretische Vermögen das praktische, sondern dass umgekehrt das praktische Vermögen erst das theoretische möglich mache, (dass die Vernunft an sich bloss praktisch sey, und dass sie erst in der Anwendung ihrer Gesetze auf ein sie einschränkendes Nicht-Ich theoretisch werde). – Sie ist es darum, weil die Denkbarkeit des praktischen Grundsatzes sich auf die Denkbarkeit des theoretischen Grundsatzes gründet. Aber von der Denkbarkeit ist ja doch bei der Reflexion die Rede.
4) Geht daraus hervor, dass die Eintheilung der Wissenschaftslehre in die theoretische und praktische, die wir hier gemacht haben, bloss problematisch ist; (aus welchem Grunde wir sie denn auch nur so im Vorbeigehen machen mussten, und die scharfe Grenzlinie, die noch nicht als solche bekannt ist, nicht ziehen konnten). Wir wissen noch gar nicht, ob wir den theoretischen Theil vollenden, oder ob wir nicht vielleicht auf einen Widerspruch stossen werden, der schlechthin unauslösbar ist; um soviel weniger können wir wissen, ob wir von dem theoretischen Theile aus in einen besonderen praktischen werden getrieben werden).
B. Synthesis der in dem aufgestellten Satze enthaltenen Gegensätze überhaupt, und im allgemeinen.
Der Satz: das Ich setzt sich, als bestimmt durch das Nicht-Ich, ist so eben vom dritten Grundsatze abgeleitet worden; soll jener gelten, so muss auch Er gelten; aber jener muss gelten, so gewiss die Einheit des Bewusstseyns nicht aufgehoben werden, und das Ich nicht aufhören soll, Ich zu seyn. (§. 3.) Er selbst muss demnach so gewiss gelten, als die Einheit des Bewusstseyns nicht aufgehoben werden soll.
Wir haben ihn zuvörderst zu analysiren, d. i. zu sehen, ob, und was für Gegensätze in ihm enthalten seyen.
Das Ich setzt sich, als bestimmt durch das Nicht-Ich. Also das Ich soll nicht bestimmen, sondern es soll bestimmt werden; das Nicht-Ich aber soll bestimmen; der Realität des Ich Grenzen setzen. Demnach liegt in unserem aufgestellten Satze zuvörderst folgender:
Das Nicht-Ich bestimmt (thätig) das Ich (welches insofern leidend ist). Das Ich setzt sich als bestimmt, durch absolute Thätigkeit. Alle Thätigkeit muss, soviel wir wenigstens bis jetzt einsehen, vom Ich ausgehen. Das Ich hat sich selbst, es hat das Nicht-Ich, es hat beide in die Quantität gesetzt. Aber das Ich setzt sich als bestimmt, heisst offenbar soviel, als das Ich bestimmt sich. Demnach liegt in dem aufgestellten Satze auch folgender:
Das Ich bestimmt sich selbst, (durch absolute Thätigkeit).
Wir abstrahiren vor der Hand noch gänzlich davon, ob etwa jeder von beiden Sätzen sich selbst widerspreche, einen inneren Widerspruch enthalte, und demnach sich selbst aufhebe. Aber soviel ist sogleich einleuchtend, dass beide einander gegenseitig widersprechen; dass das Ich nicht thätig sein könne, wenn es leidend seyn soll, und umgekehrt.
(Die Begriffe der Thätigkeit und des Leidens sind freilich noch nicht, als entgegengesetzte, abgeleitet und entwickelt; es soll aber auch weiter nichts aus diesen Begriffen als entgegengesetzten gefolgert werden; man hat sich dieser Worte hier bloss bedient, um sich deutlich zu machen. Soviel ist offenbar, dass in dem einen der entwickelten Sätze bejahet werde, was der andere verneinet, und umgekehrt; und so etwas ist doch wohl ein Widerspruch).
Zwei Sätze, die in einem und ebendemselben Satze enthalten sind, widersprechen einander, sie heben sich demnach auf; und der Satz, in dem sie enthalten sind, hebt sich selbst auf. Mit dem oben aufgestellten Satze ist es so beschaffen. Er hebt demnach sich selbst auf.
Aber er darf sich nicht aufheben, wenn die Einheit des Bewusstseyns nicht aufgehoben werden soll: wir müssen demnach suchen, die angezeigten Gegensätze zu vereinigen; (d.h. nach dem obigen nicht: wir sollen in unserem Geschäfte der Reflexion durch eine Künstelei einen Vereinigungspunct für sie erdichten; sondern, da die Einheit des Bewusstseyns, zugleich aber jener Satz, der sie aufzuheben droht, gesetzt ist, so muss der Vereinigungspunct schon in unserem Bewusstseyn vorhanden seyn, und wir haben durch Reflexion ihn nur zu suchen. Wir haben so eben einen synthetischen Begriff = X, der wirklich da ist, analysirt; und aus den durch die Analyse gefundenen Gegensätzen sollen wir schliessen, was für ein Begriff das unbekannte X sey).
Wir gehen an die Lösung unserer Aufgabe.
Es wird in dem einen Satze bejahet, was in dem anderen verneinet wird. Realität und Negation sind es demnach, die sich aufheben, und die sich nicht aufheben, sondern vereinigt werden sollen, und dieses geschieht (§. 3.) durch Einschränkung oder Bestimmung.
Insofern gesagt wird: das Ich bestimmt sich selbst, wird dem Ich absolute Totalität der Realität zugeschrieben. Das Ich kann sich nur als Realität bestimmen, denn es ist gesetzt als Realität schlechthin (§. 1.), und es ist in ihm gar keine Negation gesetzt. Dennoch sollte es durch sich selbst bestimmt seyn; das kann nicht heissen, es hebt eine Realität in sich auf; denn dadurch würde es unmittelbar in Widerspruch mit sich selbst versetzt; sondern es muss heissen: das Ich bestimmt die Realität und vermittelst derselben sich selbst. Es setzt alle Realität als ein absolutes Quantum. Ausser dieser Realität giebt es gar keine. Diese Realität ist gesetzt ins Ich. Das Ich ist demnach bestimmt, insofern die Realität bestimmt ist.
Noch ist zu bemerken, dass dies ein absoluter Akt des Ich ist; ebenderselbe, der § 3. vorkommt, wo das Ich sich selbst als Quantität setzt; und der hier, um der Folgen willen, deutlich und klar aufgestellt werden musste.
Das Nicht-Ich ist dem Ich entgegengesetzt; und in ihm ist Negation, wie im Ich Realität. Ist in das Ich absolute Totalität der Realität gesetzt; so muss in das Nicht-Ich nothwendig absolute Totalität der Negation gesetzt werden; und die Negation selbst muss als absolute Totalität gesetzt werden.
Beides, die absolute Totalität der Realität im Ich, und die absolute Totalität der Negation im Nicht-Ich, sollen vereinigt werden durch Bestimmung. Demnach bestimmt sich das Ich zum Theil, und es wird bestimmt zum Theil.
Aber beides soll gedacht werden, als Eins und eben Dasselbe, d.h. in eben der Rücksicht, in der das Ich bestimmt wird, soll es sich bestimmen, und in eben der Rücksicht, in der es sich bestimmt, soll es bestimmt werden.
Das Ich wird bestimmt, heisst: es wird Realität in ihm aufgehoben. Wenn demnach das Ich nur einen Theil von der absoluten Totalität der Realität in sich setzt, so hebt es dadurch den Rest jener Totalität in sich auf und setzt den der aufgehobenen Realität gleichen Theil der Realität vermöge des Gegensetzens (§. 2.) und der Gleichheit der Quantität mit sich selbst in das Nicht-Ich (§. 3.). Ein Grad ist immer ein Grad; es sey ein Grad der Realität, oder der Negation. (Theilet z.B. die Totalität der Realität in 10 gleiche Theile; setzt deren 5 in das Ich; so sind nothwendig 5 Theile der Negation in das Ich gesetzt).
So viele Theile der Negation das Ich in sich setzt, so viele Theile der Realität setzt es in das Nicht-Ich; welche Realität in dem entgegengesetzten die Realität in ihm eben aufhebt. (Sind z.B. 5 Theile der Negation in das Ich gesetzt, so sind 5 Theile Realität in das Nicht-Ich gesetzt).
Demnach setzt das Ich Negation in sich, insofern es Realität in das Nicht-Ich setzt, und Realität in sich, insofern es Negation in das Nicht-Ich setzt; es setzt sich demnach sich bestimmend, insofern es bestimmt wird; und bestimmt werdend, insofern es sich bestimmt: und die Aufgabe ist, insofern sie oben aufgegeben war, gelöst.
(Insofern sie aufgegeben war; denn noch immer bleibt die Frage unbeantwortet, wie das Ich Negation in sich, oder Realität in das Nicht-Ich setzen könne; und es ist soviel als nichts geschehen, wenn diese Fragen sich nicht beantworten lassen. Dies wird darum erinnert, damit niemand sich an die anscheinende Nichtigkeit und Unzulänglichkeit unserer Auflösung stosse).
Wir haben soeben eine neue Synthesis vorgenommen. Der Begriff, der in derselben aufgestellt wird, ist enthalten unter dem höheren Gattungsbegriffe der Bestimmung; denn es wird durch ihn Quantität gesetzt. Aber wenn es wirklich ein anderer Begriff, und die durch ihn bezeichnete Synthesis wirklich eine neue Synthesis seyn soll, so muss sich die specifische Differenz desselben vom Begriffe der Bestimmung überhaupt; es muss sich der Unterscheidungsgrund beider Begriffe aufzeigen lassen. – Durch Bestimmung überhaupt wird bloss Quantität festgesetzt; ununtersucht wie, und auf welche Art: durch unseren eben jetzt aufgestellten synthetischen Begriff wird die Quantität des Einen durch die seines Entgegengesetzten gesetzt; und umgekehrt. Durch die Bestimmung der Realität oder Negation des Ich wird zugleich die Negation oder Realität des Nicht – Ich bestimmt; und umgekehrt. Ich kann ausgehen, von welchem der Entgegensesetzten ich nur will und habe jedesmal durch eine Handlung des Bestimmens zugleich das andere bestimmt. Diese bestimmtere Bestimmung könnte man füglich Wechselbestimmung (nach der Analogie von Wechselwirkung) nennen Es ist das gleiche, was bei Kant Relation heisst.
C. Synthesis durch Wechselbestimmung der in dem ersten der entgegengesetzten Sätze selbst enthaltenen Gegensätze.
Es wird sich bald zeigen, dass durch die Synthesis vermittelst der Wechselbestimmung für die Lösung der Hauptschwierigkeit an sich nichts beträchtliches gewonnen ist. Aber für die Methode haben wir festen Fuss gewonnen.
Sind in dem zu Anfange des § aufgestellten Hauptsatze alle Gegensätze enthalten, welche hier vereinigt werden sollen; und sie sollen darin enthalten seyn, laut der oben gemachten Erinnerung über die Methode: sind sie ferner im Allgemeinen zu vereinigen gewesen durch den Begriff der Wechselbestimmung; so müssen nothwendig die Gegensätze, die in den schon vereinigten allgemeinen Sätzen liegen, schon mittelbar durch Wechselbestimmung vereinigt seyn. So wie die besonderen Gegensätze enthalten sind unter den aufgestellten allgemeinen; so muss auch der synthetische Begriff, der sie vereinigt, enthalten seyn unter dem allgemeinen Begriffe der Wechselbestimmung. Wir haben demnach mit diesem Begriffe gerade so zu verfahren, wie wir eben mit dem Begriffe der Bestimmung überhaupt verfuhren. Wir bestimmten ihn selbst, d.h. wir schränkten die Sphäre seines Umfangs ein auf eine geringere Quantität durch die hinzugefügte Bedingung, dass die Quantität des Einen durch sein entgegengesetztes bestimmt werden solle, und umgekehrt; und so erhielten wir den Begriff der Wechselbestimmung. Laut des soeben geführten Beweises haben wir von nun an diesen Begriff selbst näher zu bestimmen, d. i. seine Sphäre durch eine besondere hinzugefaßte Bedingung einzuschränken; und so bekommen wir synthetische Begriffe, die unter dem höheren Begriff der Wechselbestimmung enthalten sind.
Wir werden dadurch in den Stand gesetzt, diese Begriffe durch ihre scharfe Grenzlinien zu bestimmen, so dass die Möglichkeit, sie zu verwechseln, und aus dem Gebiet des einen in das Gebiet des anderen überzuschweifen, schlechthin abgeschnitten werde. Jeder Fehler entdeckt sich sogleich durch den Mangel an scharfer Bestimmung.
Das Nicht-Ich soll bestimmen das Ich, d.h. es soll Realität in demselben aufheben. Das aber ist nur unter der Bedingung möglich, dass es in sich selbst denjenigen Theil der Realität habe, den es im Ich aufheben soll. Also – das Nicht-Ich hat in sich selbst Realität.
Aber alle Realität ist in das Ich gesetzt, das Nicht-Ich aber ist dem Ich entgegengesetzt; mithin ist in dasselbe gar keine Realität, sondern lauter Negation gesetzt. Alles Nicht-Ich ist Negation; und es hat mithin gar keine Realität in sich.
Beide Sätze heben einander gegenseitig auf. Beide sind enthalten in dem Satze: das Nicht-Ich bestimmt das Ich. Jener Satz hebt demnach sich selbst auf.
Aber jener Satz ist enthalten in dem eben aufgestellten Hauptsatze; und dieser in dem Satze der Einheit des Bewusstseyns; wird er aufgehoben, so wird der Hauptsatz, in dem er enthalten ist, und die Einheit des Bewusstseyns, in welcher dieser enthalten ist, aufgehoben. Er kann sich demnach nicht aufheben, sondern die Gegensatze, die in ihm liegen, müssen sich vereinigen lassen.
1) Der Widerspruch ist nicht etwa schon durch den Begriff der Wechselbestimmung aufgelöst. Setzen wir die absolute Totalität der Realität als eintheilbar; d. i. als eine solche, die vermehrt oder vermindert werden kann (und selbst die Befugniss dieses zu thun, ist noch nicht deducirt); so können wir freilich willkürlich Theile derselben abziehen, und müssen sie unter dieser Bedingung nothwendig in das Nicht-Ich setzen; soviel ist durch den Begriff der Wechselbestimmung gewonnen. Aber wie kommen wir denn dazu, Theile von der Realität des Ich abzuziehen? Das ist die noch nicht berührte Frage – die Reflexion setzt freilich laut des Gesetzes der Wechselbestimmung, die in Einem aufgehobene Realität in das entgegengesetzte, und umgekehrt; wenn sie erst irgendwo Realität aufgehoben hat. Aber was ist denn dasjenige, das sie berechtigt oder nöthigt, überhaupt eine Wechselbestimmung vorzunehmen?
Wir erklären uns bestimmter! – Es ist in das Ich schlechthin Realität gesetzt. Im dritten Grundsatze, und soeben ganz bestimmt wurde das Nicht-Ich als ein Quantum gesetzt; aber jedes Quantum ist Etwas, mithin auch Realität. Demnach soll das Nicht-Ich Negation; – also gleichsam eine reale Negation, (eine negative Grösse) seyn.
Nach dem Begriffe der blossen Relation nun ist es völlig gleichgültig, welchem von beiden entgegengesetzten man Realität, und welchem man Negation zuschreiben wolle. Es hängt davon ab, von welchem der beiden Objecte die Reflexion ausgeht. So ist es wirklich in der Mathematik, die von aller Qualität völlig abstrahirt und lediglich auf die Quantität sieht. Ob ich Schritte rückwärts oder Schritte vorwärts positive Grössen nennen wolle, ist an sich völlig gleichgültig; und es hängt lediglich davon ab, ob ich die Summe der ersteren, oder die der letzteren als endliches Resultat aufstellen will. So in der Wissenschaftslehre. Was im Ich Negation ist, ist im Nicht-Ich Realität, und umgekehrt; so viel, weiter aber auch nichts, wird durch den Begriff der Wechselbestimmung vorgeschrieben. Ob ich nun das im Ich Realität oder Negation nennen wolle, bleibt ganz meiner Willkür überlassen: es ist bloss von relativer *) Realität die Rede.
Es zeigt sich demnach eine Zweideutigkeit in dem Begriffe der Realität selbst, welche eben durch den Begriff der Wechselbestimmung herbeigeführt wird. Lässt diese Zweideutigkeit sich nicht heben, so ist die Einheit des Bewusstseyns aufgehoben: das Ich ist Realität, und das Nicht-Ich ist gleichfalls Realität; und beide sind nicht mehr entgegengesetzt, und das Ich ist nicht = Ich, sondern = Nicht-Ich.
2) Soll der aufgezeigte Widerspruch befriedigend gelöst werden, so muss vor allen Dingen jene Zweideutigkeit gehoben werden, hinter welcher er etwa versteckt seyn und kein wahrer, sondern nur ein scheinbarer Widerspruch seyn könnte.
Aller Realität Quelle ist das Ich. Erst durch und mit dem Ich ist der Begriff der Realität gegeben. Aber das Ich ist, weil es sich setzt, und setzt sich, weil es ist. Demnach sind sich setzten, und Seyn Eins und ebendasselbe. Aber der Begriff des Sichsetzens und der Thätigkeit überhaupt sind wieder Eins und ebendasselbe. Also – alle Realität ist thätig; und alles thätige ist Realität. Thätigkeit ist positive (im Gegensatz gegen bloss relative) Realität.
(Es ist sehr nöthig, den Begriff der Thätigkeit sich hier ganz rein zu denken. Es kann durch denselben nichts bezeichnet werden, was nicht in dem absoluten Setzen des Ich durch sich selbst enthalten ist; nichts, was nicht unmittelbar im Satze: Ich bin, liegt. Es ist demnach klar, dass nicht nur von allen Zeitbedingungen, sondern auch von allem Objecte der Thätigkeit völlig zu abstrahiren ist. Die Thathandlung des Ich, indem es sein eigenes Seyn setzt, geht gar nicht auf ein Object, sondern sie geht in sich selbst zurück. Erst dann, wenn das Ich sich selbst vorstellt, wird es Object. – Die Einbildungskraft kann sich schwerlich enthalten, das letztere Merkmal, das des Objects, in den reinen Begriff der Thätigkeit mit einzumischen: es ist aber genug, dass man vor der Täuschung derselben gewarnt ist, damit man wenigstens in den Folgerungen von allem, was von einer solchen Einmischung herstammen könnte, abstrahire).
3) Das Ich soll bestimmt seyn, d.h. Realität oder, wie dieser Begriff soeben bestimmt worden, Thätigkeit soll in ihm aufgehoben seyn. Mithin ist in ihm das Gegentheil der Thätigkeit gesetzt. Das Gegentheil der Thätigkeit aber heisst Leiden. Leiden ist positive Negation, und ist insofern der bloss relativen entgegengesetzt.
(Es wäre zu wünschen, dass das Wort Leiden weniger Nebenbedeutungen hätte. Dass hier nicht an schmerzhafte Empfindung zu denken sey, braucht wohl nicht erinnert zu werden. Vielleicht aber das, dass von allen Zeitbedingungen, ferner bis jetzt noch von aller das Leiden verursachenden Thätigkeit in dem entgegengesetzten zu abstrahiren sey. Leiden ist die blosse Negation des soeben aufgestellten reinen Begriffs der Thätigkeit; und zwar die quantitative, da er selbst quantitativ ist; denn die blosse Negation der Thätigkeit, von der Quantität derselben abstrahirt = 0, wäre Ruhe. Alles im Ich, was nicht unmittelbar im: Ich bin liegt; nicht unmittelbar durch das Setzen des Ich durch sich selbst gesetzt ist, ist für dasselbe Leiden (Affection überhaupt).
4) Soll, wenn das Ich im Zustande des Leidens ist, die absolute Totalität der Realität beibehalten werden, so muss nothwendig, vermöge des Gesetzes der Wechselbestimmung, ein gleicher Grad der Thätigkeit in das Nicht-Ich übertragen werden.
Und so ist denn der obige Widerspruch gelöst. Das Nicht-Ich hat, als solches, an sich keine Realität; aber es hat Realität, insofern das Ich leidet; vermöge des Gesetzes der Wechselbestimmung. Dieser Satz: das Nicht-Ich hat, soviel wir wenigstens bis jetzt einsehen, für das Ich nur insofern Realität, insofern das Ich afficirt ist; und ausser der Bedingung einer Affektion des Ich hat es gar keine, ist um der Folgen willen sehr wichtig.
5) Der jetzt abgeleitete synthetische Begriff ist enthalten unter dem höheren Begriffe der Wechselbestimmung; denn es wird in ihm die Quantität des Einen, des Nicht-Ich, bestimmt durch die Quantität seines entgegengesetzten, des Ich. Aber er ist von ihm auch specifisch verschieden. Nemlich im Begriffe der Wechselbestimmung war es völlig gleichgültig, welches der beiden entgegengesetzten durch das andere bestimmt wurde: welchem von beiden die Realität, und welchem die Negation zugeschrieben wurde. Es wurde die Quantität, – aber weiter auch nichts, als die blosse Quantität bestimmt. – In der gegenwärtigen Synthesis aber ist die Verwechselung nicht gleichgültig; sondern es ist bestimmt, welchem von den beiden Gliedern des Gegensatzes Realität, und nicht Negation, und welchem Negation, und nicht Realität, zuzuschreiben sey. Es wird demnach durch die gegenwärtige Synthesis gesetzt Thätigkeit, und zwar der gleiche Grad der Thätigkeit in das Eine, sowie Leiden in sein entgegengesetztes gesetzt wird, und umgekehrt.
Diese Synthesis wird genannt die Synthesis der Wirksamkeit (Kausalität). Dasjenige, welchem Thätigkeit zugeschrieben wird, und insofern nicht Leiden, heisst die Ursache (Ur-Realität, positive schlechthin gesetzte Realität, welches durch jenes Wort treffend ausgedrückt wird): dasjenige, dem Leiden zugeschrieben wird, und insofern nicht Thätigkeit, heisst das bewirkte, (der Effekt, mithin von einer anderen abhängende und keine Ur-Realität). Beides in Verbindung gedacht heisst eine Wirkung. Das bewirkte sollte man nie Wirkung nennen.
(In dem Begriffe der Wirksamkeit, wie er soeben deducirt worden, ist völlig zu abstrahiren von den empirischen Zeitbedingungen; und er lässt auch ohne sie sich recht wohl denken. Theils ist die Zeit noch nicht deducirt, und wir haben hier doch gar nicht das Recht, uns ihres Begriffs zu bedienen; theils ist es überhaupt gar nicht wahr, dass man sich die Ursache, als solche, d. i. insofern sie in der bestimmten Wirkung thätig ist, als dem bewirkten in der Zeit vorhergehend denken müsse, wie sich einst beim Schematismus zeigen wird. Ursache und bewirktes sollen ja vermöge der synthetischen Einheit als Eins und ebendasselbe gedacht werden. Nicht die Ursache als solche, aber die Substanz, welcher die Wirksamkeit zugeschrieben wird, geht der Zeit nach der Wirkung vorher, aus Gründen, die sich zeigen werden. Aber in dieser Rücksicht geht auch die Substanz, auf welche gewirkt wird, dem in ihr bewirkten der Zeit nach vorher).
D. Synthesis durch Wechselbestimmung der in dem zweiten der entgegengesetzten Sätze enthaltenen Gegensätze.
Der als in unserem Hauptsatze enthalten aufgestellte zweite Satz: das Ich setzt sich als bestimmt, d.i. es bestimmt sich, enthält selbst Gegensätze; und hebt sich demnach auf. Da er aber sich nicht aufheben kann, ohne dass mittelbar auch die Einheit des Bewusstseyns aufgehoben werde, haben wir durch eine neue Synthesis die Gegensätze in ihm zu vereinigen.
a. Das Ich bestimmt sich; es ist das bestimmende, und demnach thätig.
b. Es bestimmt sich; es ist das bestimmt werdende, und demnach leidend. Also ist das Ich in einer und ebenderselben Handlung thätig und leidend zugleich; es wird ihm Realität und Negation zugleich zugeschrieben, welches ohne Zweifel ein Widerspruch ist.
Dieser Widerspruch ist zu lösen durch den Begriff der Wechselbestimmung; und er würde allerdings vollkommen gelöst seyn, wenn statt der obigen Sätze sich folgender denken liesse: das Ich bestimmt durch Thätigkeit sein Leiden; oder durch Leiden seine Thätigkeit. Dann wäre es in einem und ebendemselben Zustande thätig und leidend zugleich: Es ist nur die Frage: ob, und wie obiger Satz sich denken lasse?
Für die Möglichkeit aller Bestimmung überhaupt (alles Messens) muss ein Maassstab festgesetzt seyn. Dieser Maassstab aber könnte kein anderer seyn, als das Ich selbst, weil ursprünglich nur das Ich schlechthin gesetzt ist.
Aber in das Ich ist Realität gesetzt. Mithin muss das Ich als absolute Totalität (mithin als ein Quantum, in welchem alle Quanta enthalten sind, und welches ein Maass für alle seyn kann) der Realität gesetzt seyn; und zwar ursprünglich und schlechthin; wenn die soeben problematisch aufgestellte Synthesis möglich seyn, und der Widerspruch befriedigend gelöst werden soll. Also
1) Das Ich setzt schlechthin, ohne irgend einen Grund, und unter keiner möglichen Bedingung absolute Totalität der Realität, als ein Quantum, über welches schlechthin Kraft dieses Setzens kein grösseres möglich ist; und dieses absolute Maximum der Realität setzt es in sich selbst. – Alles, was im Ich gesetzt ist, ist Realität: und alle Realität, welche ist, ist im Ich gesetzt (§. 1). Aber diese Realität im Ich ist ein Quantum, und zwar ein schlechthin gesetztes Quantum (§. 3)
2) Durch und an diesem schlechthin gesetzten Maassstabe soll die Quantität eines Mangels der Realität (eines Leidens) bestimmt werden. Aber der Mangel ist nichts; und das Mangelnde ist nichts. Mithin kann derselbe nur dadurch bestimmt werden, dass das Uebrige der Realität bestimmt werde. Also, das Ich kann nur die eingeschränkte Quantität seiner Realität bestimmen; und durch deren Bestimmung ist denn auch zugleich die Quantität der Negation bestimmt (vermittelst des Begriffs der Wechselbestimmung).
(Wir abstrahiren hier noch gänzlich von der Bestimmung der Negation als Gegensatzes der Realität an sich im Ich: und richten unsere Aufmerksamkeit bloss auf Bestimmung eines Quantums der Realität, das kleiner ist, als die Totalität).
3) Ein der Totalität nicht gleiches Quantum Realität, ist selbst Negation, nemlich Negation der Totalität. Es ist als beschränkte Quantität der Totalität entgegengesetzt; alles entgegengesetzte aber ist Negation dessen, dem es entgegengesetzt ist. Jede bestimmte Quantität ist Nicht-Totalität.
4) Soll aber ein solches Quantum der Totalität entgegengesetzt, mithin mit ihr verglichen (nach den Regeln aller Synthesis und Antithesis) werden können, so muss ein Beziehungsgrund zwischen beiden vorhanden seyn; und dieser ist denn der Begriff der Theilbarkeit (§. 3). In der absoluten Totalität sind keine Theile; aber sie kann mit Theilen verglichen, und von ihnen unterschieden werden: und hierdurch lässt denn der obige Widerspruch sich befriedigend lösen.
5) Um dies recht deutlich einzusehen, reflectiren wir auf den Begriff der Realität. Der Begriff der Realität ist gleich dem Begriffe der Thätigkeit. Alle Realität ist in das Ich gesetzt, heisst: alle Thätigkeit ist in dasselbe gesetzt, und umgekehrt; alles im Ich ist Realität, heisst: das Ich ist nur thätig; es ist bloss Ich, inwiefern es thätig ist; und inwiefern es nicht thätig ist, ist es Nicht-Ich.
Alles Leiden ist Nicht-Thätigkeit. Das Leiden lässt demnach gar nicht anders sich bestimmen, als dadurch, dass es auf die Thätigkeit bezogen wird.
Das entspricht nun allerdings unserer Aufgabe, nach welcher vermittelst der Thätigkeit, durch eine Wechselbestimmung, ein Leiden bestimmt werden soll.
6) Leiden kann nicht auf Thätigkeit bezogen werden, ausser unter der Bedingung, dass es einen Beziehungsgrund mit demselben habe. Das aber kann kein anderer seyn, als der allgemeine Beziehungsgrund der Realität und Negation, der der Quantität. Leiden ist durch Quantität beziehbar auf Thätigkeit, heisst: Leiden ist ein Quantum Thätigkeit.
7) Um sich ein Quantum Thätigkeit denken zu können, muss man einen Maassstab der Thätigkeit haben: d. i. Thätigkeit überhaupt, (was oben absolute Totalität der Realität hiess). Das Quantum überhaupt ist das Maass.
8) Wenn in das Ich überhaupt alle Thätigkeit gesetzt ist, so ist das Setzen eines Quantums der Thätigkeit Verringerung derselben; und ein solches Quantum ist, insofern es nicht alle Thätigkeit ist, ein Leiden; ob es an sich gleich Thätigkeit ist.
9) Demnach wird durch das Setzen eines Quantums der Thätigkeit, durch Entgegensetzung desselben gegen die Thätigkeit nicht insofern sie Thätigkeit überhaupt, sondern insofern sie alle Thätigkeit ist ein Leiden gesetzt; d. i. jenes Quantum Thätigkeit als solches wird selbst als Leiden gesetzt; und als solches bestimmt.
(Bestimmt, sage ich. Alles Leiden ist Negation der Thätigkeit; durch ein Quantum Thätigkeit wird die Totalität der Thätigkeit negirt. Und insofern das geschieht, gehört das Quantum unter die Sphäre des Leidens. – Wird es überhaupt als Thätigkeit betrachtet; so gehört es nicht unter die Sphäre des Leidens, sondern ist von ihr ausgeschlossen).
10) Es ist jetzt ein X aufgezeigt worden, welches Realität und Negation, Thätigkeit und Leiden zugleich ist.
a. X ist Thätigkeit, insofern es auf das Nicht-Ich bezogen wird, weil es gesetzt ist in das Ich, und in das setzende, handelnde Ich.
b. X ist Leiden, insofern es auf die Totalität des Handelns bezogen wird. Es ist nicht das Handeln überhaupt, sondern es ist ein bestimmtes Handeln: eine unter der Sphäre des Handelns überhaupt enthaltene besondere Handelsweise.
(Ziehet eine Zirkellinie = A, so ist die ganze durch sie eingeschlossene Fläche = X entgegengesetzt der unendlichen Fläche im unendlichen Raume, welche ausgeschlossen ist. Ziehet innerhalb des Umkreises von A eine andere Zirkellinie = B, so ist die durch dieselbe eingeschlossene Fläche = Y zuvörderst in dem Umkreise von A eingeschlossen, und zugleich mit ihm entgegengesetzt der unendlichen, durch A ausgeschlossenen Fläche; und insofern der Fläche X völlig gleich. Insofern ihr sie aber betrachtet als eingeschlossen durch B, ist sie der ausgeschlossenen unendlichen Fläche, mithin auch demjenigen Theile der Fläche X, der nicht in ihr liegt, entgegengesetzt. Also, der Raum Y ist sich selbst entgegengesetzt; er ist nemlich entweder ein Theil der Fläche X oder er ist die für sich selbst bestehende Fläche Y).
Ich denke, ist zuvörderst ein Ausdruck der Thätigkeit; das Ich ist denkend, und insofern handelnd gesetzt. Es ist ferner ein Ausdruck der Negation, der Einschränkung, des Leidens; denn denken ist eine besondere Bestimmung des Seyns: und im Begriffe desselben werden alle übrige Arten des Seyns ausgeschlossen. Der Begriff des Denkens ist demnach sich selbst entgegengesetzt; er bezeichnet eine Thätigkeit, wenn er bezogen wird auf den gedachten Gegenstand: er bezeichnet ein Leiden, wenn er bezogen wird auf das Seyn überhaupt: denn das Seyn muss eingeschränkt werden, wenn das Denken möglich seyn soll.
Jedes mögliche Prädicat des Ich bezeichnet eine Einschränkung desselben. Das Subject: Ich, ist das schlechthin thätige, oder seyende. Durch das Prädicat (z. B ich stelle vor, ich strebe u.s.f.) wird diese Thätigkeit in eine begrenzte Sphäre eingeschlossen. (Wie und wodurch dieses geschehe, davon ist hier noch nicht die Frage).
11) Jetzt lässt sich vollkommen einsehen, wie das Ich durch und vermittelst seiner Thätigkeit sein Leiden bestimmen, und wie es thätig und leidend zugleich seyn könne. Es ist bestimmend, insofern es durch absolute Spontaneität sich unter allen, in der absoluten Totalität seiner Realitäten enthaltenen Sphären in eine bestimmte setzt; und insofern bloss auf dieses absolute Setzen reflectirt, von der Grenze der Sphäre aber abstrahirt wird. Es ist bestimmt, insofern es, als in dieser bestimmten Sphäre gesetzt, betrachtet, und von der Spontaneität des Setzens abstrahirt wird.
12) Wir haben die ursprünglich synthetische Handlung des Ich, wodurch der aufgestellte Widerspruch gelöst wird, und dadurch einen neuen synthetischen Begriff gefunden, den wir noch, etwas genauer zu untersuchen haben.
Er ist, ebenso wie der vorige, der der Wirksamkeit, eine näher bestimmte Wechselbestimmung; und wir werden in beide die vollkommenste Einsicht erhalten, wenn wir sie mit jener, so wie unter sich selbst, vergleichen.
Nach den Regeln der Bestimmung überhaupt müssen a) beide der Wechselbestimmung gleich, b) derselben entgegengesetzt, c) einander gleich, insofern sie jener entgegengesetzt sind, d) einer dem anderen entgegengesetzt seyn.
a. Sie sind der Wechselbestimmung darin gleich, dass in beiden, so wie in jener, bestimmt wird Thätigkeit durch Leiden, oder Realität durch Negation (welches eben das ist) und umgekehrt.
b. Sie sind beide ihr entgegengesetzt. Denn in der Wechselbestimmung wird nur überhaupt ein Wechsel gesetzt; aber nicht bestimmt. Es ist völlig frei gelassen, ob man von der Realität zur Negation, oder von dieser zu jener Übergehen wolle. In den beiden zuletzt abgeleiteten Synthesen aber ist die Ordnung des Wechsels festgesetzt und bestimmt.
c. Eben darin, dass in beiden die Ordnung festgesetzt ist, sind sie sich gleich.
d. In Absicht der Ordnung des Wechsels sind sie sich beide entgegengesetzt. Im Begriffe der Kausalität wird die Thätigkeit durch Leiden; in dem soeben abgeleiteten wird das Leiden durch Thätigkeit bestimmt.
13) Insofern das Ich betrachtet wird, als den ganzen, schlechthin bestimmten Umkreis aller Realitäten umfassend, ist es Substanz. Inwiefern es in eine nicht schlechthin bestimmte Sphäre (wie und wodurch sie bestimmt werde, bleibt vor der Hand ununtersucht,) dieses Umkreises gesetzt wird, insofern ist es accidentell; oder es ist in ihm ein Accidens. Die Grenze, welche diese besondere Sphäre von dem ganzen Umfange abschneidet, ist es, welche das Accidens zum Accidens macht. Sie ist der Unterscheidungsgrund zwischen Substanz und Accidens. Sie ist im Umfange; daher ist das Accidens in, und an der Substanz: sie schliesst etwas vom ganzen Umfange aus; daher ist das Accidens nicht Substanz.
14) Keine Substanz ist denkbar ohne Beziehung auf ein Accidens: denn erst durch das Setzen möglicher Sphären in den absoluten Umkreis wird das Ich Substanz; erst durch mögliche Accidenzen entstehen Realitäten; da ausserdem alle Realität schlechthin Eins seyn würde. Die Realitäten des Ich sind seine Handlungsweisen: es ist Substanz, inwiefern alle möglichen Handlungsweisen (Arten zu seyn), darin gesetzt werden.
Kein Accidens ist denkbar ohne Substanz; denn um zu erkennen, dass etwas eine bestimmte Realität sey, muss ich es auf die Realität überhaupt beziehen.
Die Substanz ist aller Wechsel, im allgemeinen gedacht: das Accidens ist ein bestimmtes, das mit einem anderen wechselnden wechselt.
Es ist ursprünglich nur Eine Substanz; das Ich. In dieser Einen Substanz sind alle mögliche Accidenzen, also alle mögliche Realitäten gesetzt. – Wie mehrere in irgend einem Merkmale gleiche Accidenzen der einigen Substanz zusammen begriffen und selbst als Substanzen gedacht werden können, deren Accidenzen durch die Verschiedenheit jener Merkmale unter sich, die neben der Gleichheit stattfindet, bestimmt werden, werden wir zu seiner Zeit sehen.
Anmerkung. Ununtersucht und völlig im Dunkeln ist geblieben theils diejenige Thätigkeit des Ich, durch welche es sich selbst als Substanz und Accidens unterscheidet, und vergleicht; theils dasjenige, was das Ich veranlasst, diese Handlung vorzunehmen; welches letztere, soviel wir aus der ersten Synthesis vermuthen können, wohl eine Wirkung des Nicht-Ich seyn dürfte.
Es ist demnach, wie das bei jeder Synthesis zu geschehen pflegt, in der Mitte alles richtig vereinigt und verknüpft; nicht aber die beiden äussersten Enden.
Diese Bemerkung zeigt uns von einer neuen Seite das Geschäft der Wissenschaftslehre. Sie wird immer fortfahren, Mittelglieder zwischen die Entgegengesetzten einzuschieben; dadurch aber wird der Widerspruch nicht vollkommen gelöst, sondern nur weiter hinausgesetzt Wird zwischen die vereinigten Glieder, von denen sich bei näherer Untersuchung findet, dass sie dennoch nicht vollkommen vereinigt sind, ein neues Mittelglied eingeschoben, so fällt freilich der zuletzt aufgezeigte Widerspruch weg; aber um ihn zu lösen, musste man neue Endpuncte annehmen, welche abermals entgegengesetzt sind, und von neuem vereinigt werden müssen.
Die eigentliche, höchste, alle andere Aufgaben unter sich enthaltende Aufgabe ist die: wie das Ich auf das Nicht-Ich, oder das Nicht-Ich auf das Ich unmittelbar einwirken könne, da sie beide einander völlig entgegengesetzt seyn sollen. Man schiebt zwischen beide hinein irgend ein X, auf welches beide wirken, wodurch sie denn auch zugleich mittelbar auf einander selbst wirken. Bald aber entdeckt man, dass in diesem. X doch auch wieder irgend ein Punct seyn müsse, in welchem Ich und Nicht-Ich unmittelbar zusammentreffen. Um dieses zu verhindern, schiebt man zwischen und statt der scharfen Grenze ein neues Mittelglied = Y ein. Aber es zeigt sich bald, dass in diesem ebenso wie in X ein Punct seyn müsse, in welchem die beiden entgegengesetzten sich unmittelbar berühren. Und so würde es ins unendliche fortgehen, wenn nicht durch einen absoluten Machtspruch der Vernunft, den nicht etwa der Philosoph thut, sondern den er nur aufzeigt – durch den: es soll, da das Nicht-Ich mit dem Ich auf keine Art sich vereinigen lässt, überhaupt kein Nicht-Ich seyn, der Knoten zwar nicht gelöst, aber zerschnitten würde.
Man kann die Sache noch von einer anderen Seite ansehen. – Insofern das Ich durch das Nicht-Ich eingeschränkt wird, ist es endlich; an sich aber, so wie es durch seine eigene absolute Thätigkeit gesetzt wird, ist es unendlich. Dieses beide in ihm, die Unendlichkeit, und die Endlichkeit sollen vereinigt werden. Aber eine solche Vereinigung ist an sich unmöglich Lange zwar wird der Streit durch Vermittelung geschlichtet; das unendliche begrenzt das endliche. Zuletzt aber, da die völlige Unmöglichkeit der gesuchten Vereinigung sich zeigt, muss die Endlichkeit überhaupt aufgehoben werden; alle Schranken müssen verschwinden, das unendliche Ich muss, als Eins und als Alles, allein übrig bleiben.
Setzet in dem fortlaufenden Raume A im Puncte m Licht, und im Puncte n Finsterniss: so muss nothwendig, da der Raum stetig, und zwischen m und n kein hiatus ist, zwischen beiden Puncten irgendwo ein Punct o seyn, welcher Licht und Finsterniss zugleich ist, welches sich widerspricht. – Ihr setzet zwischen beide ein Mittelglied, Dämmerung. Sie gehe von p bis q, so wird in p die Dämmerung mit dem Lichte, und in q mit der Finsterniss grenzen. Aber dadurch habt ihr bloss Aufschub gewonnen; den Widerspruch aber nichtbefriedigend gelöst. Die Dämmerung ist Mischung des Lichts mit Finsterniss. Nun kann in p das helle Licht mit der Dämmerung nur dadurch grenzen, dass der Punct p Licht und Dämmerung, zugleich sey; und da die Dämmerung nur dadurch vom Lichte unterschieden ist, dass sie auch Finsterniss ist; – dass er Licht und Finsterniss zugleich sey. Ebenso im Puncte q. – Mithin ist der Widerspruch gar nicht anders aufzulösen, als dadurch: Licht und Finsterniss sind überhaupt nicht entgegengesetzt, sondern nur den Graden nach zu unterscheiden. Finsterniss ist bloss eine sehr geringe Quantität Licht. – Gerade so verhält es sich zwischen dem Ich, und dem Nicht-Ich.
E. Synthetische Vereinigung des zwischen den bei den aufgestellten Arten der Wechselbestimmung stattfindenden Gegensatzes.
Das Ich setzt sich, als bestimmt durch das Nicht-Ich, war der Hauptsatz, von welchem wir ausgingen; welcher nicht aufgehoben werden konnte, ohne dass die Einheit des Bewusstseyns zugleich aufgehoben wurde. Aber es lagen in ihm Widersprüche, die wir zu lösen hatten. Zuvörderst entstand die Frage: wie kann das Ich bestimmen, und bestimmt werden zugleich? – welche so beantwortet wurde: bestimmen und bestimmt werden sind vermittelst des Begriffs der Wechselbestimmung eins und ebendasselbe; so wie demnach das Ich ein bestimmtes Quantum der Negation in sich setzt, setzt es zugleich ein bestimmtes Quantum der Realität in das Nicht-Ich, und umgekehrt. Hier blieb zu fragen übrig: wohin soll denn die Realität gesetzt werden, in das Ich, oder in das Nicht-Ich, – welches vermittelst des Begriffs der Wirksamkeit so beantwortet wurde: in das Ich soll Negation oder Leiden, und, nach der Regel der Wechselbestimmung überhaupt, das gleiche Quantum Realität oder Thätigkeit in das Nicht-Ich gesetzt werden. – Aber wie kann doch ein Leiden in das Ich gesetzt werden? – wurde weiter gefragt, und es wurde hierauf vermittelst des Begriffs der Substantialität geantwortet: Leiden und Thätigkeit im Ich sind eins und ebendasselbe, denn Leiden ist bloss ein geringeres Quantum der Thätigkeit.
Aber durch diese Antworten haben wir uns in einen Zirkel verfochten. Wenn das Ich einen kleineren, Grad der Thätigkeit in sich setzt, so setzt es dadurch freilich ein Leiden in sich, und eine Thätigkeit in das Nicht-Ich. Aber das Ich kann kein Vermögen haben, schlechthin einen niederen Grad der Thätigkeit in sich zu setzen; denn es setzt, laut des Begriffs der Substantialität, alle Thätigkeit in sich; und es setzt nichts in sich als Thätigkeit Mithin müsste dem Setzen des niederen Grades der Thätigkeit im Ich eine Thätigkeit des Nicht-Ich vorhergehen; diese müsste erst wirklich einen Theil der Thätigkeit des Ich vernichtet haben, ehe das Ich einen kleineren Theil derselben in sich setzen könnte. Aber dieses ist ebenso unmöglich, da vermöge des Begriffs der Wirksamkeit dem Nicht-Ich nur insofern eine Thätigkeit zugeschrieben werden kann, inwiefern in das Ich ein Leiden gesetzt ist.
Wir erklären uns, vor der Hand nicht eben in schulgerechter Form, noch deutlicher über den Hauptpunct, der in die Frage kommt. Man erlaube mir indess den Begriff der Zeit als bekannt vorauszusetzen. – Setzet, als den ersten Fall nach dem blossen Begriff der Wirksamkeit, dass die Einschränkung des Ich einzig und allein von der Thätigkeit des Nicht-Ich herkomme. Denkt euch, dass im Zeitpuncte A das Nicht-Ich nicht auf das Ich einwirke, so ist im Ich alle Realität, und gar keine Negation; und es ist mithin, doch dem obigen, keine Realität in das Nicht-Ich gesetzt. Denkt euch ferner, dass im Zeitpuncte B das Nicht-Ich mit 3 Graden der Thätigkeit auf das Ich einwirke, so sind, vermöge des Begriffs der Wechselbestimmung, allerdings 3 Grade der Realität im Ich aufgehoben, und statt deren 3 Grade Negation gesetzt. Aber dabei verhält das Ich sich bloss leidend; die Grade der Negation sind in ihm freilich gesetzt; aber sie sind auch bloss gesetzt, – für irgend ein intelligentes Wesen ausser dem Ich, welches Ich und Nicht-Ich in jener Wirkung beobachtet und nach der Regel der Wechselbestimmung beurtheilt, nicht aber für das Ich selbst. Dazu würde erfordert, dass es seinen Zustand im Momente A mit dem im Momente B vergleichen, und die verschiedenen Quanta seiner Thätigkeit in beiden Momenten unterscheiden könnte: und wie dieses möglich sey, ist noch nicht gezeigt worden. Das Ich wäre im angenommenen Falle allerdings eingeschränkt, aber es wäre seiner Einschränkung sich nicht bewusst. Das Ich wäre, um es in den Worten unseres Satzes zu sagen, allerdings bestimmt; aber es setzte sich nicht als bestimmt, sondern irgend ein Wesen ausser ihm könnte es als bestimmt setzen.
Oder setzet als den zweiten Fall nach dem blossen Begriffe der Substantialität, dass das Ich schlechthin und unabhängig von aller Einwirkung des Nicht-Ich ein Vermögen habe, willkürlich ein vermindertes Quantum der Realität in sich zu setzen; die Voraussetzung des transcendentalen Idealismus, und namentlich der prästabilirten Harmonie, welche ein solcher Idealismus ist. Davon, dass diese Voraussetzung schon dem absolut-ersten Grundsatze widerspreche, wird hier gänzlich abstrahirt. Gebt ihm auch noch das Vermögen, diese verminderte Quantität mit der absoluten Totalität zu vergleichen, und an ihr zu messen. Setzet unter dieser Voraussetzung das Ich im Momente A mit 2 Grad verringerter Thätigkeit, im Momente B mit 3 Grad; so lässt sich recht wohl verstehen, wie das Ich in beiden Momenten sich als eingeschränkt, und zwar im Momente B als mehr eingeschränkt, denn im Momente A beurtheilen könne; aber es lässt sich gar nicht einsehen, wie es diese Einschränkung auf Etwas im Nicht-Ich, als die Ursache derselben, beziehen könne. Vielmehr müsste es sich selbst als die Ursache derselben betrachten. Mit den Worten unseres Satzes: das Ich setzte denn allerdings sich als bestimmt, aber nicht als bestimmt durch das Nicht-Ich. (Die Befugniss jener Beziehung auf ein Nicht-Ich läugnet allerdings der Idealist, und er ist insofern consequent; aber die Thatsache des Beziehens kann er nicht läugnen, und noch ist es keinem eingefallen, sie zu läugnen. Aber dann hat er diese zugestandene Thatsache, abstrahirt von der Befugniss derselben, doch wenigstens zu erklären. Das aber vermag er aus seiner Voraussetzung nicht, und seine Philosophie ist demnach unvollständig. Nimmt er etwa gar das Daseyn der Dinge ausser uns noch daneben an, wie es in der prästabilirten Harmonie geschieht, so ist er überdies inconsequent.)
Beide Synthesen, abgesondert gebraucht, erklären demnach nicht, was sie erklären sollen, und der oben gerügte Widerspruch bleibt: setzt das Ich sich als bestimmt, so wird es nicht bestimmt durch das Nicht-Ich; wird es bestimmt durch das Nicht-Ich, so setzt es sich nicht als bestimmt.
I. Wir stellen jetzt diesen Widerspruch ganz bestimmt auf.
Das Ich kann kein Leiden in sich setzen, ohne Thätigkeit in das Nicht-Ich zu setzen; aber es kann keine Thätigkeit in das Nicht-Ich setzen, ohne ein Leiden in sich zu setzen: es kann keines ohne das andere; es kann keins schlechthin, es kann demnach keins von beiden. Also
1) Das Ich setzt nicht Leiden in sich, insofern es Thätigkeit in das Nicht-Ich setzt, noch Thätigkeit in das Nicht-Ich, insofern es Leiden in sich setzt: es setzt überhaupt nicht: (nicht die Bedingung wird geläugnet, sondern das Bedingte, welches wohl zu merken ist; nicht die Regel der Wechselbestimmung überhaupt, als solche; aber die Anwendung derselben überhaupt auf den gegenwärtigen Fall wird in Anspruch genommen). Wie so eben bewiesen worden.
2) Aber das Ich soll Leiden in sich setzen, und insofern Thätigkeit in das Nicht-Ich, und umgekehrt: laut Folgerung aus den oben schlechthin gesetzten Sätzen.
II. Im ersten Satze wird geläugnet, was im zweiten behauptet wird.
Beide verhalten sich demnach, wie Negation und Realität. Negation und Realität aber werden vereinigt durch Quantität. Beide Sätze müssen gelten; aber sie müssen beide nur zum Theil gelten. Sie müssen so gedacht werden:
1) Das Ich setzt zum Theil Leiden in sich, insofern es Thätigkeit in das Nicht-Ich setzt; aber es setzt zum Theil nicht Leiden in sich, insofern es Thätigkeit in das Nicht-Ich setzt: und umgekehrt.
2) Das Ich setzt nur zum Theil Leiden in das Nicht-Ich, insofern es Thätigkeit in das Ich, und zum Theil nicht Leiden in das Nicht-Ich, insofern es Thätigkeit In das Ich setzt. (Das würde aufgestelltermaassen heissen: Es wird eine Thätigkeit in das Ich gesetzt, der gar kein Leiden im Nicht-Ich entgegengesetzt wird, und eine Thätigkeit in das Nicht-Ich, der gar kein Leiden im Ich entgegengesetzt wird. Wir wollen diese Art der Thätigkeit vor der Hand unabhängige Thätigkeit nennen, bis wir sie näher kennen lernen).
III. Aber eine solche unabhängige Thätigkeit im Ich und Nicht – Ich widerspricht dem Gesetze des Entgegensetzens, welches jetzt durch das Gesetz der Wechselbestimmung näher bestimmt ist; sie widerspricht also insbesondere dem Begriffe der Wechselbestimmung, der in unserer gegenwärtigen Untersuchung herrschend ist.
Alle Thätigkeit im Ich bestimmt ein Leiden im Nicht-Ich, und umgekehrt: laut des Begriffs der Wechselbestimmung. – Jetzt eben aber ist der Satz aufgestellt:
Eine gewisse Thätigkeit im Ich bestimmt kein Leiden im Nicht-Ich; und eine gewisse Thätigkeit im Nicht-Ich bestimmt kein Leiden im Ich:
Welcher sich zu dem obigen verhält, wie Negation zur Realität. Demnach sind beide zu vereinigen durch Bestimmung, d. i beide können nur zum Theil gelten.
Der obenstehende Satz, dem widersprochen wird, ist der Satz der Wechselbestimmung. Dieser soll nur zum Theil gelten, d. i. er soll selbst bestimmt, seine Gültigkeit soll durch eine Regel in einen gewissen Umfang eingeschlossen werden.
Oder, um uns auf eine andere Art auszudrücken, die unabhängige Thätigkeit des Ich und des Nicht-Ich ist nur in einem gewissen Sinne unabhängig. Dies wird sogleich klar werden. Denn
IV. Es soll im Ich eine Thätigkeit seyn, die ein Leiden im Nicht-Ich bestimmt, und durch dasselbe bestimmt wird; und umgekehrt, eine Thätigkeit im Nicht-Ich, die ein Leiden im Ich bestimmt, und durch dasselbe bestimmt wird; laut des obigen. Auf diese Thätigkeit und Leiden ist der Begriff der Wechselbestimmung anwendbar.
Es soll zugleich in beiden eine Thätigkeit seyn, die durch kein Leiden des anderen bestimmt wird; wie so eben postulirt worden, um den sich zeigenden Widerspruch lösen zu können.
Beide Sätze sollen bei einander bestehen können; sie müssen demnach durch einen synthetischen Begriff, als in einer und ebenderselben Handlung vereinigt, gedacht werden können. Dieser Begriff aber kann kein anderer seyn, als der der Wechselbestimmung. Der Satz, in welchem beide vereinigt gedacht würden, wäre folgender:
Durch Wechsel-Thun und Leiden (das durch Wechselbestimmung sich gegenseitig bestimmende Thun und Leiden) wird die unabhängige Thätigkeit; und durch die unabhängige Thätigkeit wird umgekehrt Wechsel-Thun und Leiden bestimmt.
Wenn dieser Satz sich behaupten sollte, so wäre klar
1) In welchem Sinne die unabhängige Thätigkeit des Ich, und die des Nicht-Ich sich gegenseitig bestimmten; und in welchem nicht. Sie bestimmen sich nicht unmittelbar; aber sie bestimmen sich mittelbar, durch ihr im Wechsel begriffenes Thun und Leiden.
2) Wie der Satz der Wechselbestimmung zugleich gültig seyn könne, und auch nicht gültig seyn könne. Er ist anwendbar auf Wechsel und unabhängige Thätigkeit; aber er ist nicht anwendbar auf unabhängige Thätigkeit und unabhängige Thätigkeit an sich. Wechsel und unabhängige Thätigkeit stehen unter ihm, nicht aber unabhängige Thätigkeit und unabhängige Thätigkeit an sich.
Wir reflectiren jetzt über den Sinn des oben aufgestellten Satzes.
Es liegen in ihm folgende drei:
1) Durch Wechsel-Thun und Leiden wird eine unabhängige Thätigkeit bestimmt.
2) Durch eine unabhängige Thätigkeit wird ein Wechselthun und Leiden bestimmt.
3) Beide werden gegenseitig durcheinander bestimmt, und es ist gleichgültig, ob man von Wechsel-Thun und Leiden zur unabhängigen Thätigkeit, oder ob man umgekehrt von der unabhängigen Thätigkeit zu Wechsel-Thun und Leiden übergehe.
I.
Den ersten Satz betreffend haben wir zuvörderst zu untersuchen, was es überhaupt heisst: eine unabhängige Thätigkeit wird durch ein Wechsel-Thun bestimmt; dann haben wir ihn auf die vorliegenden Fälle anzuwenden.
1) Durch Wechsel-Thun und Leiden wird überhaupt eine unabhängige Thätigkeit bestimmt. – Es ist erinnert, dass wir damit umgehen, den Begriff der Wechselbestimmung selbst zu bestimmen, d. i. den Umfang seiner Gültigkeit durch eine Regel zu beschränken. Bestimmung aber geschieht durch Aufzeigung des Grundes. Sowie der Grund der Anwendung dieses Satzes angegeben wird, wird dieselbe zugleich beschränkt.
Nemlich nach dem Satz der Wechselbestimmung wird unmittelbar, durch das Setzen einer Thätigkeit in dem einen, Leiden in seinem entgegengesetzten gesetzt; und umgekehrt. Nun ist aus dem Satze des Gegensetzens zwar klar, dass, wenn überhaupt ein Leiden gesetzt werden soll, dasselbe in das entgegengesetzte des thätigen gesetzt werden müsse; aber die Frage, warum überhaupt ein Leiden gesetzt werden soll, und es nicht bei der Thätigkeit in dem einen sein Bewenden haben könne, d. i. warum überhaupt eine Wechselbestimmung vorgehen solle, ist dadurch noch nicht beantwortet. – Leiden und Thätigkeit, als solche, sind entgegengesetzt; doch soll unmittelbar durch Thätigkeit Leiden, und umgekehrt, gesetzt werden; mithin müssen sie, laut des Satzes der Bestimmung, in einem dritten = X auch gleich seyn, (welches dritte den Uebergang vom Leiden zur Thätigkeit, und umgekehrt, möglich machte, ohne dass die Einheit des Bewusstseyns unterbrochen werde, noch in ihr, dass ich so sage, ein hiatus entstehe). Dieses dritte ist der Beziehungsgrund zwischen Thun und Leiden im Wechsel. (§ 3.) Dieser Beziehungsgrund ist nicht abhängig von der Wechselbestimmung, sondern sie ist von ihm abhängig; er wird nicht möglich durch sie, aber sie wird erst durch ihn möglich. Er wird demnach in der Reflexion zwar gesetzt durch die Wechselbestimmung, aber als von ihr, und dem, was vermittelst ihrer wechselt, unabhängig.
Er wird ferner in der Reflexion durch den Wechsel bestimmt, d. i. wenn die Wechselbestimmung gesetzt ist, so wird er in diejenige Sphäre gesetzt, welche die Sphäre der Wechselbestimmung in sich fasst; es wird gleichsam durch ihn ein grösserer Umkreis um den der Wechselbestimmung gezogen, um ihn durch denselben sicher zu stellen. Er füllt die Sphäre der Bestimmung überhaupt, die Wechselbestimmung aber nur einen Theil derselben; wie schon aus dem obigen klar ist, hier aber zum Behuf der Reflexion in Erinnerung gebracht werden muss.
Dieser Grund ist eine Realität; oder, wenn die Wechselbestimmung als Handlung gedacht wird, eine Thätigkeit. – So wird durch Wechselbestimmung überhaupt eine unabhängige Thätigkeit bestimmt.
(Es ist aus dem obigen gleichfalls bekannt, dass der Grund aller Wechselbestimmung die absolute Totalität der Realität ist. Diese darf überhaupt nicht aufgehoben werden, und darum muss dasjenige Quantum derselben, das in einem aufgehoben wird, in sein entgegengesetztes gesetzt werden).
2) Wir wenden diesen allgemeinen Satz an auf die besonderen unter ihm enthaltenen und gegenwärtig vorkommenden Fälle.
a. Vermittelst des Wechselbegriffs der Wirksamkeit wird durch ein Leiden des Ich gesetzt eine Thätigkeit des Nicht-Ich. Dieses ist eine von den angezeigten Arten des Wechsels: durch sie soll eine unabhängige Thätigkeit gesetzt und bestimmt seyn.
Die Wechselbestimmung geht aus vom Leiden. Das Leiden ist gesetzt; durch und vermittelst des Leidens wird die Thätigkeit gesetzt. Das Leiden ist in das Ich gesetzt. Es ist im Begriffe der Wechselbestimmung vollkommen gegründet, dass, wenn diesem Leiden eine Thätigkeit entgegengesetzt werden solle, dieselbe in das entgegengesetzte des Ich, in das Nicht-Ich, gesetzt werden müsse. – In diesem Uebergange giebt es allerdings auch, und muss es geben, ein Glied des Zusammenhangs; oder einen Grund, der hier ein Beziehungsgrund ist. Dieser ist bekanntermaassen die Quantität, die ihr selbst im Ich und Nicht-Ich, – in Leiden und Thätigkeit gleich ist Sie ist der Relationsgrund, den wir aber schicklich den idealen Grund nennen können. Also das Leiden im Ich ist der ideale Grund der Thätigkeit des Nicht-Ich. – Das jetzt geprüfte Verfahren war durch die Regel der Wechselbestimmung vollkommen berechtigt.
Eine schwierigere Frage ist folgende: soll denn auch, und warum soll denn überhaupt die Regel der Wechselbestimmung hier angewendet werden! Dass die Thätigkeit in das Nicht-Ich gesetzt werde, wird ohne Bedenken zugestanden, aber warum wird denn überhaupt Thätigkeit gesetzt? Diese Frage muss nicht wieder durch den Satz der Wechselbestimmung, sondern durch den höheren Satz des Grundes beantwortet werden.
Es ist in das Ich ein Leiden gesetzt, d. i. ein Quantum seiner Thätigkeit ist aufgehoben.
Dieses Leiden oder diese Verminderung der Thätigkeit muss einen Grund haben: denn das aufgehobene soll ein Quantum seyn; jedes Quantum aber wird durch ein anderes Quantum bestimmt, vermöge dessen entweder ein kleineres, noch ein grösseres, sondern gerade dieses Quantum ist; laut des Satzes der Bestimmung. (§ 3).
Im Ich kann der Grund dieser Verminderung, nicht liegen; denn das Ich setzt in sich nur Thätigkeit, und nicht Leiden; es setzt sich bloss als seyend, nicht aber als nicht seyend (§ 1.). Im Ich liegt der Grund nicht; dieser Satz ist kraft des Gegensetzens, nach welchem dem Nicht-Ich zukommt, was dem Ich nicht zukommt (§ 2.), gleichgeltend mit folgendem: Im Nicht-Ich liegt der Grund der Verminderung.
Hier ist nicht mehr von der blossen Quantität die Rede, sondern von der Qualität; das Leiden wird dem Wesen des Ich, insofern es im Seyn besteht, entgegengesetzt, und nur insofern konnte der Grund desselben nicht in das Ich, sondern musste in das Nicht-Ich gesetzt werden. Das Leiden wird gesetzt als der Realität entgegengesetzte Qualität, als Negation (nicht bloss als ein geringeres Quantum der Thätigkeit: siehe B. in unserem §). Der Grund einer Qualität aber heisst Real-Grund. Eine vom Wechsel unabhängige, für die Möglichkeit desselben schon vorausgesetzte Thätigkeit des Nicht-Ich ist Real-Grund des Leidens; und diese wird gesetzt, damit wir einen Real-Grund desselben haben. – Es wird also durch den obigen Wechsel gesetzt eine vom Wechsel unabhängige, durch ihn vorausgesetzte Thätigkeit des Nicht-Ich.
(Theils weil wir hier auf einem der lichten Puncte angekommen sind, von welchen aus man das ganze System sehr bequem übersehen kann; theils auch, um dem dogmatischen Realismus auch auf die kurze Zeit nicht eine Bestätigung zu lassen, die er aus dem obigen Satze ziehen könnte, machen wir nochmals ausdrücklich bemerkbar, dass der Schluss auf einen Real-Grund im Nicht-Ich sich darauf gründe, dass das Leiden im Ich etwas qualitatives sey (welches man in der Reflexion auf den blossen Satz der Wirksamkeit allerdings annehmen muss); dass er demnach nicht weiter gelte, als jene Voraussetzung gelten kann. – So wie wir den zweiten Wechselbegriff, den der Substantialität, untersuchen werden, wird sich zeigen, dass in der Reflexion über ihn das Leiden gar nicht als etwas qualitatives, sondern bloss als etwas quantitatives gedacht werden könne, als blosse Verminderung der Thätigkeit; dass demnach in dieser Reflexion, wo der Grund wegfällt, auch das begründete wegfällt, und das Nicht-Ich wieder bloss idealer Grund wird. – Dass ich es kurz sage: geht die Erklärens der Vorstellung, d. i. die gesammte speculative Philosophie davon aus, dass das Nicht-Ich als Ursache der Vorstellung, sie als sein Effect gesetzt wird; so ist dasselbe Real-Grund von Allem; es ist schlechthin, weil es ist, und was es ist (das Spinozische Fatum); das Ich selbst ist bloss ein Accidens desselben, und gar nicht Substanz; und wir bekommen den materialen Spinozism, der ein dogmatischer Realismus ist, ein System, das den Mangel der höchsten möglichen Abstraction, der vom Nicht-Ich, voraussetzt, und, da es nicht den letzten Grund aufstellt, völlig ungegründet ist. – Geht im Gegentheil die Erklärung der Vorstellung davon aus, dass das Ich die Substanz derselben, sie aber sein Accidens sey, so ist das Nicht-Ich gar nicht Real-, sondern bloss Ideal Grund derselben: es hat demnach gar keine Realität ausser der Vorstellung; es ist nicht Substanz, nichts für sich bestehendes, schlechthin gesetztes, sondern ein blosses Accidens des Ich. In diesem Systeme liesse sich für die Einschränkung der Realität im Ich (für die Affection, wodurch eine Vorstellung entsteht), gar kein Grund angeben. Die Untersuchung über denselben ist hier völlig abgeschnitten. Ein solches System wäre ein dogmatischer Realismus, welcher allerdings die höchste Abstraction vorgenommen hat, und daher vollkommen begründet ist. Dagegen aber ist er unvollständig, weil er nicht alles erklärt, was erklärt werden soll. Demnach ist die wahre Streitfrage des Realismus und des Idealismus die: welchen Weg man in Erklärung der Vorstellung nehmen solle. Es wird sich zeigen, dass im theoretischen Theile unserer Wissenschaftslehre diese Frage völlig unbeantwortet bleibt, d. i. sie wird dahin beantwortet: beide Wege sind richtig; man ist unter einer gewissen Bedingung genöthigt, den einen, und unter der entgegengesetzten Bedingung den anderen zu gehen; und dadurch wird denn die menschliche, d.h. alle endliche Vernunft in Widerspruch mit sich selbst versetzt, und ist in einem Zirkel befangen. Ein System, in welchem dieses gezeigt wird, ist ein kritischer Idealismus, welchen Kant am consequentesten und vollständigsten aufgestellt hat. Jener Widerstreit der Vernunft mit sich selbst muss gelöst werden, wenn es auch nicht eben in der theoretischen Wissenschaftslehre möglich wäre: und da das absolute Seyn des Ich nicht aufgegeben werden kann, so muss der Streit zum Vortheile der letzten Folgerungsart entschieden werden, ebenso wie im dogmatischen Idealismus (nur mit dem Unterschiede, dass unser Idealismus nicht dogmatisch, sondern praktisch ist; nicht bestimmt, was ist, sondern was seyn solle). Dies muss aber auf eine solche Art geschehen, dass erklärt werde, was erklärt werden soll; welches der Dogmatism nicht vermochte. Die verminderte Thätigkeit des Ich muss aus dem Ich selbst erklärt werden; der letzte Grund derselben muss in das Ich gesetzt werden. Dies geschieht dadurch, dass das Ich, welches in dieser Rücksicht praktisch ist, gesetzt wird als ein solches, welches den Grund der Existenz des Nicht-Ich, das die Thätigkeit des intelligenten Ich vermindert, in sich selbst enthalten solle: eine unendliche Idee, die selbst nicht gedacht werden kann, durch welche demnach das zu erklärende nicht sowohl erklärt, als vielmehr gezeigt wird, dass und warum es nicht zu erklären sey; der Knoten nicht sowohl gelöst, als in die Unendlichkeit hinaus gesetzt wird.)
Es wurde durch den Wechsel zwischen Leiden des Ich und Thätigkeit des Nicht- Ich eine unabhängige Thätigkeit des letzteren gesetzt; sie wird durch ebendenselben Wechsel auch bestimmt, sie wird gesetzt, um ein im Ich gesetztes Leiden zu begründen; ihr Umfang erstreckt sich demnach auch nicht weiter, als der Umfang des letzteren sich erstreckt. Es giebt gar keine ursprüngliche Realität und Thätigkeit des Nicht-Ich für das Ich, als insofern das letztere leidet. Kein Leiden im Ich, keine Thätigkeit im Nicht-Ich: gilt auch da, wo von dieser Thätigkeit, als von einer vom Begriffe der Wirksamkeit unabhängigen Thätigkeit, welche Real-Grund ist, geredet wird. Selbst das Ding an sich ist nur insofern, inwiefern in das Ich wenigstens die Möglichkeit eines Leidens gesetzt wird: ein Kanon! der erst in dem praktischen Theile seine vollkommene Bestimmung und Anwendbarkeit erhält.
b. Vermittelst des Begriffs der Substantialität wird durch Thätigkeit im Ich ein Leiden in ebendemselben gesetzt und bestimmt. Beide sind im Wechsel begriffen; ihre gegenseitige Bestimmung ist die zweite Art der oben aufgestellten Wechselbestimmung; und auch durch diesen Wechsel soll eine von ihm unabhängige, und in ihm nicht mit begriffene Thätigkeit gesetzt und bestimmt werden.
An sich sind Thätigkeit und Leiden entgegengesetzt; und es kann, wie wir oben gesehen haben, allerdings durch eine und ebendieselbe Handlung, durch welche ein bestimmtes Quantum Thätigkeit in das Eine gesetzt wird, das gleiche Quantum Leiden in sein entgegengesetztes gesetzt werden; und umgekehrt. Aber dass nicht in das entgegengesetzte, sondern in Ein und ebendasselbe durch Eine und ebendieselbe Handlung Thätigkeit und Leiden gesetzt werde, ist widersprechend.
Nun ist zwar dieser Widerspruch schon oben bei Deduction des Begriffs der Substantialität überhaupt dadurch gehoben, dass das Leiden, an sich und seiner Qualität nach, gar nichts anderes als Thätigkeit, der Quantität nach aber eine mindere Thätigkeit seyn soll als die Totalität; und so liess sich denn im Allgemeinen gar wohl denken, wie eine mindere Quantität an absoluter Totalität gemessen, und dadurch, dass sie derselben an Quantität nicht gleich ist, als eine mindere gesetzt werden könne.
Der Beziehungsgrund beider ist jetzt Thätigkeit. Die Totalität sowohl, als die Nicht-Totalität beider, ist Thätigkeit.
Aber auch in das Nicht-Ich wird Thätigkeit, und zwar gleichfalls eine der Totalität nicht gleiche, sondern beschränkte Thätigkeit gesetzt. Es entsteht demnach die Frage: wodurch soll eine beschränkte Thätigkeit des Ich von einer beschränkten Thätigkeit des Nicht-Ich unterschieden werden? Das heisst nichts geringeres, als: wie soll unter diesen Bedingungen Ich und Nicht-Ich überhaupt noch unterschieden werden; denn der Unterscheidungs-Grund des Ich und Nicht-Ich, vermöge dessen das erstere thätig, das andere leidend seyn sollte, ist weggefallen: (ein Punct, welchen nicht zu übersehen man den Leser sehr bittet).
Wenn eine solche Unterscheidung nicht möglich ist, ist auch die geforderte Wechselbestimmung nicht möglich: und überhaupt keine von allen abgeleiteten Bestimmungen möglich. Die Thätigkeit des Nicht-Ich wird bestimmt durch das Leiden des Ich; das Leiden des Ich aber wird bestimmt durch die nach der Verminderung übriggebliebene Quantität seiner Thätigkeit. Hier wird ja, für die Möglichkeit einer Beziehung auf die absolute Totalität der Thätigkeit des Ich, vorausgesetzt, dass die verminderte Thätigkeit Thätigkeit des Ich, – ebendesselben Ich sey, in welches absolute Totalität gesetzt ist. – Verminderte Thätigkeit ist entgegengesetzt der Totalität derselben: die Totalität aber ist in das Ich gesetzt; also sollte, nach der obigen Regel der Gegensetzung, das entgegengesetzte der Totalität oder die verminderte Thätigkeit in das Nicht-Ich gesetzt werden. Würde sie aber dahin gesetzt, so wäre sie mit der absoluten Totalität durch gar keinen Beziehungsgrund verbunden; die Wechselbestimmung fände nicht statt, und alles bis jetzt abgeleitete würde aufgehoben.
Mithin muss die verminderte Thätigkeit, die als Thätigkeit überhaupt auf Totalität nicht beziehbar seyn würde, noch einen Charakter haben, der den Beziehungsgrund abgeben könne; einen solchen, wodurch sie zur Thätigkeit des Ich werde, und schlechthin nicht Thätigkeit des Nicht-Ich seyn könne. Dieser Charakter des Ich aber, der dem Nicht-Ich gar nicht zugeschrieben werden kann, ist das Setzen schlechthin und ohne allen Grund (§ 1.). Jene verminderte Thätigkeit müsste demnach absolut seyn.
Aber absolut und ohne Grund heisst (§ 3.) gänzlich unbeschränkt; und doch soll jene Handlung des Ich beschränkt seyn. Hierauf ist zu antworten: bloss insofern sie überhaupt ein Handeln ist, und nichts weiter, soll sie durch keinen Grund, durch keine Bedingung beschränkt seyn; es kann gehandelt werden, oder auch nicht; die Handlung an sich geschieht mit absoluter Spontaneität. Aber insofern sie auf ein Object gehen soll, ist sie begrenzt; es konnte nicht gehandelt werden (ohngeachtet der Affection durch das Nicht- Ich, wenn man sich einen Augenblick eine solche ohne Zueignung des Ich durch Reflexion möglich denken will); aber wenn einmal gehandelt wird, so muss, die Handlung eben auf dieses Object gehen, und kann auf kein anderes gehen.
Demnach wird durch die angezeigte Wechselbestimmung eine unabhängige Thätigkeit gesetzt. Nemlich die im Wechsel begriffene Thätigkeit ist selbst unabhängig, aber nicht insofern sie im Wechsel begriffen ist, sondern insofern sie Thätigkeit ist. Insofern sie in den Wechsel kommt, ist sie eingeschränkt, und insofern ein Leiden.
Diese unabhängige Thätigkeit wird ferner durch den Wechsel, nemlich in der blossen Reflexion, bestimmt. Um den Wechsel möglich zu machen, musste die Thätigkeit als absolut angenommen werden; also es ist aufgestellt – nicht absolute Thätigkeit überhaupt, sondern absolute Thätigkeit, die einen Wechsel bestimmt. (Sie heisst Einbildungskraft, wie sich zu seiner Zeit zeigen wird). Eine solche aber ist bloss insofern gesetzt, inwiefern ein Wechsel zu bestimmen ist; und ihr Umfang wird demnach durch den Umfang dieses Wechsels selbst bestimmt.
II.
Durch eine unabhängige Thätigkeit wird ein Wechsel-Thun und Leiden bestimmt: dies ist der zweite Satz, den wir zu erörtern haben. Wir haben
1) diesen Satz überhaupt zu erklären, und seine Bedeutung von der des vorhergehenden scharf zu unterscheiden.
In dem vorigen Satze wurde vom Wechsel ausgegangen; er wurde, als geschehend, vorausgesetzt; es war demnach gar nicht von Form desselben, als eines blossen Wechsels (eines Uebergehens von einem zum anderen), sondern von der Materie desselben, von den im Wechsel begriffenen Gliedern, die Rede. Soll ein Wechsel vorhanden seyn – so wurde oben im allgemeinen gefolgert – so müssen Glieder vorhanden seyn, die verwechselt werden können. Wie sind diese möglich? – und so zeigten wir als den Grund derselben eine unabhängige Thätigkeit auf.
Hier aber wird nicht vom Wechsel aus, sondern von demjenigen aus, was den Wechsel, als Wechsel, und seiner blossen Form nach, als ein Uebergehen von einem zum anderen, erst möglich macht, – zum Wechsel fortgegangen. Dort war vom Grunde der Materie, hier ist vom Grunde der Form des Wechsels die Rede. Auch dieser formale Grund des Wechsels soll eine unabhängige Thätigkeit seyn; und diese Behauptung haben wir hier zu erweisen.
Wir können den Unterscheidungsgrund der Form des Wechsels von seiner Materie noch deutlicher angeben, wenn wir auf unsere eigene Reflexion reflectiren wollen.
Im ersten Falle wird der Wechsel als geschehend vor ausgesetzt; es wird demnach von der Art, wie er geschehen möge, völlig abstrahirt, und bloss auf die Möglichkeit der im Wechsel begriffenen Glieder reflectirt. – Der Magnet zieht das Eisen; das Eisen wird vom Magnete gezogen: sind zwei Sätze, die mit einander wechseln, d. i. durch deren einen der andere gesetzt wird. Dies ist vorausgesetztes und als begründet vorausgesetztes Factum; und es wird daher nicht gefragt: wer einen durch den anderen setze; und wie es überhaupt mit dem Setzen eines Satzes durch den anderen zugehe; sondern es wird bloss gefragt: warum unter der Sphäre der Sätze, die, einer statt des anderen, gesetzt werden können, eben jene beiden enthalten sind. In beiden muss etwas liegen, das sie geschickt macht, verwechselt werden zu können; dieses, also das Materiale, was sie zu Wechselsätzen macht, ist aufzusuchen.
Im zweiten Falle wird auf das Geschehen des Wechsels selbst reflectirt, mithin von den Sätzen, unter denen gewechselt wird, völlig abstrahirt. Die Frage ist nicht mehr die: mit welchem Rechte wird mit jenen Sätzen gewechselt; sondern: wie wird überhaupt gewechselt. Und da findet sich denn, dass ein intelligentes Wesen ausser dem Eisen und dem Magnete vorhanden seyn müsse, das beide beobachte, die Begriffe leider in seinem Bewusstseyn vereinige, und genöthigt sey, dem einen das entgegengesetzte Prädicat vom Prädicate des anderen (ziehen, gezogen werden) zu geben.
In dem ersten Falle geschieht eine einfache Reflexion über die Erscheinung, – die des Beobachters; im zweiten geschieht eine Reflexion über jene Reflexion, – die des Philosophen über die Art des Beobachtens.
Nachdem nun einmal ausgemacht ist, dass die unabhängige Thätigkeit, welche wir suchen, die Form des Wechsels, nicht aber seine blosse Materie, bestimmen solle; so verhindert uns nichts durch heuristische Methode in unserer Reflexion vom Wechsel auszugehen, in dem die Untersuchung dadurch um ein grosses erleichtert wird.
2) Wir wenden jetzt den nunmehr im Allgemeinen erklärten Satz an auf die einzelnen unter ihm enthaltenen Fälle.
a. In dem Wechsel der Wirksamkeit wird durch ein Leiden im Ich eine Thätigkeit im Nicht-Ich gesetzt, d. i. es wird eine gewisse Thätigkeit in das Ich nicht gesetzt, oder demselben entzogen, und dagegen gesetzt in das Nicht-Ich. Um die blosse Form dieses Wechsels rein zu bekommen, müssen wir abstrahiren, sowohl von dem, was gesetzt wird, der Thätigkeit, als von den Gliedern, in welche nicht gesetzt, und gesetzt wird, vom Ich und Nicht-Ich; und so bleibt uns als reine Form übrig ein Setzen durch ein Nicht-Setzen, oder ein Uebertragen. Dies also ist der formale Charakter des Wechsels in der Synthesis der Wirksamkeit: mithin der materiale Charakter der Thätigkeit, welche wechselt (in activer Bedeutung, die den Wechsel vollzieht).
Diese Thätigkeit ist unabhängig von dem Wechsel, der durch sie möglich und von ihr vollzogen wird; und sie wird nicht erst durch ihn möglich.
Sie ist unabhängig von den Gliedern des Wechsels als solchen; denn erst durch sie sind es wechselnde Glieder; sie ist es, die dieselben verwechselt. An sich mögen beide auch ohne dieselbe immer seyn; genug, sie sind isolirt, und stehen in keiner Wechselverbindung.
Aber alles Setzen ist der Charakter des Ich; mithin kommt jene Thätigkeit des Uebertragens, für die Möglichkeit einer Bestimmung durch den Begriff der Wirksamkeit, dem Ich zu. Das Ich überträgt Thätigkeit in das Nicht-Ich aus dem Ich; hebt also insofern Thätigkeit in sich auf; und das heisst nach dem obigen: es setzt durch Thätigkeit in sich ein Leiden. Inwiefern das Ich thätig ist im Uebertragen der Thätigkeit auf das Nicht-Ich, insofern ist das Nicht-Ich leidend es wird Thätigkeit auf dasselbe übertragen.
(Man lasse sich nicht vor der Zeit dadurch stören, dass dieser Satz aufgestelltermaassen dem ersten Grundsatze, aus welchem nunmehr bei Erörterung des nächstvorhergehenden Satzes eine von allem Wechsel unabhängige Realität des Nicht – Ich (Siehe oben 1. 2. a.) gefolgert ist, widerspricht. Genug, er fliesst durch richtige Folgerungen aus erwiesenen Vordersätzen, so gut, als derjenige, dem er widerspricht. Der Vereinigungsgrund beider wird sich zu seiner Zeit ohne alles unser willkürliche Zuthun ergeben).
Man lasse nicht unbemerkt, dass oben gesagt wurde: diese Thätigkeit ist unabhängig von dem Wechsel, der durch sie möglich wird. Es könnte darum doch noch einen anderen geben, der nicht erst durch sie möglich wurde.
Mit allen Einschränkungen, die der aufgestellte Satz erleiden dürfte, haben wir durch ihn wenigstens soviel gewonnen, dass das Ich sogar, inwiefern es leidet, auch thätig seyn müsse, wenn auch eben nicht bloss thätig; und es könnte leicht seyn, dass dieses ein sehr wichtiger Gewinn wäre, der alle Mühe der Untersuchung reichlich belohnte.
b. Im Wechsel der Substantialität soll, vermittelst absoluter Totalität, Thätigkeit als begrenzt gesetzt werden: d. i. dasjenige an absoluter Totalität, was durch die Grenze ausgeschlossen wird, wird gesetzt, als durch das Setzen der begrenzten Thätigkeit nicht gesetzt, als in derselben mangelnd; mithin ist der bloss formale Charakter dieses Wechsels ein Nicht-Setzen vermittelst eines Setzens. Das mangelnde wird gesetzt in der absoluten Totalität; es wird nicht gesetzt in der begrenzten Thätigkeit; es wird gesetzt, als nicht gesetzt im Wechsel. Vom Setzen schlechthin, und zwar von einem Setzen der absoluten Totalität wird ausgegangen; laut des oben aufgestellten Begriffs der Substantialität.
Der materiale Charakter derjenigen Handlung, welche diesen Wechsel selbst setzt, muss demnach gleichfalls seyn ein Nicht-Setzen durch ein Setzen; und zwar durch ein absolutes Setzen. Woher das Nicht-gesetzt-seyn in der begrenzten Thätigkeit, die dann als schon gegeben betrachtet wird, komme, und was es seyn möge, das dasselbe begründet, davon wird hier gänzlich abstrahirt. Die begrenzte Handlung ist da, das wird vorausgesetzt, und wir fragen nicht darnach, wie sie an sich da seyn möge; wir fragen bloss, wie sie mit der Unbegrenztheit wechseln möge.
Alles Setzen überhaupt, und ganz insbesondere das absolute Setzen kommt dem Ich zu: die Handlung, welche den vorliegenden Wechsel selbst setzt, geht vom absoluten Setzen aus; ist demnach eine Handlung des Ich.
Diese Handlung oder Thätigkeit des Ich ist völlig unabhängig von dem Wechsel, der durch sie erst gesetzt wird. Sie selbst setzt das eine Glied des Wechsels, die absolute Totalität, schlechthin, und vermittelst dieses setzt sie erst das andere Glied desselben, als verminderte Thätigkeit; als kleiner, denn die Totalität. Wo die Thätigkeit als solche herkommen möge, davon ist nicht die Frage, denn als solche ist sie nicht Glied des Wechsels; bloss als verminderte Thätigkeit ist sie dies, und das wird sie erst durch das Setzen der absoluten Totalität und durch die Beziehung darauf.
Die aufgezeigte unabhängige Thätigkeit geht aus vom Setzen; aber das Nicht-Setzen ist es, worauf es eigentlich ankommt: wir können demnach dieselbe in sofern ein Entäussern nennen Es wird ein bestimmtes Quantum der absoluten Totalität von der als vermindert gesetzten Thätigkeit ausgeschlossen; als nicht in derselben, sondern als ausser ihr befindlich betrachtet.
Man lasse den charakteristischen Unterschied dieses Entäusserns von dem soeben aufgestellten Uebertragen nicht unbemerkt. Bei dem letzteren wird allerdings auch etwas aus dem Ich aufgehoben, aber davon wird abstrahirt, und eigentlich bloss darauf reflectirt, dass dasselbe in das entgegengesetzte gesetzt wird. – Hier hingegen wird bloss ausgeschlossen. Ob das ausgeschlossene in etwas anderes gesetzt werde, und welches dies andere seyn möge, das gehört wenigstens hieher nicht.
Der aufgezeigten Thätigkeit des Entäusserns muss ein Leiden entgegengesetzt seyn; und so ist es allerdings, nemlich ein Theil der absoluten Totalität wird entäussert; wird gesetzt, als nicht gesetzt. Die Thätigkeit hat ein Object; ein Theil der Totalität ist dieses Object. Welchem Substrate der Realität diese Verminderung der Thätigkeit, oder dieses Leiden zukomme, ob dem Ich, oder dem Nicht-Ich, davon ist hier nicht die Frage; und es liegt viel daran, dass man nichts weiter folgere, als das, was aus dem aufgestellten Satze zu folgern ist, und die Form des Wechsels in seiner ganzen Reinheit auffasse.
(Jedes Ding ist, was es ist; es hat diejenigen Realitäten, welche gesetzt sind, so wie dasselbe gesetzt ist: A= A (§ 1). Es ist irgend etwas ein Accidens desselben, heisst zuvörderst: dieses Etwas ist durch das Setzen desselben nicht gesetzt; es gehört nicht zu dem Wesen desselben, und ist von seinem Urbegriffe auszuschliessen. Diese Bestimmung des Accidens ist es, die wir jetzt erklärt haben. In einem gewissen Sinne wird aber hinwiederum das Accidens dem Dinge zugeschrieben und in dasselbe gesetzt. Was es damit für eine Bewandtniss habe, werden wir zu seiner Zeit gleichfalls sehen.)
III.
Beides, der Wechsel und die von ihm unabhängige Thätigkeit, sollen sich selbst gegenseitig bestimmen. Gerade, wie bisher, haben wir zuvörderst zu untersuchen, wie dieser Satz im allgemeinen heissen möge: und dann ihn auf die besonderen unter ihm enthaltenen Fälle anzuwenden.
1) In der unabhängigen Thätigkeit sowohl, als im Wechsel, haben wir wieder zweierlei unterschieden; wir haben unterschieden die Form des Wechsels von seiner Materie; und nach Maassgabe dieser Unterscheidung eine unabhängige Thätigkeit, welche die erstere bestimmt, von einer anderen, welche in der Reflexion durch die zweite bestimmt wird. Man kann demnach den zu erörternden Satz nicht geradezu so wie er aufgestellt ist, der Untersuchung unterwerfen; denn wenn wir jetzt vom Wechselreden, ist es zweideutig, ob wir auf die Form desselben oder auf seine Materie Rücksicht nehmen: so auch bei der unabhängigen Thätigkeit. Demnach muss zuvörderst in beiden beides vereinigt werden: das aber kann nicht anders geschehen, als durch die Synthesis der Wechselbestimmung. Mithin müssen in dem aufgestellten Satze wieder folgende drei enthalten seyn:
α) Die von der Form des Wechsels unabhängige Thätigkeit bestimmt die von der Materie unabhängige, und umgekehrt, d. i. beide bestimmen sich gegenseitig, und sind synthetisch vereinigt.
β) Die Form des Wechsels bestimmt die Materie desselben, und umgekehrt, d. i. beide bestimmen sieh gegenseitig, und sind synthetisch vereinigt. Und nun erst lässt sich der Satz verstehen, und erörtern:
γ) Der Wechsel (als synthetische Einheit) bestimmt die unabhängige Thätigkeit (als synthetische Einheit), und umgekehrt, d. i. beide bestimmen sich gegenseitig und sind selbst synthetisch vereinigt.
Erst im folgenden wird die Anwendung dieses Satzes sich zeigen.
α) Diejenige Thätigkeit, welche die Form des Wechsels, oder den Wechsel als solchen bestimmen, von ihm aber schlechthin unabhängig seyn soll, ist ein Uebergehen von einem im Wechsel begriffenen Gliede zum anderen, als Uebergehen (nicht etwa als Handlung überhaupt), diejenige, welche die Materie desselben bestimmt, ist eine solche, welche dasjenige in die Glieder setzt, was möglich macht, dass von einem zu dem anderen übergegangen werden kann. – Die letztere Thätigkeit giebt das oben gesuchte X, das in beiden Wechselgliedern enthalten ist, und nur in beiden enthalten seyn kann, nicht aber in einem einzigen; das es unmöglich macht mit dem Setzen des einen Gliedes (der Realität oder der Negation) sich zu begnügen, sondern uns nöthigt, zugleich das andere zu setzen, weil es die Unvollständigkeit des einen ohne das andere zeigt; – dasjenige, an welchem die Einheit des Bewusstseyns fortläuft und fortlaufen muss, wenn in ihm kein hiatus entstehen soll; gleichsam den Leiter desselben. Die erstere Thätigkeit ist das Bewusstseyn selbst, insofern es über die Wechselglieder an diesem X fortläuft – Eins ist, ob es gleich seine Objecte, diese Glieder, wechselt, und sie nothwendig wechseln muss, wenn es Eins seyn soll.
Das erstere bestimmt das letztere, würde heissen: das Uebergehen selbst begründet dasjenige, woran es übergeht; durch das blosse Uebergehen wird das Uebergehen möglich. Das letztere bestimmt das erstere, würde heissen: das, woran Übergegangen wird, begründet das Uebergehen als Handlung; dadurch, dass jenes gesetzt wird, wird unmittelbar das Uebergehen selbst gesetzt. Beides bestimmt sich gegenseitig, heisst demnach: durch das blosse Uebergehen wird dasjenige in die Wechselglieder gesetzt, vermittelst dessen übergegangen werden kann; und dadurch, dass sie als Wechselglieder gesetzt werden, wird unmittelbar zwischen ihnen gewechselt. Das Uebergehen wird möglich, dadurch, dass es geschieht; und es ist nur insofern möglich, als es wirklich geschieht. Es ist durch sich selbst. begründet; es geschieht schlechthin, weil es geschieht, und ist eine absolute Handlung, ohne allen Bestimmungsgrund und ohne alle Bedingung ausser ihr selbst. – Der Grund liegt im Bewusstseyn selbst, und nicht ausser demselben, dass es von einem Gliede zum anderen übergeht. Das Bewusstseyn, schlechthin darum, weil es Bewusstseyn ist, muss übergehen; und es würde in ihm ein hiatus entstehen, wenn es nicht überginge, schlechthin darum, weil es dann kein Bewusstseyn wäre.
β) Die Form des Wechsels und die Materie desselben sollen sich gegenseitig bestimmen.
Der Wechsel wird, wie vor kurzem erinnert worden, von der durch ihn vorausgesetzten Thätigkeit dadurch unterschieden, dass man von dieser Thätigkeit (z.B. der einer beobachtenden Intelligenz, welche in ihrem Verstande die Wechselglieder, als zu verwechselnde, setzt) abstrahirt. Man denkt sich die Wechselglieder als wechselnd durch sich selbst; man trägt auf die Dinge über, was vielleicht bloss in uns selbst liegt. Inwiefern diese Abstraction gültig sey oder nicht, wird sich zu seiner Zeit zeigen.
In dieser Hinsicht wechseln die Glieder selbst. Das gegenseitige Eingreifen beider in einander ist die Form; die Thätigkeit und das Leiden, das unmittelbar in diesem Eingreifen und Eingreifen-lassen in beiden vorkommt, ist die Materie des Wechsels. Wir wollen sie, um der Kürze willen, das gegenseitige Verhältniss der Wechselglieder nennen. Jenes Eingreifen soll das Verhältniss der Glieder bestimmen, d. i. unmittelbar, und durch das blosse Eingreifen, durch das Eingreifen als solches, ohne alle weitere Bestimmung, soll das Verhältniss bestimmt werden, und umgekehrt: das Verhältniss der Wechselglieder soll ihr Eingreifen bestimmen, d. i. durch ihr blosses Verhältniss ohne alle weitere Bestimmung ist gesetzt, dass sie in einander eingreifen. Durch ihr blosses Verhältniss, hier als bestimmend vor dem Wechsel gedacht, ist schon ihr Eingreifen gesetzt (es ist nicht etwa ein Accidens in ihnen, ohne welches sie auch bestehen könnten): und durch ihr Eingreifen, hier als bestimmend vor dem Verhältnisse gedacht, ist zugleich ihr Verhältniss gesetzt. Ihr Eingreifen und ihr Verhältniss ist Eins und Ebendasselbe. 1.) Sie verhallen sich so zu einander, dass sie wechseln; und ausser diesem haben sie überhaupt gar kein gegenseitiges Verhältniss. Sind sie nicht gesetzt als wechselnd, so sind sie überhaupt nicht gesetzt. 2.) Dadurch, dass zwischen ihnen der blossen Form nach ein Wechsel, überhaupt ein Wechsel gesetzt ist, ist zugleich die Materie dieses Wechsels, d. i. seine Art, die Quantität des durch ihn gesetzten Thuns und Leidens u.s.f., ohne alles weitere Zuthun vollständig bestimmt. – Sie wechseln nothwendig und sie wechseln nur auf Eine mögliche, schlechthin dadurch, dass sie wechseln, bestimmte Art. – Sind sie gesetzt, so ist ein bestimmter Wechsel gesetzt; und ist ein bestimmter Wechsel gesetzt, so sind sie gesetzt. Sie und ein bestimmter Wechsel sind Eins und eben Dasselbe.
γ) Die unabhängige Thätigkeit (als synthetische Einheit) bestimmt den Wechsel (als synthetische Einheit) und umgekehrt, d. i. beide bestimmen sich gegenseitig, und sind selbst synthetisch vereinigt.
Die Thätigkeit, als synthetische Einheit, ist ein absolutes Uebergehen; der Wechsel ein absolutes durch sich selbst vollständig bestimmtes Eingreifen. Die erstere bestimmt den letzteren, würde heissen: bloss dadurch, dass übergangen wird, wird das Eingreifen der Wechselglieder gesetzt; der letztere bestimmt die erstere, würde heissen: so wie die Glieder eingreifen, muss nothwendig die Thätigkeit von einem zum anderen übergehen. Beide bestimmen sich gegenseitig, heisst: so wie das eine gesetzt ist, ist das andere gesetzt und umgekehrt; von jedem Gliede der Vergleichung kann und muss man zu dem anderen übergehen. Alles ist Eins und Ebendasselbe. – Das Ganze aber ist schlechthin gesetzt; es gründet sich auf sich selbst.
Um diesen Satz einleuchtender zu machen, und seine Wichtigkeit zu zeigen, wenden wir ihn an auf die unter ihm enthaltenen Sätze.
Die die Form des Wechsels bestimmende Thätigkeit bestimmt alles, was im Wechsel vorkommt, und umgekehrt, alles, was im Wechsel vorkommt, bestimmt sie. Der blosse Wechsel seiner Form nach, d. i. das Eingreifen der Glieder in einander, ist nicht möglich, ohne die Handlung des Uebergehens; durch das Uebergehen wird eben das Eingreifen der Wechselglieder gesetzt. Umgekehrt wird durch das Eingreifen der Wechselglieder das Uebergehen gesetzt; so wie sie als eingreifend gesetzt werden, wird nothwendig übergegangen. Kein Eingreifen, kein Uebergehen, kein Uebergehen, kein Eingreifen: beide sind Eins und Ebendasselbe, und bloss in der Reflexion zu unterscheiden. Ferner bestimmt die gleiche Thätigkeit das Materiale des Wechsels; durch das nothwendige Uebergehen werden erst die Wechselglieder, als solche, gesetzt, und, da sie nur als solche gesetzt sind, überhaupt erst gesetzt; und umgekehrt, so wie die Wechselglieder als solche gesetzt werden, wird die Thätigkeit, welche übergeht und übergehen soll, gesetzt. Man kann demnach ausgehen, von welchem der unterschiedenen Momente man nur will; so wie deren eines gesetzt ist, sind die übrigen drei auch gesetzt. Die das Materiale des Wechsels bestimmende Thätigkeit bestimmt den ganzen Wechsel; sie setzt das, woran übergegangen werden kann, und eben darum übergegangen werden muss, also sie setzt die Thätigkeit der Form und durch sie alles übrige.
Also die Thätigkeit geht in sich selbst zurück vermittelst des Wechsels; und der Wechsel geht in sich selbst zurück vermittelst der Thätigkeit. Alles reproducirt sich selbst, und es ist da kein hiatus möglich; von jedem Gliede aus wird man zu allen übrigen getrieben. Die Thätigkeit der Form bestimmt die der Materie, diese die Materie des Wechsels diese seine Form; die Form dieses die Thätigkeit der Form u.s.f. Sie sind alle ein und ebenderselbe synthetische Zustand. Die Handlung geht durch einen Kreislauf in sich zurück. Der ganze Kreislauf aber ist schlechthin gesetzt. Er ist, weil er ist, und es lässt sich kein höherer Grund desselben angeben.
2) Der Satz: der Wechsel, und die bis jetzt als unabhängig von ihm betrachtete Thätigkeit sollen sich gegenseitig bestimmen, ist jetzt anzuwenden auf die besonderen unter ihm enthaltenen Fälle; zuvörderst
a. auf den Begriff der Wirksamkeit. – Wir untersuchen die dadurch postulirte Synthesis nach dem soeben aufgestellten Schema: α) im Wechsel der Wirksamkeit bestimmt die Thätigkeit der Form die der Materie und umgekehrt, β) in ihm bestimmt die Form des Wechsels die Materie desselben und umgekehrt. γ) Die synthetisch vereinigte Thätigkeit bestimmt den synthetisch vereinigten Wechsel und umgekehrt: d. i. sie sind selbst synthetisch vereinigt.
α) Die zum Behuf der Möglichkeit des im Begriffe der Wirksamkeit postulirten Wechsels vorauszusetzende Thätigkeit ist der blossen Form nach ein Uebertragen, ein Setzen durch ein Nicht-Setzen: dadurch dass (in einer gewissen Rücksicht) nicht gesetzt wird, wird (in einer gewissen anderen Rücksicht) gesetzt. Durch diese Thätigkeit der Form soll die Thätigkeit der Materie des Wechsels bestimmt werden. Diese war eine unabhängige Thätigkeit des Nicht-Ich, durch welche erst dasjenige Glied, von welchem der Wechsel ausging, ein Leiden im Ich, möglich gemacht wurde. Die letztere wird durch die erstere bestimmt, begründet, gesetzt, heisst offenbar: diese Thätigkeit des Nicht-Ich selbst ist es, welche durch die erstere, vermittelst ihrer Function des Setzens, gesetzt wird; und bloss insofern gesetzt wird, als etwas nicht gesetzt wird. (Was dieses nicht gesetzte seyn möge, haben wir hier nicht zu untersuchen). – Der Thätigkeit des Nicht-Ich wird dadurch eine begrenzte Sphäre vorgeschrieben; und die Thätigkeit der Form ist diese Sphäre. Das Nicht-Ich ist bloss insofern thätig, inwiefern es durch das Ich (welchem die Thätigkeit der Form zukommt), vermöge eines Nicht Setzens, als thätig gesetzt wird. – Kein Setzen durch ein Nicht-Setzen – keine Thätigkeit des Nicht-Ich. Umgekehrt soll die Thätigkeit der Materie, also die unabhängige Thätigkeit des Nicht-Ich, die Thätigkeit der Form, also das Uebertragen, das Setzen durch ein Nicht-Setzen, begründen und bestimmen. Das heisst nun nach altem obigen offenbar soviel, als: sie soll das Uebergehen, als ein Uebergehen bestimmen, sie soll jenes X setzen, welches die Unvollständigkeit des Einen Gliedes andeute, und dadurch nöthige, dasselbe als Wechselglied, und durch dasselbe noch ein zweites zu setzen, mit welchem es wechsele. Dieses Glied ist das Leiden, als Leiden. Demnach begründet das Nicht-Ich das Nicht-Setzen; und bestimmt und bedingt dadurch die Thätigkeit der Form. Diese setzt durch ein Nicht-Setzen, und schlechthin nicht anders; aber das Nicht-Setzen steht unter der Bedingung einer Thätigkeit des Nicht-Ich, mithin die ganze postulirte Handlung. Das Setzen durch ein Nicht-Setzen wird in der Sphäre einer Thätigkeit des Nicht-Ich eingeschlossen. – Keine Thätigkeit des Nicht-Ich – kein Setzen durch ein Nicht-Setzen.
(Hier haben wir denn den oben gerügten Widerstreit, nur um ein weniges gemildert, ganz in der Nähe. Das Resultat der ersteren Art zu reflectiren begründet einen dogmatischen Idealismus: alle Realität des Nicht-Ich ist lediglich eine aus dem Ich übertragene. Das Resultat der zweiten Art zu reflectiren begründet einen dogmatischen Realismus: es kann nicht übertragen werden, wenn nicht schon eine unabhängige Realität des Nicht-Ich, ein Ding an sich, vorausgesetzt ist. Die jetzt aufzustellende Synthesis hat demnach nichts geringeres auf sich, als das, den Widerstreit zu lösen, und den Mittelweg zwischen Idealismus und Realismus aufzuzeigen).
Beide Sätze sind synthetisch zu vereinigen, d. i. sie sind zu betrachten, als Ein und ebenderselbe. Dies geschieht folgendermaassen: Was im Nicht-Ich Thätigkeit ist, ist im Ich Leiden (kraft des Satzes des Gegensetzens): wir können demnach Leiden des Ich statt Thätigkeit des Nicht-Ich setzen. Also – kraft der postulirten Synthesis – im Begriffe der Wirksamkeit sind Leiden des Ich, und Thätigkeit desselben, Nicht-Setzen, und Setzen völlig Eins und Ebendasselbe. In diesem Begriffe sagen die Sätze das Ich setzt etwas in sich nicht – und – das Ich setzt etwas in das Nicht-Ich, völlig Dasselbe: sie bezeichnen nicht verschiedene, sondern Eine und ebendieselbe Handlung. Keins begründet das andere; noch wird Eins durch das andere begründet: denn beide sind Eins.
Wir reflectiren weiter über diesen Satz. Er enthält in sich folgende: a) Das Ich setzt etwas in sich nicht, d. b. es setzt dasselbe in das Nicht-Ich. b) Das dadurch im Nicht-Ich gesetzte eben ist es, welches das im Ich nicht gesetzte nicht setzt, oder negirt. Die Handlung läuft in sich selbst zurück: insofern das Ich etwas in sich nicht setzen soll, ist es selbst Nicht-Ich. Da es aber doch seyn muss, so muss es setzen: und da es nicht in das Ich setzen soll, in das Nicht-Ich setzen. Aber, so scharf dieser Satz auch jetzt bewiesen ist, so fährt der gemeine Menschenverstand dennoch fort, sich gegen denselben zu sträuben. Wir wollen den Grund dieses Widerstrebens aufsuchen, um die Forderungen des gemeinen Menschenverstandes, wenigstens so lange zur Ruhe zu verweisen, bis wir sie durch Aufzeigung ihres Gebiets, in welchem sie herrschen, wirklich befriedigen können.
In den beiden soeben aufgestellten Sätzen liegt offenbar ein Doppelsinn in der Bedeutung des Wortes Setzen. Diesen fühlt der gemeine Menschensinn, und daher sein Widerstreben. – Das Nicht-Ich setzt etwas nicht im Ich oder negirt es, heisst: das Nicht-Ich ist für das Ich überhaupt nicht setzend, sondern bloss aufhebend; demnach wird es insofern dem Ich der Qualität nach entgegengesetzt, und ist Real-Grund einer Bestimmung desselben. – Aber das Ich setzt etwas nicht im Ich, heisst nicht: das Ich ist überhaupt nicht setzend; es ist ja wohl setzend, indem es etwas nicht setzt, es als Negation setzt: – sondern es heisst: es ist nur zum Theil nicht setzend. Demnach ist das Ich sich selbst nicht der Qualität, sondern bloss der Quantität nach entgegengesetzt; es ist daher bloss der Ideal-Grund von einer Bestimmung in sich selbst. – Es setzt etwas in sich nicht, und es setzt dasselbe in das Nicht-Ich, ist Eins und Ebendasselbe: das Ich ist demnach von der Realität des Nicht-Ich nicht anders Grund, als es von der Bestimmung in sich selbst, von seinem Leiden, der Grund ist; es ist bloss Ideal-Grund.
Dieses nun bloss idealiter gesetzte im Nicht-Ich soll realiter der Grund eines Leidens im Ich, der Ideal-Grund soll ein Real-Grund werden; und das will der gemeine Menschensinn sich nicht aufdringen lassen. – Wir können ihn in eine grosse Verlegenheit setzen, wenn wir das Nicht-Ich, in der Bedeutung, in der er es will, Real-Grund seyn, es auf das Ich ohne alles Zuthun desselben einwirken, es etwa einen Stoff, der ja erst erschaffen seyn müsste, geben lassen; und nun fragen, wie denn der Real-Grund ein Ideal-Grund werden solle? – was er doch werden muss, wenn je ein Leiden im Ich gesetzt werden und durch die Vorstellung zum Bewusstseyn gelangen soll – eine Frage, deren Beantwortung gerade, wie die obige, das unmittelbare Zusammentreffen des Ich und Nicht-Ich voraussetzt, und auf welche er, und alle seine Verfechter uns nie eine gründliche Antwort geben werden. – Beide Fragen sind durch unsere Synthesis beantwortet; und sie sind nur durch eine Synthesis, – d. i. die eine ist nur durch die andere und umgekehrt – zu beantworten.
Demnach ist der tiefere Sinn der obigen Synthesis folgender: Ideal- und Real-Grund sind im Begriffe der Wirksamkeit (mithin überall, denn nur im Begriffe der Wirksamkeit kommt ein Real-Grund vor) Eins und Ebendasselbe. Dieser Satz, der den kritischen Idealismus begründet, und durch ihn Idealismus und Realismus vereinigt, will den Menschen nicht eingehen; und dass er ihnen nicht eingehen will, liegt am Mangel der Abstraction.
Nemlich, wenn verschiedene Dinge ausser uns durch den Begriff der Wirksamkeit auf einander bezogen werden, wird – inwiefern auch das mit Recht oder Unrecht, wird sich zu seiner Zeit zeigen – zwischen dem Real-Grunde ihrer Beziehbarkeit, und dem Ideal-Grunde derselben unterschieden. Es soll etwas von unserer Vorstellung unabhängiges in den Dingen an sich seyn, vermittelst dessen sie ohne unser Zuthun in einander eingreifen; dass wir sie aber auf einander beziehen, davon soll der Grund in uns liegen, etwa in unserer Empfindung. So setzen wir denn auch unser Ich ausser uns, als ein ohne unser Zuthun, und wer weiss wie, existirendes Ding; und nun soll ohne alles unser Zuthun irgend ein anderes Ding darauf wirken; so wie etwa der Magnet auf ein Stük Eisen *).
Aber das Ich ist nichts ausser dem Ich, sondern es ist selbst das Ich. Besteht nun das Wesen des Ich bloss und lediglich darin, dass es sich selbst setzt, so ist für dasselbe sich setzen und seyn Eins und Ebendassellbe. In ihm ist Real-Grund und Ideal-Grund Eins. – Umgekehrt, sich nicht setzen und nicht seyn ist für das Ich abermals Eins; der Real – Grund und der Ideal-Grund der Negation sind auch Eins. Wird dies theilweise ausgedrückt, so sind die Sätze: das Ich setzt irgend etwas nicht in sich, und: das Ich ist irgend etwas nicht, abermals Eins und Ebendasselbe.
Etwas ist im Ich nicht gesetzt (realiter) heisst demnach offenbar: das Ich setzt es nicht in sich (idealiter), und umgekehrt: das Ich setzt etwas nicht in sich, heisst: es ist im Ich nicht gesetzt.
Das Nicht-Ich soll auf das Ich wirken, es soll etwas in demselben aufheben, heisst offenbar: es soll ein Setzen in demselben aufheben; es soll machen, dass das Ich etwas nicht in sich setzt. Wenn das, worauf gewirkt wird, nur wirklich ein Ich seyn soll, so ist keine andere Wirkung darauf möglich, als die zu einem Nicht-Setzen in sich.
Umgekehrt, es soll für das Ich ein Nicht-Ich seyn, kann nichts anderes heissen, als das Ich soll Realität in das Nicht-Ich setzen; denn für das Ich giebt es keine andere Realität, und kann es keine andere geben, als eine durch dasselbe gesetzte.
Thätigkeit des Ich, und Nicht Ich sind Eins und Ebendassellbe, heisst: das Ich kann nur dadurch etwas in sich nicht setzen, dass es dasselbe in das Nicht – Ich setzt; und nur dadurch etwas in sich setzen, dass es dasselbe in das Nicht-Ich nicht setzt. Aber überhaupt setzen muss das Ich, so gewiss es ein Ich ist; nur nicht eben in sich setzen. – Leiden des Ich, und Leiden des Nicht-Ich sind auch Eins und Ebendasselbe. Das Ich setzt etwas in sich nicht, heisst: dasselbe wird in das Nicht-Ich gesetzt. Thätigkeit und Leiden des Ich sind Eins und Ebendasselbe. Denn insofern es etwas in sich nicht setzt, setzt es ebendasselbe in das Nicht-Ich: – Thätigkeit und Leiden des Nicht-Ich sind Eins und Ebendasselbe. Insofern das Nicht-Ich auf das Ich wirken, etwas in demselben aufheben soll, wird durch das Ich das gleiche in dasselbe gesetzt. Und so ist denn die völlige synthetische Vereinigung klärlich dargethan. Keines unter allen den genannten Momenten ist der Grund des anderen; sondern sie sind alle Eins und Ebendasselbe.
Demnach ist die Frage: welches ist der Grund des Leidens im Ich, überhaupt nicht, und am wenigsten durch Voraussetzung einer Thätigkeit des Nicht-Ich, als Dinges an sich, zu beantworten; denn es giebt kein blosses Leiden im Ich. Aber wohl bleibt eine andere Frage übrig, nemlich folgende: welches ist denn der Grund des ganzen soeben aufgestellten Wechsels! Zu sagen: er ist überhaupt schlechthin und ohne allen Grund gesetzt, – und das Urtheil, das ihn als vorhanden setzt, ist ein thetisches Urtheil, – ist nicht erlaubt: denn nur das Ich ist schlechthin gesetzt; im blossen Ich aber liegt kein solcher Wechsel. Aber es ist sogleich klar, dass in der theoretischen Wissenschaftslehre ein solcher Grund unbegreiflich ist, weil er unter dem Grundsatze derselben: das Ich setzt sich, als bestimmt durch das Nicht-Ich, nicht mit begriffen ist, sondern vielmehr durch denselben vorausgesetzt wird. Mithin müsste ein solcher Grund, wenn er sich dennoch sollte aufzeigen lassen, ausserhalb der Grenze der theoretischen Wissenschaftslehre liegen.
Und so ist denn der kritische Idealismus, der in unserer Theorie herrscht, bestimmt aufgestellt. Er ist dogmatisch gegen den dogmatischen Idealismus und Realismus, indem er beweist, dass weder die blosse Thätigkeit des Ich der Grund der Realität des Nicht-Ich, noch die blosse Thätigkeit des Nicht-Ich der Grund des Leidens im Ich sey; in Absicht der Frage aber, deren Beantwortung ihm aufgelegt wird, welches denn der Grund des zwischen beiden angenommenen Wechsels sey, bescheidet er sich seiner Unwissenheit, und zeigt, dass die Untersuchung hierüber ausserhalb der Grenzen der Theorie liege. Er geht in seiner Erklärung der Vorstellung weder von einer absoluten Thätigkeit des Ich, noch des Nicht-Ich, sondern von einem Bestimmtseyn aus, das zugleich ein Bestimmen ist, weil im Bewusstseyn unmittelbar nichts anderes enthalten ist, noch enthalten seyn kann. Was diese Bestimmung wieder bestimmen möge, bleibt in der Theorie gänzlich unentschieden; und durch diese Unvollständigkeit werden wir denn auch über die Theorie hinaus in einen praktischen Theil der Wissenschaftslehre getrieben.
Zugleich ist der oft gebrauchte Ausdruck: verminderte, eingeschränkte, begrenzte Thätigkeit des Ich völlig klar. Es wird dadurch eine Thätigkeit bezeichnet, die auf etwas im Nicht-Ich, auf ein Object geht; also ein objectives Handeln. Das Handeln des Ich überhaupt, oder das Setzen desselben ist gar nicht begrenzt, und kann nicht begrenzt werden; aber sein Setzen des Ich wird begrenzt, dadurch, dass es ein Nicht-Ich setzen muss.
β) Die Form des blossen Wechsels im Begriffe der Wirksamkeit und die Materie desselben bestimmen sich gegenseitig.
Wir haben im obigen den blossen Wechsel überhaupt von der von ihm unabhängigen Thätigkeit nur vermittelst der Reflexion unterscheidbar gefunden. Wird das Wechseln in die Glieder des Wechsels selbst gesetzt, so ist von der Thätigkeit abstrahirt, und der Wechsel wird bloss an sich, und als Wechsel betrachtet. Welche Betrachtungsart die richtige, oder ob vielleicht keine von beiden, allein angewendet, richtig sey, wird sich zu seiner Zeit zeigen.
Im Wechsel, als solchem, lässt sich abermals die Form desselben von seiner Materie unterscheiden. Die Form des Wechsels ist das blosse gegenseitige Eingreifen der Wechselglieder in einander, als solches. Die Materie ist dasjenige in beiden, welches macht, dass sie gegenseitig eingreifen können, und müssen. – Die charakteristische Form des Wechsels in der Wirksamkeit ist ein Entstehen durch ein Vergehen (ein Werden durch ein Verschwinden). – (Es ist hier, welches wohl zu merken, gänzlich zu abstrahiren von der Substanz, auf welche gewirkt wird, vom Substrate des Vergehens, und demnach von aller Zeitbedingung. Wird dieses gesetzt, so wird in Beziehung auf dasselbe das entstehende freilich in die Zeit gesetzt. Aber davon, so hart dies der Einbildungskraft auch ankommen möge, muss abstrahirt werden, denn die Substanz kommt nicht in den Wechsel: bloss das in sie eintretende, und das durch das eintretende verdrängte und aufgehobene kommen in den Wechsel; und es ist bloss die Rede von dem, was in den Wechsel kommt, insofern es darein kommt. Z. B X vernichtet – X: – X war freilich vorher da, ehe es vernichtet wurde; soll es als existirend betrachtet werden, so muss es allerdings in die vorübergehende Zeit, und X im Gegensatze in die folgende Zeit gesetzt werden. Aber es soll ja eben nicht als existirend, sondern als nicht existirend gedacht werden. Aber die Existenz von X und die Nicht-Existenz von – X sind schlechterdings nicht zu verschiedenen Zeiten, sondern sie sind in demselben Momente. Sie sind demnach, wenn sonst nichts da ist, das uns nöthigt den Moment in eine Reihe von Momenten zu setzen, gar nicht in der Zeit). Die Materie des zu untersuchenden Wechsels ist wesentliches Entgegenseyn (Incompatibilität der Qualität nach).
Die Form dieses Wechsels soll seine Materie bestimmen, heisst: weil und inwiefern die Glieder des Wechsels sich gegenseitig aufheben, sind sie wesentlich entgegengesetzt. Das (wirkliche) gegenseitige Aufheben bestimmt den Umkreis des wesentlichen Entgegenseyns. Heben sie sich nicht auf, so sind sie sich nicht wesentlich entgegen (essentialiter opposita). – Dies ist ein Paradoxon, gegen welches sich abermals der soeben angezeigte Misverstand erhebt. Nemlich man wird auf den ersten Anschein glauben, hier werde von einem zufälligen auf ein wesentliches geschlossen; aus dem gegenwärtigen Aufheben könne man zwar auf das wesentliche Entgegenseyn schliessen; nicht aber umgekehrt aus dem wesentlichen Entgegenseyn auf das gegenwärtige Aufheben: dafür müsse noch eine Bedingung hinzukommen, nemlich der unmittelbare Einfluss beider aufeinander (z.B. bei Körpern, die Anwesenheit in dem gleichen Raume). Beide wesentlich entgegengesetzten könnten ja isolirt, und ausser aller Verbindung seyn; dann würden sie nicht minder entgegengesetzt seyn, und darum sich doch nicht aufheben. – Die Quelle dieses Misverstandes, so wie das Mittel ihn zu heben, wird sich sogleich zeigen.
Die Materie dieses Wechsels soll seine Form bestimmen, heisst: das wesentliche Entgegengesetztseyn bestimmt das gegenseitige Aufheben; nur unter der Bedingung, dass die Glieder wesentlich entgegengesetzt sind, und insofern sie es sind, können sie sich gegenseitig aufheben. Wird das gegenwärtige Aufheben zwar in die Sphäre des Entgegengesetztseyns überhaupt gesetzt, soll es aber dieselbe nur nicht etwa ausfüllen, sondern nur unter ihr eine engere Sphäre, deren Grenzlinie die hinzukommende Bedingung des wirklichen Einflusses bestimmte: so wird jeder ohne Bedenken diesen Satz zugeben, und das paradoxe dabei könnte bloss das seyn, dass wir ihn erst ausdrücklich aufstellten. Aber Materie des Wechsels und Form desselben sollen sich gegenseitig bestimmen, d.h. aus dem blossen Entgegenseyn soll das gegenseitige Aufheben, also auch das Eingreifen, der unmittelbare Einfluss, – und aus dem gegenseitigen Aufheben soll das Entgegenseyn folgen. Beides ist Eins und Ebendasselbe: sie sind an sich entgegengesetzt, oder – sie heben sich gegenseitig auf. Ihr Einfluss und ihr wesentliches Entgegengesetztseyn ist Eins und Ebendasselbe.
Wir reflectiren noch weiter über dieses Resultat. Das, was durch die vorgenommene Synthesis eigentlich zwischen die Wechselglieder gesetzt ist, ist die Nothwendigkeit ihrer Verbindung: jenes X, welches die Unvollständigkeit eines von beiden zeigt, und nur in beiden enthalten seyn kann. Die Möglichkeit, ein Seyn an sich von einem Seyn im Wechsel abzusondern, wird geläugnet: beide sind gesetzt als Wechselglieder, und sind ausser dem Wechsel gar nicht gesetzt. – Es wird von realem Entgegenseyn auf das Entgegensetzen, oder ideale Entgegenseyn gefolgert, und umgekehrt: reales Entgegenseyn, und ideales sind Eins und Ebendasselbe. – Der Anstoss, den der gemeine Menschenverstand daran nimmt verschwindet, sobald man sich erinnert, dass das eine Glied des Wechsels das Ich ist, dem nichts entgegen ist, als was es sich entgegensetzt; und das selbst keinem entgegen ist, dem es sich nicht entgegensetzt. Das jetzige Resultat ist demnach unter einer anderen Gestalt gerade das vorige.
γ) In der Wirksamkeit bestimmen sich gegenseitig die Thätigkeit, als synthetische Einheit gedacht, und der Wechsel, als synthetische Einheit gedacht, und machen selbst eine synthetische Einheit aus.
Die Thätigkeit, als synthetische Einheit, können wir ein mittelbares Setzen (das letztere Wort im bejahenden Sinne gebraucht – ein Setzen der Realität vermittelst eines Nicht-Setzens derselben) nennen; der blosse Wechsel, als synthetische Einheit, besteht in der Identität des wesentlichen Entgegenseyns und realen Aufhebens.
1. Durch die erstere wird der letztere bestimmt, heisst: die Mittelbarkeit des Setzens (auf welche es hier eigentlich ankommt) ist die Bedingung und der Grund davon, dass das wesentliche Entgegenseyn und das reale Aufheben völlig Eins und Ebendasselbe sind; weil, und inwiefern das Setzen ein mittelbares ist, sind Entgegenseyn und Aufheben identisch. –
a. Fände ein unmittelbares Setzen der Glieder, welche wechseln sollen, statt, so wären Entgegenseyn und Aufheben verschieden. Setzet, die Wechselglieder seyen A und B. Setzet, A sey zuvörderst = A und B = B, hernach aber, d. i. einer bestimmten Quantität nach, sey A auch gleich – B, und B gleich – A: so könnten gar wohl beide ihrer ersten Bedeutung nachgesetzt seyn, ohne dass sie sich dadurch aufhöben. Von dem, worin sie entgegengesetzt wären, würde abstrahirt; sie wären demnach nicht, als wesentlich entgegengesetzt (deren Wesen in dem blossen Entgegengesetztseyn besteht) und sich gegenseitig aufhebend gesetzt, weil sie unmittelbar, eins von dem anderen unabhängig, gesetzt wären. Aber dann wären sie auch nicht als blosse Wechselglieder, sondern als Realität an sich (A = A. § 1.) gesetzt. Wechselglieder können nur mittelbar gesetzt werden; A ist gleich – B, und schlechthin nichts weiter; und B ist gleich – A, und schlechthin nichts weiter; und aus dieser Mittelbarkeit des Setzens folgt das wesentliche Entgegenseyn, und das gegenseitige Aufheben, und die Identität beider. Denn
b. wenn A bloss als das Gegentheil von B gesetzt ist, und gar keines anderen Prädicates fähig ist, und B bloss als das Gegentheil von A, und gar keines anderen Prädicates fähig (auch nicht des Prädicates eines Dinges, welches die noch nicht zu strenger Abstraction gewöhnte Einbildungskraft einzumischen stets bereit ist), mithin A nicht anders als real zu setzen ist, als dass B nicht – und B nicht anders, als dass A nicht gesetzt werde: so besteht ja offenbar ihr gemeinschaftliches Wesen darin, dass jedes durch das Nicht-Setzen des anderen gesetzt werde, also im Entgegenseyn; und – wenn von einer thätigen Intelligenz, welche setzt, abstrahirt, und bloss auf die Wechselglieder reflectirt wird – darin, dass sie sich gegenseitig aufheben. Ihr wesentliches Entgegenseyn, und ihr gegenseitiges Aufheben sind demnach insofern identisch, inwiefern jedes Glied bloss durch das Nicht-Setzen des anderen, und schlechthin nicht anders gesetzt wird.
Dies ist nun, laut des obigen, der Fall mit dem Ich und Nicht-Ich. Das Ich (hier als absolut thätig betrachtet) kann auf das Nicht-Ich bloss dadurch Realität übertragen, als es dieselbe in sich nicht setzt; und umgekehrt in sich nur dadurch Realität übertragen, dass es dieselbe in das Nicht-Ich nicht setzt. (Dass der letztere Punct der oben aufgestellten absoluten Realität des Ich nicht widerspreche, wird sich bei einer näheren Bestimmung desselben ergeben; und ist zum Theil auch schon hier klar: es ist von einer übertragenen, und von gar keiner absoluten Realität die Rede.) Das Wesen derselben, insofern sie wechseln sollen, besteht demnach lediglich darin, dass sie entgegengesetzt sind, und einander gegenseitig aufheben. Demnach:
Die Mittelbarkeit des Setzens (wie sich inskünftige zeigen wird, das Gesetz des Bewusstseyns: kein Subject, kein Object, kein Object, kein Subject), und sie allein, begründet das wesentliche Entgegenseyn des Ich und des Nicht-Ich, und dadurch alle Realität des Nicht-Ich sowohl, als des Ich – inwiefern die letztere eine bloss als gesetzt gesetzte, ideale seyn soll; denn die absolute bleibt dabei unverloren; sie ist im Setzenden. Sie soll, so weit wir in unserer Synthesis vorgerückt sind, nicht wiederum durch dasjenige, was durch sie begründet wird, begründet werden; noch kann sie es nach dem gesetzlichen Verfahren mit dem Satze des Grundes. In den aufgestellten Stücken demnach, in der Realität des Nicht-Ich, und der idealen des Ich, liegt der Grund jener Mittelbarkeit nicht. Er müsste also im absoluten Ich liegen; und diese Mittelbarkeit müsste selbst absolut, d. i. durch und in sich selbst begründet seyn.
Diese, hier ganz richtige, Folgerungsart führt auf einen neuen, noch abstracteren Idealism, als der vorige es war. In dem vorigen wurde eine an sich gesetzte Thätigkeit aufgehoben durch die Natur und das Wesen des Ich. Sie, die an sich gar wohl mögliche Thätigkeit, wurde schlechthin und ohne allen weiteren Grund aufgehoben; und dadurch wurde ein Object, und ein Subject, u.s.f. möglich. In jenem Idealismus entwickelten sich die Vorstellungen, als solche, auf eine uns gänzlich unbekannte und unzugängliche Art aus dem Ich; etwa wie in einer consequenten, d. i. in einer bloss idealistischen prästabilirten Harmonie.
In dem gegenwärtigen Idealismus hat die Thätigkeit überhaupt ihr Gesetz unmittelbar in sich selbst: sie ist eine mittelbare, und schlechthin keine andere, absolut darum, weil sie es ist. Es wird demnach gar keine Thätigkeit im Ich aufgehoben; die mittelbare ist vorhanden, und eine unmittelbare soll es überhaupt nicht geben Aus der Mittelbarkeit dieser Thätigkeit aber lässt sich alles übrige – Realität des Nicht-Ich, und insofern Negation des Ich, Negation des Nicht-Ich, und insofern Realität des Ich vollkommen erklären. Hier entwickeln sich die Vorstellungen aus dem Ich nach einem bestimmten und erkennbaren Gesetze seiner Natur. Für sie lässt sich ein Grund anführen, nur nicht für das Gesetz.
Dieser letztere Idealismus hebt nothwendig den ersteren auf, weil er das, was jenem unerklärlich war, wirklich aus einem höheren Grunde erklärt. Der erstere Idealismus lässt sich sogar idealistisch widerlegen. Der Grundsatz eines solchen Systems würde heissen: Das Ich ist endlich, schlechthin weil es endlich ist.
Ob nun gleich ein solcher Idealismus höher hinauf steigt, so steigt er doch nicht so hoch, als man steigen soll; bis zum schlechthin Gesetzten und Unbedingten. Zwar soll eine Endlichkeit schlechthin gesetzt seyn; aber alles Endliche ist, vermöge seines Begriffes, begrenzt durch sein Entgegengesetztes: und absolute Endlichkeit ist ein sich selbst widersprechender Begriff.
Ich nenne zum Unterschiede jenen ersten Idealismus, der etwas an sich gesetztes aufhebt, den qualitativen; den letzteren, der sich ursprünglich eine beschränkte Quantität setzt, den quantitativen.
2. Dadurch, dass das Wesen der Wechselglieder in dem blossen Entgegenseyn besteht, wird die Mittelbarkeit des Setzens bestimmt; nur unter Bedingung des ersteren ist sie möglich. Wenn das Wesen der Wechselglieder noch in etwas anderem besteht, als im blossen Entgegenseyn, so ist sogleich klar, dass durch das Nicht-Setzen des einen seinem ganzen Wesen nach noch gar nicht das andere seinem ganzen Wesen nachgesetzt sey, und umgekehrt. Besteht ihr Wesen aber in nichts anderem, so können sie, wenn sie gesetzt werden sollen, nur mittelbar gesetzt werden; wie aus dem soeben gesagten erhellet.
Hier aber wird das wesentliche Entgegenseyn, das Entgegenseyn an sich, als Grund der Mittelbarkeit des Setzens aufgestellt. Das erstere ist schlechthin, und lässt sich nicht weiter erklären; die Letztere ist durch die erstere begründet.
So wie die erstere Folgerungsart einen quantitativen Idealismus, so stellt diese einen quantitativen Realismus auf, der wohl zu unterscheiden ist von dem oben aufgestellten qualitativen Realismus. In ihm geschieht durch ein unabhängig vom Ich in sich selbst Realität habendes Nicht-Ich ein Eindruck auf das Ich, wodurch die Thätigkeit desselben zum Theil zurückgedrängt wird; der bloss quantitative Realist bescheidet hierüber sich seiner Unwissenheit, und erkennt an, dass das Setzen der Realität in das Nicht-Ich für das Ich erst nach dem Gesetze des Grundes geschehe; aber er behauptet das reale Vorhandenseyn einer Einschränkung des Ich, ohne alles eigne Zuthun des Ich selbst; weder durch absolute Thätigkeit, wie der qualitative Idealist, noch nach einem in seiner Natur liegenden Gesetze, wie der quantitative Idealist behauptet. Der qualitative Realist behauptet die vom Ich unabhängige Realität eines bestimmenden; der quantitative, die vom Ich unabhängige Realität einer blossen Bestimmung. Es ist eine Bestimmung im Ich da, deren Grund nicht in das Ich zu setzen ist; das ist ihm Factum: über den Grund derselben an sich ist ihm die Untersuchung abgeschnitten, d. i. die Bestimmung ist für ihn schlechthin und ohne allen Grund da. Er muss allerdings nach dem in ihm selbst liegenden Gesetze des Grundes dieselbe auf etwas im Nicht-Ich, als Real-Grund, beziehen; aber er weiss, dass dieses Gesetz bloss in ihm liegt, und wird dadurch nicht getäuscht. – Es fällt sogleich jedem in die Augen, dass dieser Realismus kein anderer ist, als der oben unter dem Namen des kritischen aufgestellte Idealismus, wie denn auch Kant keinen anderen aufgestellt hat, als diesen, noch auf der Stufe der Reflexion, auf welche er sich gestellt hatte, einen anderen aufstellen konnte, noch wollte *).
Von dem soeben beschriebenen quantitativen Idealismus ist der jetzt aufgestellte Realismus dadurch unterschieden, dass zwar beide eine Endlichkeit des Ich annehmen; aber der erstere eine schlechthin gesetzte, der letztere eine zufällige, die sich aber auch nicht weiter erklären lässt. Der quantitative Realismus hebt den quantitativen, als ungegründet und überflüssig, auf, dadurch, dass er ohne ihn, freilich mit dem gleichen Fehler, vollkommen erklärt, was durch ihn erklärt werden sollte: das Vorhandenseyn eines Objects im Bewusstseyn. Mit dem gleichen Fehler, sage ich: nemlich er kann schlechterdings nicht erklären, wie eine reale Bestimmung eine ideale, wie eine an sich vorhandene Bestimmung eine Bestimmung für das setzende Ich werden möge. – Es ist jetzt freilich gezeigt, wie durch das wesentliche Entgegengesetztseyn die Mittelbarkeit des Setzens bestimmt und begründet werde; aber wodurch wird denn das Setzen überhaupt begründet? Wenn gesetzt werden soll, so kann freilich nur mittelbar gesetzt werden; aber das Setzen an sich ist doch eine absolute Handlung des in dieser Function schlechthin unbestimmten und unbestimmbaren Ich. Mithin wird dieses System durch die schon oft angedeutete Unmöglichkeit des Ueberganges vom begrenzten zum unbegrenzten gedrückt. Der (eben geschilderte) Idealismus hat mit dieser Schwierigkeit nicht zu kämpfen, denn er hebt den Uebergang überhaupt auf; dagegen aber wird er durch einen offenbaren Widerspruch, dass er nemlich schlechthin ein endliches setzt, vernichtet. – Es ist zu erwarten, dass unsere Untersuchung gerade den Gang nehmen werde, wie oben; und dass durch synthetische Vereinigung beider Synthesen sich ein kritischer quantitativer Idealism als Mittelweg zwischen beiden Erklärungsarten zeigen werde.
3. Die Mittelbarkeit des Setzens und das wesentliche Entgegenseyn bestimmen sich gegenseitig; beide fühlen Eine und ebendieselbe Sphäre aus und sind Eins. Es ist sogleich klar, wie dies gedacht werden müsse, um als möglich gedacht werden zu können; nemlich Seyn und Gesetztseyn, ideales und reales Verhältniss, Entgegensetzen und Entgegengesetztseyn müssen Eins und Ebendasselbe seyn. Ferner ist sogleich klar, unter welcher Bedingung dies möglich ist: nemlich wenn das im Verhältniss gesetzte und das setzende Eins und Ebendasselbe, d. i. wenn das im Verhältniss gesetzte das Ich ist. – Das Ich soll mit irgend einem X, das insofern nothwendig ein Nicht-Ich seyn muss, in dem Verhältnisse stehen, dass es nur durch das Nicht-Gesetztseyn des anderen gesetzt seyn soll, und umgekehrt. Nun steht das Ich, so gewiss es ein Ich ist, nur insofern in einem gewissen Verhältniss, als es sich setzt, als stehend in diesem Verhältnisse. Also ist, vom Ich gebraucht, völlig gleich, ob man sagt: es wird in dieses Verhältniss gesetzt, oder: es setzt sich in dieses Verhältniss. Es kann nur insofern darein versetzt werden (realiter), als es sich darein setzt (idealiter): und es kann sich nur insofern darein setzen, als es darein versetzt wird; weil durch das blosse, schlechthin gesetzte Ich ein solches Verhältniss nicht gesetzt ist, sondern es demselben vielmehr widerspricht.
Wir entwickeln noch deutlicher den wichtigen Inhalt unserer Synthesis. – Es ist – immer unter Voraussetzung des zu Anfange unseres § aufgestellten Hauptsatzes des gesammten theoretischen Verfahrens, aus welchem Hauptsatze wir alles bisherige entwickelt haben; aber auch unter keiner anderen Voraussetzung – es ist, sage ich, Gesetz für das Ich, Ich sowohl als Nicht-Ich nur mittelbar zu setzen: d. i. das Ich bloss durch Nichtsetzen des Nicht-Ich, und das Nicht-Ich bloss durch Nichtsetzen des Ich. (Das Ich ist in jedem Falle, mithin schlechthin, das setzende, wovon aber in unserer gegenwärtigen Untersuchung abstrahirt wird; das gesetzte ist es nur unter der Bedingung, dass das Nicht-Ich gesetzt werde, als nicht gesetzt; dass es negirt werde.) – In gemeinerer Sprache ausgedrückt: das Ich, so wie es hier betrachtet wird, ist bloss das Gegentheil des Nicht-Ich und nichts weiter; und das Nicht-Ich bloss das Gegentheil des Ich und nichts weiter. Kein Du, kein Ich; kein Ich, kein Du. Wir wollen um der Deutlichkeit willen schon von jetzt an, in dieser Rücksicht, aber auch in keiner anderen, das Nicht-Ich Object, das Ich Subject nennen; ob wir gleich das passende dieser Benennungen hier noch nicht zeigen können. Das von diesem Wechsel unabhängige Nicht-Ich soll nicht Object, und das von ihm unabhängige Ich nicht Subject genannt werden. – Also Subject ist das, was nicht Object ist, und weiter hat es bis jetzt gar kein Prädicat; und Object ist das, was nicht Subject ist, und weiter hat es bis jetzt auch kein Prädicat.
Legt man dieses Gesetz, ohne weiter nach einem Grunde zu fragen, der Erklärung der Vorstellung zum Grunde, so bedarf man zuvörderst keiner Einwirkung des Nicht-Ich, die der qualitative Realist annimmt, um das im Ich vorhandene Leiden zu begründen; – dann bedarf man selbst dieses Leidens (Affection, Bestimmung) nicht, das der quantitative Realist annimmt, zum Behuf seiner Erklärung. – Nehmet an, das Ich müsse überhaupt setzen, kraft seines Wesens; ein Satz, den wir in der folgenden Hauptsynthesis erweisen werden. Nun kann es nur setzen entweder das Subject oder das Object, und beide nur mittelbar. Es soll das Object setzen; – dann hebt es nothwendig das Subject auf, und es entsteht in ihm ein Leiden, es bezieht dieses Leiden nothwendig auf einen Real-Grund im Nicht-Ich, und so entsteht die Vorstellung von einer vom Ich unabhängigen Realität des Nicht-Ich. – Oder es setzt das Subject, so hebt es nothwendig das gesetzte Object auf, und es entsteht abermals ein Leiden, welches aber auf eine Thätigkeit des Subjects bezogen wird, und die Vorstellung von einer vom Nicht-Ich unabhängigen Realität des Ich erzeugt; (die Vorstellung von einer Freiheit des Ich, welche in unserer gegenwärtigen Folgerungsart allerdings eine bloss vorgestellte Freiheit ist.) – So ist, von dem Mittelgliede aus, wie es kraft der Gesetze der Synthesis allerdings geschehen soll, das (ideale) Leiden des Ich und die (ideale) unabhängige Thätigkeit des Ich sowohl, als des Nicht-Ich, vollkommen erklärt und begründet.
Da aber das aufgestellte Gesetz offenbar eine Bestimmung (der Thätigkeit des Ich, als solcher) ist, so muss es einen Grund haben, und die Wissenschaftslehre hat den Grund desselben aufzuzeigen. Nun lässt sich, wenn man nicht durch eine neue Synthesis ein Mittelglied einschiebt, wie man doch soll, der Grund nur in den diese Bestimmung zunächst begrenzenden Momenten, dem Setzen des Ich oder seinen Leiden, suchen. Das erstere nimmt als Bestimmungsgrund an der quantitative Idealist, welcher jenes Gesetz zum Gesetze des Setzens überhaupt macht; das zweite der quantitative Realist, der es aus dem Leiden des Ich ableitet. Nach dem ersten ist jenes Gesetz ein subjectives und ideales, das seinen Grund bloss im Ich hat; nach dem zweiten ein objectives und reales, das seinen Grund nicht im Ich hat. – Wo es ihn haben möge, oder ob es überhaupt einen habe, darüber ist die Untersuchung abgeschnitten. Freilich muss die als unerklärlich aufgestellte Affection des Ich auf eine sie bewirkende Realität im Nicht-Ich bezogen werden; aber das geschieht bloss zur Folge von einem erklärbaren, und eben durch die Affection erklärten Gesetze im Ich.
Es ist das Resultat unserer soeben aufgestellten Synthesis, dass beide Unrecht haben; dass jenes Gesetz weder ein bloss subjectives und ideales, noch ein bloss objectives und reales sey, sondern dass der Grund desselben im Object und Subject zugleich liegen müsse. Wie er aber in beiden liege, darüber ist die Untersuchung vor der Hand abgeschnitten, und wir bescheiden uns hierüber unserer Unwissenheit; und das ist denn der kritische quantitative Idealismus, dessen Aufstellung wir oben versprachen. Da jedoch die oben gegebene Aufgabe noch nicht vollständig gelöst ist, und wir noch mehrere Synthesen vor uns haben, so dürfte wohl in der Zukunft sich etwas bestimmteres über diese Art der Begründung sagen lassen.
b. Ebenso, wie wir den Begriff der Wirksamkeit behandelt haben, behandeln wir jetzt den Begriff der Substantialität; wir vereinigen synthetisch die Thätigkeit der Form und der Materie; – dann die Form des blossen Wechsels mit der Materie desselben; – und endlich die dadurch entstandenen synthetischen Einheiten mit einander.
α) Zuvörderst die Thätigkeit der Form und der Materie. (In welchem Sinne diese Ausdrücke hier gebraucht werden, wird aus dem obigen als bekannt vorausgesetzt.)
Die Hauptsache, worauf es bei diesem Momente sowohl, als bei allen folgenden, eigentlich ankömmt, ist, das Charakteristische der Substantialität richtig und bestimmt aufzufassen.
Die Thätigkeit der Form in diesem besonderen Wechsel ist nach dem obigen ein Nicht-Setzen durch ein absolutes Setzen: das Setzen eines etwas als nicht gesetzt, durch das Setzen eines anderen als gesetzt: Negation durch Affirmation. – Das Nichtgesetzte soll also doch gesetzt werden, es soll gesetzt werden, als nicht gesetzt. Es soll demnach nicht überhaupt vernichtet werden, wie im Wechsel der Wirksamkeit; sondern nur ausgeschlossen werden aus einer bestimmten Sphäre. Es ist demnach nicht durch das Setzen überhaupt negirt, sondern nur durch ein bestimmtes Setzen. Durch dieses Setzen, das in dieser seiner Function bestimmt, mithin als objective Thätigkeit auch bestimmend ist, muss das (als gesetzt) gesetzte gleichfalls bestimmt, d.h. es muss in eine bestimmte Sphäre gesetzt werden, als dieselbe ausfüllend. Und so lässt sich einsehen, wie durch ein solches Setzen ein anderes gesetzt werden könne, als nicht gesetzt; es wird nur in diese Sphäre nicht gesetzt, und eben dadurch in sie nicht gesetzt, oder von ihr ausgeschlossen, weil das in sie gesetzte dieselbe ausfüllen soll. – Durch diese Handlung nun wird das ausgeschlossene noch gar nicht in eine bestimmte Sphäre gesetzt; seine Sphäre bekommt dadurch schlechthin kein anderes Prädicat, als ein negatives; es ist nicht diese Sphäre. Was für eine es seyn möge, oder ob es überhaupt eine bestimmte Sphäre sey, bleibt dadurch allein gänzlich unausgemacht. – Also: der bestimmte Charakter der formalen Thätigkeit bei der Wechselbestimmung durch Substantialität ist ein Ausschliessen von einer bestimmten, erfüllten, und insofern Totalität (des darin enthaltenen) habenden Sphäre.
Die Schwierigkeit dabei ist offenbar die, dass das ausgeschlossene = B allerdings gesetzt, und nur in der Sphäre von A nicht gesetzt; die Sphäre von A aber als absolute Totalität gesetzt seyn soll, woraus folgen würde, dass B überhaupt nicht gesetzt seyn könne. Mithin muss die Sphäre von A gesetzt seyn als Totalität und als Nicht-Totalität zugleich. Sie ist gesetzt als Totalität in Beziehung auf A; sie ist gesetzt als Nicht-Totalität in Beziehung auf das ausgeschlossene B. Nun aber ist die Sphäre von B selbst nicht bestimmt; sie ist bloss negativ bestimmt, als die Sphäre Nicht- A. A würde mithin, wenn auf alles Rücksicht genommen wird, gesetzt als bestimmter, und insofern totaler, vollständiger Theil eines unbestimmten, und insofern nicht vollständigen Ganzen. Das Setzen einer solchen höheren, beide, die bestimmte und unbestimmte, in sich fassenden Sphäre wäre diejenige Thätigkeit, durch welche die soeben aufgestellte formale Thätigkeit möglich würde; mithin die Thätigkeit der Materie, die wir suchen.
(Es sey gegeben das bestimmte Stück Eisen = C, welches sich fortbewegt. Ihr setzt das Eisen schlechthin, wie es durch seinen blossen Begriff (vermöge des Satzes A = A § 1) gesetzt ist = A, als absolute Totalität, und findet in der Sphäre desselben die Bewegung = B nicht; ihr schliesst demnach, durch das Setzen von A, B aus seiner Sphäre aus. Doch hebt ihr die Bewegung des Stücks Eisen = C nicht auf, ihr wollt ihre Möglichkeit gar nicht schlechthin läugnen: also ihr setzt sie ausser der Sphäre von A in eine unbestimmte Sphäre, weil ihr gar nicht wisst, unter welcher Bedingung, und aus welchem Grunde das Stück Eisen = C sich bewegen möge. Die Sphäre A ist Totalität des Eisens, und ist es doch auch nicht, denn die Bewegung von C, das doch auch Eisen ist, ist darunter nicht mit befasst. Ihr müsst demnach um beide Sphären eine höhere ziehen, die beides bewegtes und unbewegtes Eisen, in sich fasse. Insofern das Eisen diese höhere Sphäre erfüllt, ist es Substanz (nicht insofern es die Sphäre A als solche erfüllt, wie man gewöhnlich irrig dafür hält; in dieser Rücksicht ist es Ding an sich); Bewegung und Nicht-Bewegung sind seine Accidenzen. Dass ihm die Nicht-Bewegung in einem anderen Sinne zukomme, als die Bewegung, und worauf das sich gründe, werden wir zu seiner Zeit sehen.)
Die Thätigkeit der Form bestimmt die der Materie würde heissen: bloss insofern etwas von der absoluten Totalität ausgeschlossen, und als nicht enthalten in ihr gesetzt wird, kann eine umfassendere, aber unbestimmte Sphäre gesetzt werden; nur unter Bedingung des wirklichen Ausschliessens ist eine höhere Sphäre möglich; kein Ausschliessen, keine umfassendere Sphäre: d.h. kein Accidens im Ich, kein Nicht-Ich. Der Sinn dieses Satzes ist sogleich klar, und wir setzen bloss einige Worte über seine Anwendung hinzu. – Das Ich ist ursprünglich gesetzt, als sich setzend; und das Sich-setzen füllt insofern die Sphäre seiner absoluten Realität aus. Setzt es ein Object, so ist dieses objective Setzen auszuschliessen aus jener Sphäre, und in die entgegengesetzte des Sich-nicht-setzens zu setzen. Ein Object setzen, und – sich nicht setzen, ist gleichbedeutend. Von dieser Handlung geht das gegenwärtige Raisonnement aus; es behauptet: das Ich setzt ein Object, oder es schliesst etwas von sich aus, schlechthin weil es ausschliesst, und aus keinem höheren Grunde: durch dieses Ausschliessen nun wird erst die höhere Sphäre des Setzens überhaupt (davon abstrahirt, ob das Ich oder ein Nicht-Ich gesetzt werde) möglich. – Es ist klar, dass diese Folgerungsart idealistisch ist, und mit dem oben aufgestellten quantitativen Idealismus, nach welchem das Ich etwas als ein Nicht-Ich setzt, schlechthin, weil es dasselbe setzt, zusammentrifft. In einem solchen Systeme müsste demnach der Begriff der Substantialität gerade so erklärt werden, wie er soeben erklärt worden ist. – Es wird ferner im allgemeinen hier klar, dass das Sich-setzen in doppelter Beziehung der Quantität vorkomme; einmal als absolute Totalität; einmal als bestimmter Theil einer unbestimmten Grösse. Dieser Satz dürfte in der Zukunft höchst wichtige Folgen haben. – Ferner ist klar, dass durch die Substanz nicht das dauernde, sondern das allumfassende bezeichnet werde. Das Merkmal des dauernden kommt der Substanz nur in einer sehr abgeleiteten Bedeutung zu.
Die Thätigkeit der Materie bestimmt und bedingt die der Form – würde heissen: die umfassendere Sphäre, als eine umfassendere (mithin mit den ihr untergeordneten Sphären des Ich und Nicht-Ich) ist schlechthin gesetzt; und dadurch wird erst das Ausschliessen, als wirkliche Handlung des Ich (unter einer noch hinzukommenden Bedingung), möglich. – Es ist klar, dass diese Folgerungsart auf einen Realismus führt, und zwar auf einen qualitativen Realismus. Ich und Nicht-Ich sind, als entgegengesetzte, gesetzt: das Ich ist überhaupt setzend; dass es unter einer gewissen Bedingung, wenn es nemlich das Nicht-Ich nicht setzt, sich setzt, ist zufällig und bestimmt durch den Grund des Setzens überhaupt, der nicht im Ich liegt. – Das Ich ist in dieser Folgerungsart ein vorstellendes Wesen, das sich nach der Beschaffenheit der Dinge an sich richten muss.
Aber keine Folgerungsart von beiden soll gelten, sondern beide sollen gegenseitig durcheinander modificirt werden. Weil das Ich einiges von sich ausschliessen soll, soll eine höhere Sphäre seyn und gesetzt werden, und weil eine höhere Sphäre ist, und gesetzt ist, muss das Ich einiges von sich ausschliessen. Kürzer: es ist ein Nicht-Ich, weil das Ich sich einiges entgegensetzt; und das Ich setzt einiges sich entgegen, weil ein Nicht-Ich ist, und gesetzt wird. Keins begründet das andere, sondern beides ist eine und ebendieselbe Handlung des Ich, die bloss in der Reflexion unterschieden werden kann. – Es ist sogleich klar, dass dieses Resultat gleich sey dem oben aufgestellten Satze: der Ideal- und Real-Grund sind Eins und Ebendasselbe, und aus ihm sich erläutern lasse; dass demnach durch das gegenwärtige Resultat ebenso wie durch den genannten Satz der kritische Idealismus aufgestellt werde.
β) Die Form des Wechsels in der Substantialität, und die Materie desselben sollen sich gegenseitig bestimmen.
Die Form des Wechsels besteht im gegenseitigen Auschliessen und Ausgeschlossenswerden der Wechselglieder durcheinander. Wird A gesetzt, als absolute Totalität, so wird B aus der Sphäre desselben ausgeschlossen, und gesetzt in die unbestimmte, aber bestimmbare Sphäre B. – Umgekehrt, so wie B gesetzt wird (auf B als gesetzt, reflectirt wird), wird A ausgeschlossen aus der absoluten Totalität; nemlich die Sphäre A ist nun nicht mehr absolute Totalität, sondern sie ist zugleich mit B Theil einer unbestimmten, aber bestimmbaren Sphäre. – Das letztere ist wohl zu merken und richtig aufzufassen, denn darauf kommt alles an. – Also die Form des Wechsels ist gegenseitiges Ausschliessen der Wechselglieder von der absoluten Totalität.
(Setzet Eisen überhaupt und an sich; so habt ihr einen bestimmten vollständigen Begriff, der seine Sphäre füllt. Setzet das Eisen sich fortbewegend; so habt ihr ein Merkmal, das in jenem Begriffe nicht liegt, und demnach von ihm ausgeschlossen ist. Wie ihr aber diese Bewegung doch dem Eisen zuschreibt; so ist der vorher bestimmte Begriff des Eisens nicht mehr bestimmt, sondern bloss bestimmbar; es fehlt in ihm eine Bestimmung, die ihr zu seiner Zeit als Anziehbarkeit durch den Magnet bestimmen werdet.)
Die Materie des Wechsels anbelangend, ist sogleich klar, dass in der Form desselben, wie sie soeben dargelegt worden, unbestimmt bleibt, welches die eigentliche Totalität sey. Soll B ausgeschlossen werden, so füllt die Sphäre von A die Totalität; soll im Gegentheil B gesetzt werden, so füllen beide Sphären, die von B und von A die zwar unbestimmte, aber bestimmbare Totalität. (Dass auch die letztere Sphäre des A und B noch zu bestimmen sey, davon wird hier gänzlich abstrahirt.) Diese Unbestimmtheit kann nicht bleiben. Die Totalität in beider Rücksicht ist Totalität. Hat nun nicht jede noch ausser diesem ein anderes Merkmal, wodurch sie von einander zu unterscheiden sind, so ist der ganze postulirte Wechsel unmöglich; denn dann ist die Totalität Eins, und es ist nur Ein Wechselglied; mithin überhaupt kein Wechsel. (Fasslicher, aber weniger stringent! – Denkt euch als Zuschauer dieses wechselseitigen Ausschliessens. Wenn ihr die zwiefache Totalität nicht unterscheiden könnt, zwischen welcher der Wechsel schwebt, so ist für euch kein Wechsel. Ihr könnt sie aber nicht unterscheiden, wenn nicht ausser beiden, insofern sie nichts als Totalität sind, irgend ein X liegt, nach welchem ihr euch orientirt.) Mithin wird zum Behuf der Möglichkeit des postulirten Wechsels die Bestimmbarkeit der Totalität, als solcher, vorausgesetzt; es wird vorausgesetzt, dass man beide Totalitäten an irgend etwas unterscheiden könne; und diese Bestimmbarkeit ist die Materie des Wechsels, dasjenige, woran der Wechsel fortläuft, und wodurch einzig und allein er fixirt wird.
(Wenn ihr das Eisen, etwa so wie es durch die gemeine Erfahrung ohne gelehrte Kenntniss der Naturlehre gegeben ist, an sich, d.h. isolirt, und ausser aller euch bemerkbaren Verbindung mit etwas ausser demselben; unter anderen auch als beharrlich an seinem Orte setzt: so gehört die Bewegung nicht in den Begriff desselben, und ihr habt, wenn es euch in der Erscheinung als sich fortbewegend gegeben wird, ganz recht, wenn ihr diese Bewegung auf etwas ausser demselben bezieht.
Aber wenn ihr denn doch die Bewegung dem Eisen zuschreibt, worin ihr gleichfalls recht habt, so ist jener Begriff nicht mehr vollständig, und ihr habt in dieser Rücksicht ihn weiter zu bestimmen, und z.B. die Anziehbarkeit durch den Magnet in seinen Umfang zu setzen. – Das macht einen Unterschied. Wenn ihr von dem ersten Begriffe ausgeht, so ist die Beharrlichkeit am Orte dem Eisen wesentlich, und nur die Bewegung in ihm ist zufällig; geht ihr aber von dem zweiten Begriff aus, so ist die Beharrlichkeit sowohl zufällig, als die Bewegung; denn die erstere steht gerade so unter der Bedingung der Abwesenheit, als die letztere unter der Bedingung der Anwesenheit eines Magnets. Ihr seyd also desorientirt, wenn ihr nicht einen Grund angeben könnt, warum ihr vom ersten, und nicht vom zweiten Begriffe oder umgekehrt, ausgehen musstet; d. i. im allgemeinen, wenn sich nicht auf irgend eine Art bestimmen lässt, auf welche Totalität man zu reflectiren habe: ob auf die schlechthin gesetzte und bestimmte, oder auf die durch diese und das ausgeschlossene entstandene bestimmbare, oder auf beide.)
(Die Form des Wechsels bestimmt seine Materie, würde heissen: das gegenseitige Ausschliessen ist es, welches die Totalität in dem eben aufgestellten Sinne bestimmt, d. i. welches andeutet, welche von beiden möglichen Totalitäten absolute Totalität sey, und von welcher ausgegangen werden müsse. Dasjenige, welches ein anderes von der Totalität ausschliesst, ist, insofern es ausschliesst, die Totalität; und umgekehrt; und weiter giebt es gar keinen Bestimmungsgrund derselben. – Wird durch das schlechthin gesetzte A ausgeschlossen B, so ist insofern A Totalität; und wird auf B reflectirt, und demnach A nicht als Totalität betrachtet, so ist insofern A + B, das an sich unbestimmt ist, die bestimmbare Totalität. Bestimmtes oder bestimmbares ist Totalität, nachdem man es nun nimmt. – Zwar scheint in diesem Resultate nichts neues, sondern gerade das, was wir vor der Synthesis vorher auch wussten, gesagt zu seyn; aber vorher hatten wir doch Hoffnung, irgend einen Bestimmungsgrund zu finden. Durch das gegenwärtige Resultat aber wird diese Hoffnung völlig abgeschnitten; seine Bedeutung ist negativ, und es sagt uns: es ist überhaupt gar kein Bestimmungsgrund möglich, als durch Relation.)
(Im vorigen Beispiel kann man von dem schlechthin gesetzten Begriffe des Eisens ausgehen, so ist die Beharrlichkeit am Orte dem Eisen wesentlich; oder von dem bestimmbaren Begriffe desselben, so ist sie ein Accidens. Beides ist recht, je nachdem man es nimmt, und es lässt hierüber sich gar keine bestimmende Regel geben. Der Unterschied ist lediglich relativ.)
Die Materie des Wechsels bestimmt seine Form, würde heissen: die Bestimmbarkeit der Totalität, im erklärten Sinne, die demnach gesetzt ist, da sie etwas anderes bestimmen soll (d. i. die Bestimmung ist wirklich möglich, und es giebt irgend ein X, nach welchem sie geschieht, mit dessen Aufsuchung wir es aber hier nicht zu thun haben), bestimmt das gegenseitige Ausschliessen. Eins von beiden, entweder das bestimmte, oder das bestimmbare, ist absolute Totalität, und das andere ist es dann nicht; und es giebt daher auch ein absolutes Ausgeschlossene, dasjenige, welches durch jene Totalität ausgeschlossen wird. Ist z.B. das bestimmte – absolute Totalität, so ist das dadurch ausgeschlossene das absolut ausgeschlossene. – Also – das ist das Resultat der gegenwärtigen Synthesis – es giebt einen absoluten Grund der Totalität, und dieselbe ist nicht lediglich relativ.
(Im obigen Beispiele: – es ist nicht gleichgültig, ob man von dem bestimmten Begriffe des Eisens, oder von dem bestimmbaren Begriffe desselben ausgehen, und ob man die Beharrlichkeit am Orte für ein wesentliches desselben oder für etwas zufälliges halten wolle. Gesetzt es müsste, aus irgend einem Grunde, von dem bestimmten Begriffe des Eisens ausgegangen werden, so ist nur die Bewegung ein absolutes Accidens, nicht aber die Beharrlichkeit.)
Keins von beiden soll das andere, sondern beide sollen sich gegenseitig bestimmen, heisst; – um ohne lange Umschweife zur Sache zu kommen – absoluter und relativer Grund der Totalitäts-Bestimmung sollen Eins und Ebendasselbe seyn; die Relation soll absolut, und das absolute soll nichts weiter seyn, als eine Relation.
Wir suchen dieses höchst wichtige Resultat deutlich zu machen. Durch die Bestimmung der Totalität wird zugleich das ausschliessende bestimmt, und umgekehrt: das ist auch eine Relation, aber über sie ist keine Frage. Die Frage ist, welche von beiden möglichen Bestimmungsarten ist anzunehmen und festzusetzen. Hierauf wurde im ersten Gliede geantwortet: keine von beiden; es giebt hierbei gar keine bestimmte Regel, als die: nimmt man die eine an, so kann man insofern die andere nicht annehmen, und umgekehrt; welche von beiden aber man annehmen solle, darüber lässt sich nichts festsetzen. Im zweiten Gliede wurde geantwortet: es ist eine von beiden anzunehmen, und es muss darüber eine Regel geben. Welches aber diese Regel sey, musste natürlich unentschieden bleiben, weil Bestimmbarkeit, nicht aber Bestimmung, der Bestimmungsgrund des auszuschliessenden seyn sollte.
Beide Sätze werden durch den gegenwärtigen vereinigt; es wird demnach durch ihn behauptet: es sey allerdings eine Regel, aber nicht eine solche, die eine von beiden Bestimmungsarten, sondern die beide, als gegenseitig durcheinander zu bestimmend, aufstelle. – Keine einzelne von den bis jetzt als solche betrachteten ist die gesuchte Totalität, sondern beide gegenseitig durcheinander bestimmt machen erst diese Totalität. Also – von einer Relation beider Bestimmungsarten, der durch Relation, und der absoluten, ist die Rede; und durch diese Relation wird erst die gesuchte Totalität aufgestellt. Nicht A soll die absolute Totalität seyn, auch nicht A + B, sondern A bestimmt durch A + B. Das bestimmbare soll durch das bestimmte, das bestimmte soll durch das bestimmbare bestimmt werden; und die hieraus entstehende Einheit ist die Totalität, welche wir suchen. – Es ist klar, dass dieses das Resultat unserer Synthesis seyn musste; aber es ist etwas schwerer zu verstehen, was dadurch gesagt werden möge.
Das bestimmte und das bestimmbare sollen sich gegenseitig bestimmen, heisst offenbar: die Bestimmung des zu bestimmenden besteht eben darin, dass es ein bestimmbares sey. Es ist ein bestimmbares, und weiter nichts; darin besteht sein ganzes Wesen. – Diese Bestimmbarkeit nun ist die gesuchte Totalität, d.h. die Bestimmbarkeit ist ein bestimmtes Quantum, sie hat ihre Grenzen, über welche hinaus keine Bestimmung weiter statt findet; und innerhalb dieser Grenzen liegt alle mögliche Bestimmbarkeit.
Wir wenden dieses Resultat an auf den vorliegenden Fall, und es wird sogleich alles klar seyn. – Das Ich setzt sich. Darin besteht die schlechthin gesetzte Realität desselben; die Sphäre dieser Realität ist erschöpft, und enthält daher absolute Totalität (der schlechthin gesetzten Realität des Ich). Das Ich setzt ein Object. Nothwendig muss dieses objective Setzen ausgeschlossen werden aus der Sphäre des Sich-setzens des Ich. Doch soll dieses objective Setzen dem Ich zugeschrieben werden; und dadurch erhalten wir dann die Sphäre A + B als (bis jetzt unbegrenzte) Totalität der Handlungen des Ich. – Nach der gegenwärtigen Synthesis sollen beide Sphären sich gegenseitig bestimmen: A giebt, was es hat, absolute Grenze; A + B giebt, was es hat, Gehalt. Und nun ist das Ich setzend ein Object, und dann nicht das Subject; oder das Subject, und dann nicht ein Object, – insofern es sich setzt, als setzend nach dieser Regel. Und so fallen beide Sphären in einander, und füllen erst vereint eine einzige begrenzte Sphäre aus; und insofern besteht die Bestimmung des Ich in der Bestimmbarkeit durch Subject und Object.
Bestimmte Bestimmbarkeit ist die Totalität, die wir suchten, und eine solche nennt man eine Substanz. – Keine Substanz ist als solche möglich, wenn nicht erst aus dem schlechthin gesetzten, hier aus dem Ich, das nur sich setzt, herausgegangen, d. i. wenn nicht etwas von demselben ausgeschlossen wird, hier ein gesetztes Nicht-Ich, oder ein Object. – Aber die Substanz, die als solche nichts weiter als Bestimmbarkeit, aber doch eine bestimmte, fixirte, festgesetzte Bestimmbarkeit seyn soll, bleibt unbestimmt, und ist keine Substanz (nichts allumfassendes), wenn sie nicht wieder durch das schlechthin gesetzte bestimmt wird, hier durch das Sich-setzen. Das Ich setzt sich als sich setzend dadurch, dass es das Nicht-Ich ausschliesst, oder das Nicht-Ich setzend, dadurch, dass es sich ausschliesst. – Sich setzen kommt hier zweimal vor; aber in sehr verschiedener Rücksicht. Durch das erstere wird ein unbedingtes, durch das letztere ein bedingtes und durch ein Ausschliessen des Nicht-Ich bestimmbares Setzen bezeichnet.
(Die Bestimmung des Eisens an sich sey Beharrlichkeit am Orte, so ist die Veränderung des Orts dadurch ausgeschlossen; und das Eisen ist insofern nicht Substanz, denn es ist nicht bestimmbar. Nun aber soll die Veränderung des Ortes dem Eisen zugeschrieben werden. Dies ist nicht möglich in der Bedeutung, dass die Beharrlichkeit am Orte dadurch ganz aufgehoben würde, denn dann würde das Eisen selbst, so wie es gesetzt ist, dadurch aufgehoben; mithin die Veränderung des Ortes dem Eisen nicht zugeschrieben, welches der Forderung widerspricht. Also die Beharrlichkeit kann nur zum Theil aufgehoben werden, und die Veränderung des Ortes wird durch die Beharrlichkeit bestimmt und begrenzt, d. i. die Orts-Veränderung findet nur statt in der Sphäre einer gewissen Bedingung (etwa der Anwesenheit eines Magnets), und findet nicht statt ausser dieser Sphäre. Ausser dieser Sphäre findet wiederum statt die Beharrlichkeit. – Wer sieht nicht, dass Beharrlichkeit hier in zwei sehr verschiedenen Bedeutungen vorkomme? – das eine Mal unbedingt, das zweite Mal bedingt durch die Abwesenheit eines Magnets.)
Um in Anwendung des oben aufgestellten Grundsatzes weiter fortzugehen: – so wie A + B bestimmt ist durch A, ist B selbst bestimmt, denn es gehört in den Umfang des nunmehr bestimmten bestimmbaren; und A ist nun selbst, wie eben gezeigt worden, ein bestimmbares. Insofern nun B selbst bestimmt ist, kann auch durch dasselbe A + B bestimmt werden, und da eine absolute Relation statt finden – nur sie, die gesuchte Totalität ausfüllen soll, so muss es dadurch bestimmt werden. Mithin wird, wenn A + B gesetzt, und insofern A unter die Sphäre des bestimmbaren gesetzt ist, A + B hinwiederum bestimmt durch B.
Dieser Satz wird sogleich klar werden, wenn wir ihn auf den vorliegenden Fall anwenden. – Das Ich soll etwas von sich ausschliessen: dies ist die bisher als das erste Moment des ganzen in der Untersuchung begriffenen Wechsels betrachtete Handlung. Ich folgere weiter, – und da ich hier im Gebiete des Grundes bin, so habe ich das Recht weiter zu folgern – soll das Ich jenes etwas von sich ausschliessen, so muss dasselbe in ihm, vor dem Ausschliessen, d. i. unabhängig von dem Ausschliessen gesetzt seyn; also es ist, da wir keinen höheren Grund anführen können, schlechthin gesetzt. Gehen wir von diesem Puncte aus, so ist das Ausschliessen des Ich etwas in dem schlechthin gesetzten, insofern es das ist, nicht gesetztes, und muss aus der Sphäre desselben ausgeschlossen werden; es ist ihm nicht wesentlich. Es ist dem Objecte, wenn dasselbe gleich auf eine uns völlig unbegreifliche Art in dem Ich (für das mögliche Ausschliessen) gesetzt: und insofern allerdings ein Object seyn soll, zufällig, dass es ausgeschlossen, und, – wie sich ferner ergeben wird, zur Folge dieses Aussschliessens vorgestellt wird. Es wäre an sich, – nicht ausser dem Ich, aber im Ich, – ohne dieses Ausschliessen vorhanden. Das Object überhaupt (hier B) ist das bestimmte: das Ausgeschlossenseyn durch das Subject (hier B + A) ist das bestimmbare. Das Object kann ausgeschlossen seyn oder auch nicht, und bleibt in dem obigen Sinne immer Object. – Hier kommt das Gesetztseyn des Objects zweimal vor; aber wer sieht nicht, in welchen verschiedenen Bedeutungen? – einmal unbedingt, und schlechthin; einmal unter Bedingung eines Ausgeschlossenseyns durch das Ich.
(Aus dem als beharrlich gesetzten Eisen soll die Bewegung ausgeschlossen werden. Die Bewegung war im Eisen, laut seines Begriffs, nicht gesetzt, sie soll jetzt vom Eisen ausgeschlossen werden; sie muss demnach unabhängig von diesem Ausschliessen gesetzt, und zwar, in Rücksicht auf das Nichtgesetztseyn durch das Eisen, schlechthin gesetzt seyn. [Das heisst – fasslicher, aber weniger stringent: – soll man die Bewegung dem Eisen entgegensetzen, so muss sie schon bekannt seyn. Durch das Eisen aber soll sie nicht bekannt seyn. Mithin ist sie anderwärts her bekannt; und, da wir hier auf gar nichts weiter Rücksicht nehmen, als auf Eisen und Bewegung, – ist sie schlechthin bekannt.] Gehen wir von diesem Begriffe der Bewegung aus, so ist es für ihn zufällig, dass er unter andern auch dem Eisen zukomme. Er ist das Wesentliche, und das Eisen ist für ihn das Zufällige. Es ist gesetzt die Bewegung schlechthin. Von ihrer Sphäre wird ausgeschlossen das Eisen, als beharrlich am Orte. Jetzt wird die Beharrlichkeit aufgehoben, und dem Eisen Bewegung zugeschrieben. – Hier kommt der Begriff der Bewegung zweimal vor: einmal unbedingt; das zweitemal bedingt durch die Aufhebung der Beharrlichkeit im Eisen.)
Also – und das war der oben aufgestellte synthetische Satz – die Totalität besteht bloss in der vollständigen Relation, und es giebt überhaupt nichts an sich festes, was dieselbe bestimme. Die Totalität besteht in der Vollständigkeit eines Verhältnisses, nicht aber einer Realität.
(Die Glieder des Verhältnisses, einzeln betrachtet, sind die Accidenzen, ihre Totalität ist Substanz, wie schon oben gesagt worden. – Hier ist nur noch das für diejenigen ausdrücklich aufzustellen, welche eine so leichte Folgerung nicht selbst zu ziehen vermögen, dass in der Substanz gar nichts fixirtes zu denken ist, sondern ein blosser Wechsel. Soll eine Substanz bestimmt – welches sattsam erörtert worden – oder soll etwas bestimmtes als Substanz gedacht werden; so muss der Wechsel freilich von irgend einem Gliede ausgehen, welches insofern fixirt ist, inwiefern der Wechsel bestimmt werden soll. Aber es ist nicht absolut fixirt; denn ich kann ebensowohl von seinem entgegengesetzten Gliede ausgehen; und dann ist eben dasjenige Glied, was vorher wesentlich, festgesetzt, fixirt war, zufällig; wie sich aus den obigen Beispielen erläutern lässt. Die Accidenzen, synthetisch vereinigt, geben die Substanz; und es ist in derselben gar nichts weiter enthalten, als die Accidenzen: die Substanz, analysirt, giebt die Accidenzen, und es bleibt nach einer vollständigen Analyse der Substanz gar nichts übrig, als Accidenzen. An ein dauerndes Substrat, an einen etwanigen Träger der Accidenzen, ist nicht zu denken; das eine Accidens ist jedesmal sein eigner und des entgegengesetzten Accidens Träger, ohne dass es dazu noch eines besonderen Trägers bedürfte. – Das setzende Ich, durch das wunderbarste seiner Vermögen, das wir zu seiner Zeit näher bestimmen werden, hält das schwindende Accidens so lange fest, bis es dasjenige, wodurch dasselbe verdrängt wird, damit verglichen hat. – Dieses fast immer verkannte Vermögen ist es, was aus steten Gegensätzen eine Einheit zusammenknüpft, – was zwischen Momente, die sich gegenseitig aufheben müssten, eintritt und dadurch beide erhält; – es ist dasjenige, was allein Leben und Bewusstseyn, und insbesondere Bewusstseyn als eine fortlaufende Zeitreihe möglich macht; und das alles thut es lediglich dadurch, dass es an sich und in sich Accidenzen fortleitet, die keinen gemeinschaftlichen Träger haben, noch haben könnten, weil sie sich gegenseitig vernichten würden.)
γ) Die Thätigkeit, als synthetische Einheit, und der Wechsel, als synthetische Einheit, sollen sich wechselseitig bestimmen, und selbst eine synthetische Einheit ausmachen.
(Die Thätigkeit, als synthetische Einheit, wird am kürzesten beschrieben durch ein absolutes Zusammenfassen und Festhalten entgegengesetzter, eines subjectiven und objectiven, in dem Begriffe der Bestimmbarkeit, in welchem sie doch auch entgegengesetzt sind. (Zur Erläuterung und Aufstellung eines höheren umfassenden Gesichtspunctes vergleiche man die hier bezeichnete Synthesis mit der oben (§. 3.) angestellten Vereinigung des Ich und Nicht-Ich überhaupt durch Quantität. So wie dort zuvörderst das Ich, der Qualität nach als absolute Realität schlechthin gesetzt wurde; so wird hier etwas, d.h. ein durch Quantität bestimmtes, schlechthin in das Ich gesetzt, oder das Ich wird schlechthin gesetzt, als bestimmte Quantität; es wird etwas subjectives gesetzt, als ein schlechthin subjectives; und dieses Verfahren ist eine Thesis, und zwar eine quantitative Thesis, zum Unterschiede von der obigen qualitativen. Alle Handlungsweisen des Ich aber müssen von einem thetischen Verfahren ausgehen. [In dem theoretischen Theile der Wissenschaftslehre nemlich, und innerhalb der Begrenzung, welche wir uns hier durch unseren Grundsatz vorgeschrieben haben, ist es eine Thesis, weil wir um jener Begrenzung willen nicht weiter vorwärts gehen können; ob sich gleich, wenn wir einst diese Grenze durchbrechen werden, zeigen dürfte, dass es gleichfalls eine auf die höchste Thesis zurückzuführende Synthesis sey]. So wie oben dem Ich überhaupt entgegengesetzt wurde ein Nicht-Ich, als entgegengesetzte Qualität, so wird hier dem subjectiven entgegengesetzt ein objectives, durch das blosse Ausschliessen desselben aus der Sphäre des subjectiven; also bloss durch und vermittelst der Quantität (der Begrenzung, der Bestimmung), und dieses Verfahren ist eine quantitative Antithesis, so wie das obige eine qualitative war. Nun soll aber weder das subjective durch das objective, noch das objective durch das subjective vernichtet werden, ebensowenig, als oben das Ich überhaupt durch das Nicht-Ich, oder umgekehrt, aufgehoben werden sollte; sondern beide sollen neben einander bestehen. Sie müssen demnach synthetisch vereinigt werden, und werden es durch das dritte, worin sie sich beide gleich sind, durch die Bestimmbarkeit. Beide – nicht das Subject und Object an sich – aber das durch Thesis und Antithesis gesetzte subjective und objective, sind gegenseitig durch einander bestimmbar, und bloss insofern sie das sind, können sie zusammengefasst, und durch das in der Synthesis thätige Vermögen des Ich (die Einbildungskraft) fixirt und festgehalten werden. – Aber gerade wie oben, ist die Antithesis nicht möglich ohne Thesis, weil nur dem gesetzten entgegengesetzt werden kann; aber auch selbst die hier geforderte Thesis ist ihrer Materie nach nicht möglich, ohne die Materie der Antithesis; denn ehe etwas schlechthin bestimmt, d. i. der Begriff der Quantität darauf angewendet werden kann, muss es der Qualität nach vorhanden seyn. Es muss also überhaupt etwas da seyn, in welchem das thätige Ich eine Grenze für das subjective absteckt, und das übrige dem objectiven überlässt. – Der Form nach aber ist, gerade wie oben, die Antithesis nicht möglich ohne die Synthesis; weil ausserdem durch die Antithesis das gesetzte aufgehoben, mithin die Antithesis keine Antithesis, sondern selbst eine Thesis seyn würde; also sind alle drei Handlungen nur Eine und ebendieselbe Handlung; und bloss in der Reflexion über sie können die einzelnen Momente dieser Einen Handlung unterschieden werden).
Den blossen Wechsel anbelangend – wenn die Form desselben, das gegenseitige Ausschliessen der Wechselglieder, und die Materie, die umfassende Sphäre, welche beide, als sich ausschliessende, in sich enthält, synthetisch vereinigt werden, ist das gegenseitige Ausschliessen selbst die umfassende Sphäre, und die umfassende Sphäre ist selbst das gegenseitige Ausschliessen, d i. der Wechsel besteht in der blossen Relation; es ist weiter gar nichts da, als das gegenseitige Ausschliessen, die eben genannte Bestimmbarkeit. – Es ist leicht, einzusehen, dass dies das synthetische Mittelglied seyn musste; aber es ist etwas schwerer, sich bei einer blossen Bestimmbarkeit, einer blossen Relation, ohne etwas, das in Relation steht (von welchem Etwas hier, und im ganzen theoretischen Theile der Wissenschaftslehre, überhaupt gänzlich zu abstrahiren ist), etwas einzubilden, das nicht absolut Nichts sey. Wir leiten die Einbildungskraft, so gut wir es vermögen. – A und B (es ist schon bekannt, dass eigentlich A + B bestimmt durch A, und das gleiche A + B bestimmt durch B dadurch bezeichnet werden, aber für unseren Zweck können wir davon abstrahiren, und sie geradezu A und B nennen), A und B also sind entgegengesetzt, und wenn das eine gesetzt ist, kann das andere nicht gesetzt seyn: und dennoch sollen sie, und zwar nicht etwa nur zum Theil, wie bisher gefordert worden ist, sondern ganz, und als entgegengesetzte, beisammen stehen, ohne sich gegenseitig aufzuheben; und die Aufgabe ist, dies zu denken. Aber sie können auf gar keine Art, und unter keinem möglichen Prädicate zusammen gedacht werden, als lediglich, inwiefern sie sich gegenseitig aufheben. A ist nicht zu denken, und B ist nicht zu denken; aber das Zusammentreffen, – Eingreifen beider ist zu denken, und bloss dieses ist ihr Vereinigungspunct.
(Setzet in den physischen Punct X im Zeitmomente A Licht, und Finsterniss in den unmittelbar darauf folgenden Zeitmoment B: so ist Licht und Finsterniss scharf von einander geschieden, wie es seyn soll. Aber die Momente A und B begrenzen sich unmittelbar, und es ist zwischen ihnen keine Lücke. Bildet euch ein die scharfe Grenze zwischen beiden Momenten = Z. Was ist in Z? Nicht Licht; denn das ist im Momente A, und Z ist nicht = A; und ebensowenig Finsterniss; denn diese ist im Momente B. Mithin keins von beiden. – Aber ich kann ebensowohl sagen: es ist in ihm beides, denn wenn zwischen A und B keine Lücke ist, so ist auch zwischen Licht und Finsterniss keine Lücke, mithin berühren sie sich beide in Z unmittelbar. – – Man könnte sagen, ich dehne in der letzteren Folgerungsart Z, das nur Grenze seyn sollte, durch die Einbildungskraft selbst zu einem Momente aus; und so ist es allerdings. [Die Momente A und B sind selbst auf keine andere Art entstanden, als durch eine solche Ausdehnung vermittelst der Einbildungskraft.] Ich kann demnach Z durch die blosse Einbildungskraft ausdehnen; und muss es, wenn ich mir die unmittelbare Begrenzung der Momente A und B denken will – und es ist hier zugleich ein Experiment mit dem wunderbaren Vermögen der productiven Einbildungskraft in uns angestellt worden, welches in kurzem erklärt werden wird, ohne welches gar nichts im menschlichen Geiste sich erklären lässt – und auf welches gar leicht der ganze Mechanismus des menschlichen Geistes sich gründen dürfte.)
a. Die soeben erklärte Thätigkeit bestimmt den Wechsel, den wir erklärt haben, würde heissen: das Zusammentreffen der Wechselglieder, als solcher, steht unter der Bedingung einer absoluten Thätigkeit des Ich, vermittelst welcher dasselbe ein objectives und subjectives entgegensetzt, und beide vereinigt. Nur im Ich, und lediglich kraft jener Handlung des Ich sind sie Wechselglieder; lediglich im Ich, und kraft jener Handlung des Ich treffen sie zusammen.
Es ist klar, dass der aufgestellte Satz idealistisch ist. Wird die hier aufgestellte Thätigkeit für die das Wesen des Ich, insofern dasselbe eine Intelligenz ist, erschöpfende genommen, wie sie dafür allerdings, nur unter einigen Einschränkungen, genommen werden muss: so besteht das Vorstellen darin, dass das Ich ein subjectives setze, und diesem subjectiven ein anderes als ein objectives entgegensetze, u.s.w.; und so sehen wir den Anfang zu einer Reihe der Vorstellungen in dem empirischen Bewusstseyn Oben wurde aufgestellt ein Gesetz der Mittelbarkeit des Setzens, und nach diesem konnte, wie es allerdings hier auch gültig bleibt, kein objectives gesetzt werden, ohne dass ein subjectives, und kein subjectives, ohne dass ein objectives aufgehoben werde; und hieraus würde sich denn der Wechsel der Vorstellungen habe erklären lassen. Hier kommt die Bestimmung hinzu, dass beide synthetisch vereinigt, dass beide durch Einen und ebendenselben Act des Ich gesetzt werden sollen; und hieraus würde sich denn die Einheit desjenigen, worin der Wechsel ist, bei dem Entgegengesetztseyn des Wechselnden, erklären lassen, welches durch das Gesetz der blossen Mittelbarkeit nicht möglich war. Und so hätte man denn eine Intelligenz mit allen ihren möglichen Bestimmungen bloss und lediglich durch absolute Spontaneität. Das Ich wäre so beschaffen, wie es – setzte, wie es – sich setzte, und weil es sich, als so beschaffen, setzte. – Aber man gehe zurück in der Reihe, so weit man will, so muss man zuletzt doch auf ein im Ich schon vorhandenes kommen, in welchem einiges als subjectiv bestimmt, ein anderes als objectiv demselben entgegengesetzt wird. Das Vorhandenseyn dessen, was subjectiv seyn soll, liesse sich zwar aus dem Setzen des Ich schlechthin durch sich selbst erklären, nicht aber das Vorhandenseyn dessen, was objectiv seyn soll; denn ein solches ist durch das Setzen des Ich schlechthin nicht gesetzt. Der aufgestellte Satz erklärt demnach nicht vollständig, was erklärt werden soll.
b. Der Wechsel bestimmt die Thätigkeit, würde heissen: zwar nicht durch das reelle Vorhandenseyn Entgegengesetzter, aber doch durch ihr blosses Zusammentreffen oder Sichberühren im Bewusstseyn, wie es soeben erklärt worden, wird das Entgegensetzen und Zusammenfassen durch die Thätigkeit des Ich möglich: jenes Zusammentreffen ist die Bedingung dieser Thätigkeit. Es kommt nur darauf an, dieses richtig zu verstehen.
Es wurde soeben gegen die aufgestellte idealistische Erklärungsart erinnert: soll im Ich etwas als ein subjectives bestimmt, und ein anderes als objectiv durch jene Bestimmung aus der Sphäre desselben ausgeschlossen werden; so muss erklärt werden, wie das letztere, auszuschliessende, im Ich vorhanden seyn könne, und das lässt sich nach jener Folgerungsart nicht erklären. Dieser Einwurf wird durch den gegenwärtigen Satz dahin beantwortet: das auszuschliessende objective braucht gar nicht vorhanden zu seyn; es darf nur bloss, dass ich mich so ausdrücke, ein Anstoss für das Ich vorbanden seyn, d.h. das subjective muss, aus irgend einem nur ausser der Thätigkeit des Ich liegenden Grunde, nicht weiter ausgedehnt werden können. Eine solche Unmöglichkeit des weiteren Ausdehnens machte denn aus – den beschriebenen blossen Wechsel, oder das blosse Eingreifen; er begrenzte nicht, als thätig, das Ich; aber er gäbe ihm die Aufgabe, sich selbst zu begrenzen. Alle Begrenzung aber geschieht durch Gegensatz; mithin müsste das Ich, eben um jener Aufgabe eine Genüge zu thun etwas objectives dem zu begrenzenden subjectiven entgegensetzen, und dann beide synthetisch vereinigen, wie soeben gezeigt worden; und so liesse sich denn die ganze Vorstellung ableiten. Diese Erklärungsart ist, wie sogleich in die Augen fällt, realistisch; nur liegt ihr ein weit abstracterer Realismus zum Grunde, als alle die vorher aufgestellten; nemlich es wird in ihm nicht ein ausser dem Ich vorhandenes Nicht-Ich, und nicht einmal eine im Ich vorhandene Bestimmung, sondern bloss die Aufgabe für eine durch dasselbe selbst in sich vorzunehmende Bestimmung, oder die blosse Bestimmbarkeit des Ich angenommen.
Man dürfte einen Augenblick glauben, diese Aufgabe der Bestimmung sey ja selbst eine Bestimmung, und das gegenwärtige Raisonnement sey von dem oben aufgestellten quantitativen Realismus, der das Vorhandenseyn einer Bestimmung annahm, in nichts verschieden. Aber der Unterschied ist sehr einleuchtend darzuthun. Dort war die Bestimmung gegeben; hier soll sie erst durch die Spontaneität des thätigen Ich vollendet werden. (Wenn es erlaubt ist, einige Blicke vorwärts zu thun, so lässt der Unterschied sich noch bestimmter angeben. Nemlich im praktischen Theile wird sich zeigen, dass die Bestimmbarkeit, von welcher hier geredet wird, ein Gefühl ist. Nun ist ein Gefühl allerdings eine Bestimmung des Ich, aber nicht des Ich, als Intelligenz, d. i. desjenigen Ich, welches sich setzt, als bestimmt durch das Nicht-Ich; und von diesem allein ist doch hier die Rede. Mithin ist jene Aufgabe zur Bestimmung nicht die Bestimmung selbst.)
Das gegenwärtige Raisonnement hat den Fehler alles Realismus, dass es das Ich bloss als ein Nicht-Ich betrachtet, und daher den Uebergang vom Nicht-Ich zum Ich, der erklärt werden sollte, nicht erklärt. Geben wir zu, was gefordert wird, so ist die Bestimmbarkeit des Ich, oder die Aufgabe, dass das Ich bestimmt werden solle, allerdings gesetzt, aber ohne alles Zuthun des Ich; und es liesse sich daraus nun wohl erklären, wie das Ich durch und für etwas ausser dem Ich, nicht aber, wie es durch und für das Ich bestimmbar seyn könne, da doch das letztere gefordert wird. Das Ich ist vermöge seines Wesens nur insofern bestimmbar, als es sich bestimmbar setzt, und nur insofern kann es sich bestimmen; wie aber dies möglich sey, wird durch die aufgestellte Folgerungsart nicht erklärt.
c. Beide Folgerungsarten sollen synthetisch vereinigt werden; die Thätigkeit und der Wechsel sollen sich gegenseitig bestimmen.
Es konnte nicht angenommen werden, dass der Wechsel, oder ein blosser, ohne alles Zuthun des setzenden Ich vorhandener Anstoss dem Ich die Aufgabe gebe, sich zu begrenzen, weil das zu erklärende nicht in dem Erklärungsgrunde lag; es müsste demnach angenommen werden, dass jener Anstoss nicht ohne Zuthun des Ich vorhanden wäre, sondern dass er eben auf die Thätigkeit desselben im Setzen seiner selbst geschähe; dass gleichsam seine weiter hinausstrebende Thätigkeit in sich selbst zurückgetrieben (reflectirt) würde, woraus denn die Selbstbegrenzung, und aus ihr alles übrige, was gefordert worden, sehr natürlich erfolgen würde.
Dadurch würde denn wirklich der Wechsel und die Thätigkeit durcheinander bestimmt und synthetisch vereinigt, wie durch den Gang unserer Untersuchung gefordert wurde. Der (durch das setzende Ich nicht gesetzte) Anstoss geschieht auf das Ich, insofern es thätig ist, und er ist demnach nur insofern ein Anstoss, als es thätig ist; seine Möglichkeit wird durch die Thätigkeit des Ich bedingt: keine Thätigkeit des Ich, kein Anstoss. Hinwiederum wäre die Thätigkeit des Bestimmens des Ich durch sich selbst, bedingt durch den Anstoss: kein Anstoss, keine Selbstbestimmung. – Ferner, keine Selbstbestimmung, kein objectives, u.s.w.
Wir suchen uns mit dem höchst wichtigen und End-Resultate, das wir hier gefunden haben, bekannter zu machen. Die Thätigkeit (des Ich) im Zusammenfassen Entgegengesetzter, und das Zusammentreffen (an sich, und abstrahirt von der Thätigkeit des Ich) dieses Entgegengesetzten sollen vereinigt, sie sollen Eins und ebendasselbe seyn. – Der Hauptunterschied liegt im Zusammenfassen und Zusammentreffen; wir werden demnach am tiefsten in den Geist des aufgestellten Satzes eindringen, wenn wir über die Möglichkeit, diese beiden zu vereinigen, nachdenken.
Wie das Zusammentreffen an sich unter der Bedingung eines Zusammenfassens stehe und stehen müsse, lässt sich leicht einsehen. Die Entgegengesetzten an sich sind völlig entgegengesetzt; sie haben gar nichts gemeinschaftliches; wenn das eine gesetzt ist, kann das andere nicht gesetzt seyn. Zusammentreffende sind sie nur, inwiefern die Grenze zwischen ihnen gesetzt wird und diese Grenze ist weder durch das Setzen des einen, noch durch das Setzen des anderen gesetzt; sie muss besonders gesetzt werden. – Aber die Grenze ist denn auch weiter nichts, als das beiden gemeinschaftliche; mithin ihre Grenzen setzen – heisst, sie zusammenfassen, aber dieses Zusammenfassen beider ist auch nicht anders möglich, als durch das Setzen ihrer Grenze. Sie sind zusammentreffend lediglich unter Bedingung eines Zusammenfassens, für und durch das Zusammenfassende.
Das Zusammenfassen, oder, wie wir jetzt bestimmter sagen können, das Setzen einer Grenze steht unter der Bedingung eines Zusammentreffens, oder, da das in der Begrenzung thätige, laut obigem, selbst, und zwar bloss als thätiges, eins der Zusammentreffenden seyn soll, unter der Bedingung eines Anstosses auf die Thätigkeit desselben. Dies ist nur unter der Bedingung möglich, dass die Thätigkeit desselben in das unbegrenzte, unbestimmte und unbestimmbare, d. i. in das unendliche hinausgehe. Ginge sie nicht in das unendliche hinaus, so würde aus einer Begrenzung desselben gar nicht folgen, dass ein Anstoss auf die Thätigkeit desselben geschehen sey; es könnte ja die durch seinen blossen Begriff gesetzte Begrenzung seyn, (wie in einem Systeme angenommen werden müsste, in welchem schlechthin ein endliches Ich aufgestellt würde). Es möchte dann wohl innerhalb der ihm durch seinen Begriff gesetzten Schranken neue Begrenzungen geben, die auf einen Anstoss von aussen schliessen liessen, und das müsste sich anderwärts her bestimmen lassen. Aus der Begrenzung überhaupt aber, wie doch hier gefolgert werden soll, liesse sich ein solcher Schluss gar nicht machen.
(Die Entgegengesetzten, von denen hier die Rede ist, sollen schlechthin entgegengesetzt seyn; es soll zwischen ihnen gar keinen Vereinigungspunct geben. Alles Endliche aber ist unter sich nicht schlechthin entgegengesetzt; es ist sich gleich im Begriffe der Bestimmbarkeit; es ist durchgängig durcheinander bestimmbar. Das ist das allem Endlichen gemeinschaftliche Merkmal. So ist auch alles unendliche, insofern es mehrere unendliche geben kann, sich gleich im Begriffe der Unbestimmbarkeit. Mithin giebt es gar nichts geradezu entgegengesetztes und in gar keinem Merkmale sich gleiches, als das Endliche und das Unendliche, und diese müssen mithin diejenigen Entgegengesetzten seyn, von welchen hier geredet ist.)
Beides soll Eins und ebendasselbe seyn; das heisst kurz: keine Unendlichkeit, keine Begrenzung; keine Begrenzung, keine Unendlichkeit; Unendlichkeit und Begrenzung sind in Einem und ebendemselben synthetischen Gliede vereinigt. – Ginge die Thätigkeit des Ich nicht ins Unendliche, so könnte es diese seine Thätigkeit nicht selbst begrenzen; es könnte keine Grenze derselben setzen, wie es doch soll. Die Thätigkeit des Ich besteht im unbeschränkten Sich-setzen; es geschieht gegen dieselbe ein Widerstand. Wiche sie diesem Widerstande, so würde diejenige Thätigkeit, welche über die Grenze des Widerstandes hinausliegt, völlig vernichtet und aufgehoben; das Ich würde insofern überhaupt nicht setzen. Aber es soll allerdings auch über diese Linie hinaus setzen. Es soll sich beschränken, d.i. es soll insofern sich setzen, als sich nicht setzend; es soll in diesen Umfang die unbestimmte, unbegrenzte, unendliche Grenze setzen (oben = B); und wem es dies soll, so muss es unendlich seyn. – Ferner, wenn das Ich sich nicht begrenzte, so wäre es nicht unendlich. – Das Ich ist nur das, als was es sich setzt. Es ist unendlich, heisst, es setzt sich unendlich: es bestimmt sich durch das Prädicat der Unendlichkeit: also es begrenzt sich selbst (das Ich), als Substrat der Unendlickeit; es unterscheidet sich selbst von seiner unendlichen Thätigkeit, (welches beides an sich Eins und ebendasselbe ist); und so musste es sich verhalten, wenn das Ich unendlich seyn sollte. – Diese ins unendliche gehende Thätigkeit, die es von sich unterscheidet, soll seine Thätigkeit seyn; sie soll ihm zugeschrieben werden: mithin muss zugleich in einer und ebenderselben ungetheilten und unzuunterscheidenden Handlung das Ich diese Thätigkeit auch wieder in sich aufnehmen (A + B durch A bestimmen). Nimmt es sie aber in sich auf, so ist sie bestimmt, mithin nicht unendlich: doch aber soll sie unendlich seyn, und so muss sie ausser dem Ich gesetzt werden.
Dieser Wechsel des Ich in und mit sich selbst, da es sich endlich und unendlich zugleich setzt – ein Wechsel, der gleichsam in einem Widerstreite mit sich selbst besteht, und dadurch sich selbst reproducirt, indem das Ich unvereinbares vereinigen will, jetzt das unendliche in die Form des endlichen aufzunehmen versucht, jetzt, zurückgetrieben, es wieder ausser derselben setzt, und in dem nemlichen Momente abermals es in die Form der Endlichkeit aufzunehmen versucht – ist das Vermögen der Einbildungskraft.
Hierdurch wird nun vollkommen vereinigt Zusammentreffen und Zusammenfassen. Das Zusammentreffen, oder die Grenze ist selbst ein Product des Auffassenden im und zum Auffassen (absolute Thesis der Einbildungskraft, die insofern schlechthin productiv ist). Insofern das Ich und dieses Product seiner Thätigkeit entgegengesetzt werden, werden die Zusammentreffenden selbst entgegengesetzt, und es ist in der Grenze keins von beiden gesetzt (Antithesis der Einbildungskraft). Insofern über beide wiederum vereinigt werden – jene productive Thätigkeit dem Ich zugeschrieben werden soll – werden die Begrenzen den selbst in der Grenze zusammengefasst. (Synthesis der Einbildungskraft; die in diesem ihren antithetischen und synthetischen Geschäfte reproductiv ist, wie wir dies alles zu seiner Zeit deutlicher einsehen werden.)
Die Entgegengesetzten sollen zusammengefasst werden im Begriffe der blossen Bestimmbarkeit (nicht etwa dem der Bestimmung). Das war ein Hauptmoment der geforderten Vereinigung; und wir haben auch über dieses noch zu reflectiren; durch welche Reflexion das soeben gesagte vollkommen bestimmt und aufgeklärt werden wird. Wird nemlich die zwischen die Entgegengesetzten (deren eines das entgegensetzende selbst ist, das andere aber seinem Daseyn nach völlig ausser dem Bewusstseyn liegt, und bloss zum Behuf der nothwendigen Begrenzung gesetzt wird) gesetzte Grenze als feste, fixirte, unwandelbare Grenze gesetzt, so werden beide vereinigt durch Bestimmung, nicht aber durch Bestimmbarkeit; aber dann wäre auch die in dem Wechsel der Substantialität geforderte Totalität nicht erfüllt (A + B wäre nur durch das bestimmte A, nicht aber zugleich durch das unbestimmte B bestimmt). Demnach muss jene Grenze nicht als feste Grenze angenommen werden. Und so ist es denn auch allerdings, laut der soeben gegebenen Erörterung über das in dieser Begrenzung thätige Vermögen der Einbildungskraft. Es setzt, zum Behuf einer Bestimmung des Subjects eine unendliche Grenze, als Product seiner ins unendliche gehenden Thätigkeit. Es versucht diese Thätigkeit sich zuzuschreiben (A + B durch A zu bestimmen); thäte es dies wirklich, so ist es nicht mehr diese Thätigkeit; sie ist, als in ein bestimmtes Subject gesetzt, selbst bestimmt, und also nicht unendlich; die Einbildungskraft wird daher zurückgetrieben wieder ins unendliche (es wird ihr die Bestimmung von A + B durch B aufgegeben). Demnach ist lediglich Bestimmbarkeit, die auf diesem Wege unerreichbare Idee der Bestimmung, nicht aber Bestimmung selbst vorhanden. – Die Einbildungskraft setzt überhaupt keine feste Grenze; denn sie hat selbst keinen festen Standpunct; nur die Vernunft setzt etwas festes, dadurch, dass sie erst selbst die Einbildungskraft fixirt. Die Einbildungskraft ist ein Vermögen, das zwischen Bestimmung und Nicht-Bestimmung, zwischen Endlichem und Unendlichem in der Mitte schwebt; und demnach wird durch sie allerdings A + B zugleich durch das bestimmte A und zugleich durch das unbestimmte B bestimmt, welches jene Synthesis der Einbildungskraft ist, von der wir soeben redeten. – Jenes Schweben eben bezeichnet die Einbildungskraft durch ihr Product; sie bringt dasselbe gleichsam während ihres Schwebens, und durch ihr Schweben hervor.
(Dieses Schweben der Einbildungskraft zwischen unvereinbarem, dieser Widerstreit derselben mit sich selbst ist es, welcher, wie sich in der Zukunft zeigen wird, den Zustand des Ich in demselben zu einem Zeit-Momente ausdehnt. (Für die blosse, reine Vernunft ist alles zugleich; nur für die Einbildungskraft giebt es eine Zeit.) Lange, d. i. länger, als einen Moment (ausser im Gefühl des Erhabenen, wo ein Staunen, ein Anhalten des Wechsels in der Zeit entsteht), hält die Einbildungskraft dies nicht aus; die Vernunft tritt ins Mittel (wodurch eine Reflexion entsteht), und bestimmt dieselbe, B in das bestimmte A (das Subject) aufzunehmen; aber nun muss das als bestimmt gesetzte A abermals durch ein unendliches B begrenzt werden, mit welchem die Einbildungskraft gerade so verfährt, wie oben; und so geht es fort, bis zur vollständigen Bestimmung der (hier theoretischen) Vernunft durch sich selbst, wo es weiter keines begrenzenden B ausser der Vernunft in der Einbildungskraft bedarf, d. i. bis zur Vorstellung des Vorstellenden. Im praktischen Felde geht die Einbildungskraft fort ins unendliche, bis zu der schlechthin unbestimmbaren Idee der höchsten Einheit, die nur nach einer vollendeten Unendlichkeit möglich wäre, welche selbst unmöglich ist.)
1) Ohne Unendlichkeit des Ich – ohne ein absolutes, in das unbegrenzte und unbegrenzbare hinaus gehendes Productions-Vermögen desselben ist auch nicht einmal die Möglichkeit der Vorstellung zu erklären. Aus dem Postulate, dass eine Vorstellung seyn solle, welches enthalten ist in dem Satze: das Ich setzt sich, als bestimmt durch das Nicht-Ich, ist nunmehr dieses absolute Productionsvermögen synthetisch abgeleitet und erwiesen. Aber es lässt sich vorher sehen, dass im praktischen Theile unserer Wissenschaft jenes Vermögen auf ein noch höheres werde zurückgeführt werden.
2) Alle Schwierigkeiten, die sich uns in den Weg stellten, sind befriedigend gehoben. Die Aufgabe war die, die entgegengesetzten, Ich und Nicht-Ich, zu vereinigen. Durch die Einbildungskraft, welche widersprechendes vereinigt, können sie vollkommen vereinigt werden. – Das Nicht-Ich ist selbst ein Product des sich selbst bestimmenden Ich, und gar nichts absolutes und ausser dem Ich gesetztes. Ein Ich, das sich setzt, als sich selbst setzend, oder ein Subject ist nicht möglich ohne ein auf die beschriebene Art hervorgebrachtes Object (die Bestimmung des Ich, seine Reflexion über sich selbst, als ein bestimmtes, ist nur unter der Bedingung möglich, dass es sich selbst durch ein entgegengesetztes begrenze). – Bloss die Frage, wie und wodurch der für Erklärung der Vorstellung anzunehmende Anstoss auf das Ich geschehe, ist hier nicht zu beantworten; denn sie liegt ausserhalb der Grenze des theoretischen Theils der Wissenschaftslehre.
3) Der an die Spitze der gesammten theoretischen Wissenschaftslehre gestellte Satz: das Ich setzt sich als bestimmt durch das Nicht-Ich – ist vollkommen erschöpft, und alle Widersprüche, die in demselben lagen, gehoben. Das Ich kann sich nicht anders setzen, als, dass es durch das Nicht-Ich bestimmt sey (kein Object, kein Subject). Insofern setzt es sich als bestimmt. Zugleich setzt es sich auch als bestimmend; weil das begrenzende im Nicht-Ich sein eigenes Product ist (kein Subject, kein Object). – Nicht nur die geforderte Wechselwirkung ist möglich, sondern auch das, was durch das aufgestellte Postulat gefordert wird, ist ohne eine solche Wechselwirkung gar nicht denkbar. Das, was vorher bloss problematisch galt, hat jetzt apodiktische Gewissheit. – Dadurch ist denn zugleich erwiesen, dass der theoretische Theil der Wissenschaftslehre vollkommen beschlossen ist; denn jede Wissenschaft ist beschlossen, deren Grundsatz erschöpft ist; der Grundsatz aber ist erschöpft, wenn man im Gange der Untersuchung auf denselben zurückkommt.
4) Soll der theoretische Theil der Wissenschaftslehre erschöpft seyn, so müssen alle zur Erklärung der Vorstellung nöthige Momente aufgestellt und begründet seyn; und wir haben demnach von nun an nichts weiter zu thun, als das bis jetzt erwiesene anzuwenden und zu verbinden.
Aber ehe wir diesen Weg antreten, ist es nützlich, und von wichtigen Folgen für die vollkommene Einsicht in die gesammte Wissenschaftslehre, über ihn selbst zu reflectiren.
5) Unsere Aufgabe war, zu untersuchen, ob und mit welchen Bestimmungen der problematisch aufgestellte Satz: das Ich setzt sich, als bestimmt durch das Nicht-Ich, denkbar wäre. Wir haben es mit allen möglichen durch eine systematische Deduction erschöpften Bestimmungen desselben versucht; haben durch Absonderung des unstatthaften und undenkbaren das denkbare in einen immer engeren Zirkel gebracht, und so Schritt vor Schritt uns der Wahrheit immermehr genähert, bis wir endlich die einzig-mögliche Art zu denken, was gedacht werden soll, aufgefunden. Ist nun jener Satz überhaupt, d. i. ohne die besonderen Bestimmungen, die er jetzt erhalten hat, wahr – dass er es sey, ist ein auf den höchsten Grundsätzen beruhendes Postulat – ist er, kraft der gegenwärtigen Deduction, nur auf diese eine Art wahr: so ist das aufgestellte zugleich ein ursprünglich in unserem Geiste vorkommendes Factum. – Ich mache mich deutlicher. Alle im Verlauf unserer Untersuchung aufgestellten Denkmöglichkeiten, die wir uns dachten, die wir uns mit Bewusstseyn unseres Denkens derselben dachten, waren auch Facta unseres Bewusstseyns, inwiefern wir philosophirten; aber es waren durch die Spontaneität unseres Reflexionsvermögens nach den Regeln der Reflexion künstlich hervorgebrachte Facta. Die jetzt aufgestellte, nach Absonderung alles erwiesen falschen, einig übrigbleibende Denkmöglichkeit, ist zuvörderst auch ein solches durch Spontaneität künstlich hervorgebrachtes Factum; es ist dies, insofern es vermittelst der Reflexion zum Bewusstseyn (des Philosophen) erhoben worden ist; oder noch eigentlicher, das Bewusstseyn jenes Factums ist ein durch Kunst hervorgebrachtes Factum. Nun soll aber der unserer Untersuchung an die Spitze gestellte Satz wahr seyn, d. i., es soll ihm in unserem Geiste etwas correspondiren; und er soll nur auf die eine aufgestellte Art wahr seyn können, mithin muss unserem Gedanken von dieser Art etwas in unserem Geiste ursprünglich, unabhängig von unserer Reflexion vorhandenes, entsprechen; und in diesem höheren Sinne des Wortes nenne ich das aufgestellte ein Factum, in welchem es die übrigen angeführten Denkmöglichkeiten nicht sind. (Z.B. die realistische Hypothese, dass etwa der Stoff der Vorstellung von aussen her gegeben seyn möchte, kam im Verlaufe unserer Untersuchung allerdings vor; sie musste gedacht werden, und der Gedanke derselben war ein Factum des reflectirenden Bewusstseyns; aber wir fanden bei näherer Untersuchung, dass eine solche Hypothese dem aufgestellten Grundsatze widerspreche, weil dasjenige, dem ein Stoff von aussen gegeben würde, gar kein Ich seyn wurde, wie es doch laut der Forderung seyn soll, sondern ein Nicht-Ich; dass mithin einem solchen Gedanken gar nichts ausser ihm correspondiren könne, dass er völlig leer, und als Gedanke eines transcendenten, nicht über transcendentalen Systems zu verwerfen sey.)
Noch ist im Vorbeigehen das mit anzumerken, dass in einer Wissenschaftslehre allerdings Facta aufgestellt werden, wodurch sich dieselbe als System eines reellen Denkens von aller leeren Formular-Philosophie unterscheidet; dass es aber in ihr nicht erlaubt sey, etwas als Factum geradezu zu postuliren, sondern dass der Beweis geführt werden müsse, dass etwas ein Factum sey, wie er in gegenwärtigem Falle geführt worden ist. Berufung auf Facta, die innerhalb des Umfangs des gemeinen, durch keine philosophische Reflexion geleiteten Bewusstseyns liegen, bringt. wenn man nur consequent ist, und die Resultate, die herauskommen sollen, nicht schon vor sich liegen hat, nichts hervor, als eine täuschende Popular-Philosophie, die keine Philosophie ist. Sollen aber die aufgestellten Facta ausserhalb jenes Umfangs liegen, so muss man ja wohl wissen, wie man zu der Ueberzeugung gelangt ist, dass sie als Facta vorhanden; und man muss ja wohl diese Ueberzeugung mittheilen können, und eine solche Mittheilung jener Ueberzeugung ist ja wohl der Beweis, dass jene Facta Facta sind.
6) Aller Erwartung nach muss jenes Factum Folgen in unserem Bewusstseyn haben. Soll es ein Factum im Bewusstseyn eines Ich seyn, so muss zuvörderst das Ich dasselbe als in seinem Bewusstseyn vorhanden setzen; und da dies seine Schwierigkeiten haben, nur auf eine gewisse Art möglich seyn dürfte, so lässt sich vielleicht die Art, wie es dasselbe in sich setzt, aufzeigen. Um es deutlicher auszudrücken – das Ich muss sich jenes Factum erklären; aber es kann dasselbe sich nicht anders erklären, als nach den Gesetzen seines Wesens, welches die gleichen Gesetze sind, nach denen auch unsere bisherige Reflexion angestellt worden. Diese Art des Ich, jenes Factum in sich zu bearbeiten, zu modificiren, zu bestimmen, sein ganzes Verfahren mit demselben, ist von nun an der Gegenstand unserer philosophischen Reflexion. – Es ist klar, dass von diesem Puncte an diese ganze Reflexion auf einer ganz anderen Stufe stehe, und eine ganz andere Bedeutung habe.
7) Diese vorhergehende Reihe der Reflexion, und die künftige sind zuvörderst unterschieden ihrem Gegenstande nach. In der bisherigen wurde reflectirt über Denkmöglichkeiten. Die Spontaneität des menschlichen Geistes war es; welche den Gegenstand der Reflexion sowohl – eben jene Denkmöglichkeiten, jedoch nach den Regeln eines erschöpfenden synthetischen Systems – als die Form der Reflexion, die Handlung des Reflectirens selbst, hervorbrachte. Es fand sich, dass das, worüber sie reflectirte, zwar etwas reelles in sich enthielt, das aber mit leerem Zusatz vermischt war, der allmählig abgesondert werden musste, bis das für unsere Absicht, d. i. für die theoretische Wissenschaftslehre, hinlänglich wahre, allein übrig blieb. – In der künftigen Reflexionsreihe wird reflectirt über Facta; der Gegenstand dieser Reflexion ist selbst eine Reflexion; nemlich die Reflexion des menschlichen Geistes über das in ihm nachgewiesene Datum (das freilich bloss als Gegenstand dieser Reflexion des Gemüths über dasselbe ein Datum genannt werden darf, denn ausserdem ist es ein Factum). Mithin wird in der künftigen Reflexionsreihe der Gegenstand der Reflexion nicht erst durch die gleiche Reflexion selbst hervorgebracht, sondern bloss zum Bewusstseyn erhoben. – Es geht daraus zugleich hervor, dass wir es von nun an nicht mehr mit blossen Hypothesen zu thun haben, in denen der wenige wahre Gehalt von dem leeren Zusatze erst geschieden werden muss; sondern dass allem, was von nun an aufgestellt wird, mit völligem Rechte Realität zuzuschreiben sey. – Die Wissenschaftslehre soll seyn eine pragmatische Geschichte des menschlichen Geistes. Bis jetzt haben wir gearbeitet, um nur erst einen Eingang in dieselbe zu gewinnen; um nur erst ein unbezweifeltes Factum aufweisen zu können. Wir haben dieses Factum; und von nun an darf unsere, freilich nicht blinde, sondern experimentirende Wahrnehmung, ruhig dem Gange der Begebenheiten nachgehen.
8) Beide Reihen der Reflexion sind verschieden ihrer Richtung nach. – Man abstrahire vorläufig gänzlich von der künstlichen philosophischen Reflexion, und bleibe bloss bei der ursprünglich nothwendigen Reflexion stehen, die der menschliche Geist über jenes Factum anstellen soll (und welche von nun an der Gegenstand einer höheren philosophischen Reflexion seyn wird). Es ist klar, dass derselbe menschliche Geist nach keinen anderen Gesetzen über das gegebene Factum reflectiren könne, als nach denjenigen, nach welchen es gefunden ist; mithin nach denjenigen, nach denen unsere bisherige Reflexion sich gerichtet hat. Diese Reflexion ging aus vom Satze: das Ich setzt sich, als bestimmt durch das Nicht-Ich, und beschrieb ihren Weg bis zum Factum; die gegenwärtige natürliche, und als nothwendiges Factum aufzustellende Reflexion geht aus von dem Factum, und, da die Anwendung der aufgestellten Grundsätze nicht eher beschlossen seyn kann, bis jener Satz selbst als Factum sich bewähre (bis das Ich sich setze, als sich setzend bestimmt durch das Nicht-Ich), muss sie fortgehen bis zum Satze. Mithin beschreibt sie den ganzen Weg, den jene beschrieben hat, aber in umgekehrter Richtung; und die philosophische Reflexion, die jener bloss folgen kann, aber ihr kein Gesetz geben darf, nimmt nothwendig die gleiche Richtung.
9) Nimmt von jetzt an die Reflexion die umgekehrte Richtung, so ist das aufgestellte Factum zugleich der Punct der Rückkehr für die Reflexion; es ist der Punct, in welchem zwei ganz verschiedene Reihen verknüpft sind, und in welchem das Ende der einen sich an den Anfang der zweiten anschliesst. In ihm muss demnach der Unterscheidungsgrund der bisherigen Folgerungsart von der nunmehr gültigen liegen. – Das Verfahren war synthetisch, und bleibt es durchgängig: das aufgestellte Factum ist selbst eine Synthesis. In dieser Synthesis sind zuvörderst vereinigt zwei entgegengesetzte aus der ersteren Reihe; welches demnach das Verhältniss dieser Synthesis zur ersten Reihe wäre. – In der gleichen Synthesis müssen nun auch liegen zwei entgegengesetzte für die zweite Reihe der Reflexion zu einer möglichen Analyse und daraus erfolgenden Synthesis. Da in der Synthesis nicht mehr als zwei entgegengesetzte vereinigt seyn können; so müssen die in ihr als Ende der ersten Reihe vereinigten ebendieselben seyn, die zum Behuf des Anfangs einer zweiten Reihe wieder getrennt werden sollen. Aber wenn dies sich ganz so verhält so ist diese zweite Reihe gar keine zweite; es ist die bloss umgekehrte erste, und unser Verfahren ist ein bloss wiederholendes Auflösen, welches zu nichts dient, unsere Kenntniss um nichts vermehrt, und uns um keinen Schritt weiter bringt. Mithin müssen die Glieder der zweiten Reihe, insofern sie das sind, von denen der ersten Reihe, wenn es auch die gleichen sind, doch in irgend etwas verschieden seyn; und diese Verschiedenheit können sie bloss und lediglich vermittelst der Synthesis, und gleichsam im Durchgehen durch dieselbe erhalten haben. – Es ist der Mühe werth, und verbreitet das hellste Licht über den wichtigsten und charakteristischen Punct des gegenwärtigen Systems, diese Verschiedenheit der entgegengesetzten Glieder, insofern sie Glieder der ersten oder der zweiten Reihe sind, recht kennen zu lernen.
10) Die entgegengesetzten sind in beiden Fällen ein subjectives und ein objectives; aber sie sind als solche, vor der Synthesis, und nach ihr auf eine sehr verschiedene Art im menschlichen Gemüthe. Vor der Synthesis sind sie bloss entgegengesetzte und nichts weiter; das eine ist, was das andere nicht ist, und das andere, was das eine nicht ist; sie bezeichnen ein blosses Verhältniss und weiter nichts. Sie sind etwas negatives, und schlechthin nichts positives (gerade wie im obigen Beispiele Licht und Finsterniss in Z, wenn dasselbe als bloss gedachte Grenze betrachtet wird.) Sie sind ein blosser Gedanke ohne alle Realität; noch dazu der Gedanke einer blossen Relation. – So wie eins eintritt, ist das andere vernichtet; aber da dieses eine bloss unter dem Prädicate des Gegentheils vom anderen eintreten kann, mithin mit seinem Begriffe der Begriff des anderen zugleich eintritt und es vernichtet, kann selbst dieses eine nicht eintreten. Mithin ist gar Nichts vorhanden, und es kann Nichts vorhanden seyn; unser Bewusstseyn wird nicht gefüllt, und es ist in ihm absolut Nichts vorhanden. (Allerdings hätten wir auch alle bisherige Untersuchungen ohne eine wohlthätige Täuschung der Einbildungskraft, die unvermerkt jenen bloss entgegengesetzten ein Substrat unterschob, gar nicht vornehmen können; wir hätten über sie nicht denken können, denn sie waren absolut Nichts, und über Nichts kann man nicht reflectiren. Diese Täuschung war nicht abzuhalten, und sollte nicht abgehalten werden; ihr Product sollte nur von der Summe unserer Folgerungen abgerechnet und ausgeschlossen werden, wie wirklich geschehen ist.) Nach der Synthesis sind sie etwas, das sich im Bewusstseyn auffassen und festhalten lässt, und welches gleichsam dasselbe füllt. (Sie sind für die Reflexion, mit Vergünstigung und Erlaubniss der Reflexion, was sie vorher freilich auch, aber unvermerkt, und mit stetem Einspruch derselben waren.) Gerade wie oben Licht und Finsterniss in Z, als der durch die Einbildungskraft zu einem Momente ausgedehnten Grenze, allerdings etwas waren, das sich nicht absolut vernichtete.
Diese Verwandlung geht mit ihnen vor, gleichsam indem sie durch die Synthesis hindurch gehen, und es muss gezeigt werden, wie und auf welche Art die Synthesis ihnen etwas mittheilen könne, das sie vorher nicht hatten. – Das Vermögen der Synthesis hat die Aufgabe, die entgegengesetzten zu vereinigen, als Eins zu denken (denn die Forderung ergeht zunächst, gerade wie vorher immer, an das Denkvermögen). Dies vermag sie nun nicht; dennoch aber ist die Aufgabe da; und es entsteht daher ein Streit zwischen dem Unvermögen und der Forderung. In diesem Streite verweilt der Geist, schwebt zwischen beiden; schwebt zwischen der Forderung und der Unmöglichkeit, sie zu erfüllen, und in diesem Zustande, aber nur in diesem, hält er beide zugleich fest, oder, was das gleiche heisst, macht sie zu solchen, die zugleich aufgefasst und festgehalten werden können – giebt dadurch, dass er sie berührt, und wieder von ihnen zurückgetrieben wird und wieder berührt, ihnen im Verhältniss auf sich einen gewissen Gehalt und eine gewisse Ausdehnung, die zu seiner Zeit als Mannigfaltiges in der Zeit und im Raume sich zeigen wird. Dieser Zustand heisst der Zustand des Anschauens. Das in ihm thätige Vermögen ist schon oben productive Einbildungskraft genannt worden.
11) Wir sehen, dass gerade derjenige Umstand, welcher die Möglichkeit einer Theorie des menschlichen Wissens zu vernichten drohte, hier die einzige Bedingung wird, unter der wir eine solche Theorie aufstellen können. Wir sahen nicht ab, wie wir jemals absolut entgegengesetzte sollten vereinigen können; hier sehen wir, dass eine Erklärung der Begebenheiten in unserem Geiste überhaupt gar nicht möglich seyn würde, ohne absolut entgegengesetzte; da dasjenige Vermögen, auf welchem alle jene Begebenheiten beruhen, die productive Einbildungskraft, gar nicht möglich seyn würde, wenn nicht absolut entgegengesetzte, nicht zu vereinigende, dem Auffassungsvermögen des Ich völlig unangemessene vorkämen. Und dies dient denn zugleich zum einleuchtenden Beweise, dass unser System richtig ist, und dass es das zu erklärende erschöpfend erklärt. Das vorausgesetzte lässt sich nur durch das gefundene, und das gefundene lässt sich nur durch das vorausgesetzte erklären. Eben aus dem absoluten Entgegengesetztseyn erfolgt der ganze Mechanismus des menschlichen Geistes; und dieser ganze Mechanismus lässt sich nicht anders erklären, als durch ein absolutes Entgegengesetztseyn.
12) Zugleich wird hier völliges Licht über eine schon oben geschehene, aber noch nicht völlig aufgeklärte Aeusserung verbreitet: wie nemlich Idealität und Realität Eins und Ebendasselbe seyn können; wie beide nur durch die verschiedene Art sie anzusehen verschieden seyen, und von dem einen auf das andere sich folgern lasse. – Die absolut entgegengesetzten ( das endliche subjective und das unendliche objective) sind vor der Synthesis etwas bloss gedachtes, und, wie wir das Wort hier immer genommen haben, ideales. So wie sie durch das Denkvermögen vereinigt werden sollen, und nicht können, bekommen sie durch das Schweben des Gemühts, welches in dieser Function Einbildungskraft genannt wird, Realität, weil sie dadurch anschaubar werden: d. i. sie bekommen Realität überbaupt; denn es giebt keine andere Realität, als die vermittelst der Anschauung, und kann keine andere geben.
So wie man von dieser Anschauung wieder abstrahirt, welches man für das blosse Denkvermögen, nicht aber für das Bewusstseyn überhaupt, allerdings kann, wird jene Realität wieder etwas bloss Ideales; sie hat bloss ein, vermöge der Gesetze des Vorstellungsvermögens, entstandenes Seyn.
13) Es wird demnach hier gelehrt, dass alle Realität – es versteht sich für uns, wie es denn in einem System der Transcendental-Philosophie nicht anders verstanden werden soll – bloss durch die Einbildungskraft hervorgebracht werde. Einer der grössten Denker unseres Zeitalters, der, so viel ich einsehe, das gleiche lehrt, nennt dies eine Täuschung durch die Einbildungskraft. Aber jeder Täuschung muss sich Wahrheit entgegensetzen, jede Täuschung muss sich vermeiden lassen. Wenn denn nun aber erwiesen wird, wie es im gegenwärtigen Systeme erwiesen werden soll, dass auf jene Handlung der Einbildungskraft die Möglichkeit unseres Bewusstseyns, unseres Lebens, unseres Seyns für uns, d.h. unseres Seyns, als Ich, sich gründet: so kann dieselbe nicht wegfallen, wenn wir nicht vom Ich abstrahiren sollen, welches sich widerspricht, da das abstrahirende unmöglich von sich selbst abstrahiren kann; mithin täuscht sie nicht, sondern sie giebt Wahrheit, und die einzig-mögliche Wahrheit. Annehmen, dass sie täusche, heisst einen Skepticismus begründen, der das eigene Seyn bezweifeln lehrt.
Deduktion der Vorstellung.
I) Wir setzen uns zuvörderst recht fest auf dem Puncte, bei welchem wir angekommen waren.
Auf die ins Unendliche hinausgehende Thätigkeit des Ich, in welcher eben darum, weil sie ins Unendliche hinaus geht, nichts unterschieden werden kann, geschieht ein Anstoss; und die Thätigkeit, die dabei keinesweges vernichtet werden soll, wird reflectirt, nach innen getrieben; sie bekommt die gerad' umgekehrte Richtung.
Man stelle sich die ins unendliche hinausgehende Thätigkeit vor unter dem Bilde einer geraden Linie, die von A aus durch B nach C u.s.w. geht. Sie könnte angestossen werden innerhalb C oder über C hinaus; aber man nehme an, dass sie eben in C angestossen werde; und davon liegt nach dem obigen der Grund nicht im Ich, sondern im Nicht-Ich.
Unter der gesetzten Bedingung wird die von A nach C gehende Richtung der Thätigkeit des Ich reflectirt von C nach A.
Aber auf das Ich kann, so gewiss es nur ein Ich seyn soll, gar keine Einwirkung geschehen, ohne dass dasselbe zurückwirkte. Im Ich lässt sich nichts aufheben, mithin auch die Richtung seiner Thätigkeit nicht. Mithin muss die nach A reflectirte Thätigkeit, insofern sie reflectirt ist, zugleich zurückwirken bis C.
Und so erhalten wir zwischen A und C eine doppelte mit sich selbst streitende Richtung der Thätigkeit des Ich, in welcher sich die von C nach A als ein Leiden, und die von A nach C als blosse Thätigkeit ansehen lässt; welche beide ein und ebenderselbe Zustand des Ich sind.
Dieser Zustand, in welchem völlig entgegengesetzte Richtungen vereinigt werden, ist eben die Thätigkeit der Einbildungskraft: und wir haben jetzt ganz bestimmt das, was wir oben suchten, eine Thätigkeit, die nur durch ein Leiden, und ein Leiden, das nur durch eine Thätigkeit möglich ist. – Die zwischen A und C liegende Thätigkeit des Ich ist eine widerstehende Thätigkeit; aber eine solche ist nicht möglich ohne ein Reflectirtseyn seiner Thätigkeit; denn alles Widerstehen setzt etwas voraus, dem widerstanden wird: sie ist ein Leiden, insofern die ursprüngliche Richtung der Thätigkeit des Ich reflectirt wird; aber es kann keine Richtung reflectirt werden, welche. nicht als diese Richtung, und zwar in allen Puncten derselben, Vorhanden ist. Beide Richtungen, die nach A und die nach C, müssen zugleich seyn, und eben dass sie zugleich sind, löst die obige Aufgabe.
Der Zustand des Ich, insofern seine Thätigkeit zwischen A und C liegt, ist ein Anschauen; denn Anschauen ist eine Thätigkeit, die nicht ohne ein Leiden, und ein Leiden, das nicht ohne eine Thätigkeit möglich ist. – Das Anschauen ist jetzt, aber bloss als solches, bestimmt für die philosophische Reflexion; aber noch völlig unbestimmt in Absicht des Subjects, als Accidens des Ich; denn dann müsste sich dasselbe von anderen Bestimmungen des Ich unterscheiden lassen, was bis jetzt noch nicht möglich ist; und ebenso unbestimmt in Absicht des Objects, denn dann müsste ein angeschautes als solches sich unterscheiden lassen von einem nicht angeschauten, welches bis jetzt gleichfalls unmöglich ist.
(Es ist klar, dass die ihrer ersten ursprünglichen Richtung zurückgegebene Thätigkeit des Ich auch über C hinausgehe. Insofern sie aber über C hinausgeht, ist sie nicht widerstrebend, weil über C hinaus der Anstoss nicht liegt, mithin auch nicht anschauend. Also ist in C die Anschauung begrenzt, und das angeschaute begrenzt. Die über C hinausgehende Thätigkeit ist keine Anschauung, und das Object derselben kein angeschautes. Was beides seyn möge, werden wir zu seiner Zeit sehen. Hier wollten wir bloss bemerkbar machen, dass wir etwas liegen lassen, was wir einst wieder aufnehmen wollen.)
II) Das Ich soll anschauen; soll nun das anschauende nur wirklich ein Ich seyn, so heisst dies soviel, als: das Ich soll sich setzen, als anschauend; denn nichts kommt dem Ich zu, als insofern es sich dasselbe zuschreibt.
Das Ich setzt sich, als anschauend, heisst zuvörderst: es setzt in der Anschauung sich als thätig. Was es noch weiter heissen möge, wird in der Untersuchung sich von selbst ergeben. Insofern es sich nun in der Anschauung thätig setzt, setzt es sich selbst etwas entgegen, das in derselben nicht thätig, sondern leidend ist.
Um in dieser Untersuchung uns zu orientiren, haben wir uns nur an das zu erinnern, was über den Wechsel im Begriffe der Substantialität oben gesagt ist. Beides entgegengesetzte, die Thätigkeit und das Leiden sollen sich nicht vernichten und aufheben, sie sollen neben einander bestehen: sie sollen sich bloss gegenseitig ausschliessen.
Es ist klar, dass dem anschauenden, als thätigem, entgegengesetzt werden müsse ein angeschautes. Es fragt sich nur, wie und auf welche Art ein solches angeschaute gesetzt werden möge.
Ein angeschautes, das dem Ich, dem insofern anschauenden Ich, entgegengesetzt werden soll, ist nothwendig ein Nicht-Ich; und hieraus folgt zuvörderst, dass eine ein solches angeschaute setzende Handlung des Ich keine Reflexion, keine nach innen, sondern eine nach aussen gehende Thätigkeit, also, soviel wir bis jetzt einsehen können, eine Production sey. Das angeschaute, als solches, wird producirt.
Ferner ist klar, dass das Ich seiner Thätigkeit in dieser Production des angeschauten, als eines solchen, sich nicht bewusst seyn könne, darum, weil sie nicht reflectirt, dem Ich nicht zugeschrieben wird. (Nur in der philosophischen Reflexion, die wir jetzt anstellen, und die wir immer sorgfältig von der gemeinen nothwendigen zu unterscheiden haben, wird sie dem Ich beigemessen.)
Das producirende Vermögen ist immer die Einbildungskraft; also jenes Setzen des angeschauten geschieht durch die Einbildungskraft, und ist selbst ein Anschauen.
Diese Anschauung nun soll einer Thätigkeit in der Anschauung, die das Ich sich selbst zuschreibt, entgegengesetzt seyn. Es sollen zugleich in einer und ebenderselben Handlung vorhanden seyn eine Thätigkeit des Anschauens, die das Ich vermittelst einer Reflexion sich zuschreibt, und eine andere, die es sich nicht zuschreibt. Die letztere ist ein blosses Anschauen; die erstere soll es auch seyn; aber sie soll reflectirt werden. Es ist die Frage, wie dies geschehe, und was daraus erfolge?
Das Anschauen als Thätigkeit hat die Richtung nach C, ist aber lediglich insofern ein Anschauen, als sie der entgegengesetzten Richtung nach A widerstrebt. Widerstrebt sie nicht, so ist sie kein Anschauen mehr, sondern eine Thätigkeit schlechthin.
Eine solche Thätigkeit des Anschauens soll reflectirt werden, d. i. die nach C hingehende Thätigkeit des Ich (welche immer eine und ebendieselbe Thätigkeit ist) soll, und zwar als einer entgegengesetzten Richtung widerstrebend (denn sonst wäre es nicht diese Thätigkeit, nicht die Thätigkeit des Anschauens), nach A gelenkt werden.
Die Schwierigkeit hierbei ist folgende: die Thätigkeit des Ich ist durch den Anstoss von aussen schon einmal nach A reflectirt, und jetzt soll sie, und zwar durch absolute Spontaneität (denn das Ich soll sich setzen, als anschauend, schlechthin, weil es ein Ich ist), abermals nach der gleichen Richtung reflectirt werden. Werden nun diese beidesmaligen Richtungen nicht unterschieden, so wird gar keine Anschauung reflectirt, sondern es wird bloss zu wiederholten Malen auf eine und ebendieselbe Art angeschaut; denn die Thätigkeit ist die gleiche: es ist eine und ebendieselbe Thätigkeit des Ich; und die Richtung ist die gleiche von C nach A. Sie müssen demnach, wenn die geforderte Reflexion möglich seyn soll, unterschieden werden können; und wir haben, ehe wir weiter gehen können, die Aufgabe zu lösen, wie und wodurch sie unterschieden werden?
III) Wir bestimmen diese Aufgabe näher. – Es lässt sich schon vor der Untersuchung vorher ungefähr einsehen, wie die erstere Richtung der Thätigkeit des Ich nach A von der zweiten gleichen Richtung unterschieden werden möge. Die erstere nemlich ist durch einen blossen Anstoss von aussen; die zweite wird durch absolute Spontaneität reflectirt. Dies können wir nun wohl von der Stufe unserer philosophischen Reflexion aus, auf welche wir uns vom Anfange der Untersuchung an willkürlich gestellt haben, erblicken; aber es ist die Aufgabe, eben dies für die Möglichkeit aller philosophischen Reflexion vorausgesetzte zu erweisen. Es ist die Frage, wie der menschliche Geist ursprünglich zu jener Unterscheidung zwischen einer Reflexion der Thätigkeit von aussen, und einer anderen von innen komme. Diese Unterscheidung ist es, die als Factum abgeleitet, und eben durch diese Ableitung erwiesen werden soll.
Das Ich soll durch das Prädicat eines anschauenden bestimmt, und dadurch von dem angeschauten unterschieden werden. Dies war die Forderung, von welcher wir ausgingen, und wir konnten von keiner anderen ausgehen. Das Ich, als Subject der Anschauung, soll dem Objecte derselben entgegengesetzt, und dadurch zu allererst vom Nicht-Ich unterschieden werden. Es ist klar, dass wir in dieser Unterscheidung keinen festen Punct haben, sondern uns in einem ewigen Zirkel herumdrehen, wenn nicht erst die Anschauung an sich, und als solche, fixirt ist. Erst dann lässt das Verhältniss des Ich sowohl, als des Nicht-Ich zu ihr sich bestimmen. Die Möglichkeit, die oben gegebene Aufgabe zu lösen, hängt demnach von der Möglichkeit ab, die Anschauung selbst, und als solche, zu fixiren.
Diese letztere Aufgabe ist gleich der soeben aufgestellten, die erstere Richtung nach A von der zweiten unterscheidbar zu machen; und eine wird durch die andere gelöst. Ist die Anschauung selbst einmal fixirt, so ist in ihr die erstere Reflexion nach A schon enthalten; und ohne Furcht vor der Verwechselung und dem gegenseitigen Aufheben kann nun, nicht eben die erste Richtung nach A, aber die Anschauung überhaupt nach A reflectirt werden.
Die Anschauung, als solche, soll fixirt werden, um als Eins und Ebendasselbe aufgefasst werden zu können. Aber das Anschauen als solches ist gar nichts fixirtes, sondern es ist ein Schweben der Einbildungskraft zwischen widerstreitenden Richtungen. Dasselbe soll fixirt werden, heisst: die Einbildungskraft soll nicht länger schweben, wodurch die Anschauung völlig vernichtet und aufgehoben würde. Das aber soll nicht geschehen; mithin muss wenigstens das Product des Zustandes in der Anschauung, die Spur der entgegengesetzten Richtungen, welche keine von beiden, sondern etwas aus beiden zusammengesetztes ist, bleiben.
Zu einem solchen Fixiren der Anschauung, die erst dadurch eine Anschauung wird, gehört dreierlei. Zuvörderst die Handlung des Fixirens oder Festsetzens. Das ganze Fixiren geschieht zum Behuf der Reflexion durch Spontaneität, es geschieht durch diese Spontaneität der Reflexion selbst, wie sich sogleich zeigen wird; mithin kommt die Handlung des Fixirens zu dem schlechthin setzenden Vermögen im Ich, oder der Vernunft. – Dann, das bestimmte oder bestimmt werdende; – und das ist bekanntermaassen die Einbildungskraft, deren Thätigkeit eine Grenze gesetzt wird. – Zuletzt das durch die Bestimmung entstandene; – das Product der Einbildungskraft in ihrem Schweben. Es ist klar, dass, wenn das geforderte Festhalten möglich seyn solle, es ein Vermögen dieses Festhaltens geben müsse; und ein solches Vermögen ist weder die bestimmende Vernunft, noch die producirende Einbildungskraft, mithin ist es ein Mittelvermögen zwischen beiden. Es ist das Vermögen, worin ein wandelbares besteht, gleichsam verständigt wird, und heisst daher mit Recht der Verstand. – Der Verstand ist Verstand, bloss insofern etwas in ihm fixirt ist; und alles, was fixirt ist, ist bloss im Verstande fixirt. Der Verstand lässt sich als die durch Vernunft fixirte Einbildungskraft, oder als die durch Einbildungskraft mit Objecten versehene Vernunft beschreiben. – Der Verstand ist ein ruhendes, unthätiges Vermögen des Gemüths, der blosse Behälter des durch die Einbildungskraft hervorgebrachten, und durch die Vernunft bestimmten und weiter zu bestimmenden; was man auch von Zeit zu Zeit über die Handlungen desselben erzählt haben mag.
(Nur im Verstande ist Realität; er ist das Vermögen des Wirklichen; in ihm erst wird das Ideale zum Realen [daher drückt verstehen auch eine Beziehung auf etwas aus, das uns ohne unser Zuthun von aussen kommen soll]. Die Einbildungskraft producirt Realität; aber es ist in ihr keine Realität; erst durch die Auffassung und das Begreifen im Verstande wird ihr Product etwas Reales. – Demjenigen, dessen wir uns als eines Productes der Einbildungskraft bewusst sind, schreiben wir nicht Realität zu; wohl aber dem, was wir im Verstande, dem wir gar kein Vermögen der Production, sondern bloss des Aufbehaltens zuschreiben, als enthalten antreffen. – Es wird sich zeigen, dass man in der Reflexion, vermöge der Gesetze derselben, nur bis auf den Verstand zurückgehen könne, und in diesem dann allerdings etwas der Reflexion gegebenes, als einen Stoff der Vorstellung, antreffe; der Art aber, wie dasselbe in den Verstand gekommen, sich nicht bewusst werde. Daher unsere feste Ueberzeugung von der Realität der Dinge ausser uns, und ohne alles unser Zuthun, weil wir uns des Vermögens ihrer Production nicht bewusst worden. Wurden wir in der gemeinen Reflexion uns bewusst, wie wir in der philosophischen uns dessen allerdings bewusst werden können, dass sie erst durch die Einbildungskraft in den Verstand kommen, so würden wir wieder alles für Täuschung erklären wollen, und würden durch das letztere ebenso Unrecht haben, als durch das erstere).
IV) Wir nehmen den Faden unseres Raisonnements wieder auf, wo wir ihn, weil es unmöglich war ihn weiter zu verfolgen, fallen liessen.
Das Ich reflectirt seine in der Anschauung nach C gehende Thätigkeit. Als widerstehend einer entgegengesetzten von C nach A gehenden Richtung, kann sie nicht reflectirt werden, aus dem oben angeführten Grunde. Dennoch kann sie auch nicht als eine überhaupt nach aussen gehende Thätigkeit reflectirt werden, denn dann wäre es die ganze unendliche Thätigkeit des Ich, welche nicht reflectirt werden kann; aber nicht die in der Anschauung vorkommende, deren Reflexion doch gefordert worden ist. Mithin muss sie reflectirt werden als bis C gehende, als in C begrenzte und bestimmte Thätigkeit; welches das erste wäre.
In C wird demnach die anschauende Thätigkeit des Ich durch die absolute in der Reflexion handelnde Thätigkeit begrenzt. Da – aber diese Thätigkeit bloss reflectirend, nicht aber (ausser in unserer gegenwärtigen philosophischen Reflexion) selbst reflectirt ist, so wird die Begrenzung in C dem Ich entgegengesetzt, und dem Nicht-Ich zugeschrieben. Ueber C in die Unendlichkeit hinaus wird ein bestimmtes Product der absolut producirenden Einbildungskraft durch eine dunkle, nicht reflectirte und nicht zum bestimmten Bewusstseyn kommende Anschauung gesetzt, welches das Vermögen der reflectirten Anschauung begrenzt; gerade nach der Regel und aus dem Grunde, aus welchem das erste unbestimmte Product überhaupt gesetzt wurde. Welches das zweite wäre. – Dieses Product ist das Nicht-Ich, durch dessen Entgegensetzung für den gegenwärtigen Behuf das Ich überhaupt erst als Ich bestimmt, – wodurch erst das logische Subject des Satzes: das Ich ist anschauend, möglich wird.
Die so bestimmte Thätigkeit des anschauenden Ich wird, wenigstens ihrer Bestimmung nach, festgesetzt und begriffen im Verstande zu weiterer Bestimmung; denn ohne dies würden widersprechende Thätigkeiten des Ich sich durchkreuzen, und einander gegenseitig vernichten.
Diese Thätigkeit geht von A nach C und soll in dieser Richtung, aber durch eine reflectirende, also von C nach A gehende Thätigkeit des Ich aufgefasst werden. – Es ist klar, dass in dieser Auffassung entgegengesetzte Richtungen vorkommen, dass mithin diese Auffassung durch das Vermögen des Entgegengesetzten, durch die Einbildungskraft geschehen, also selbst eine Anschauung seyn müsse. Welches das dritte wäre. Die Einbildungskraft in ihrer gegenwärtigen Function producirt nicht, sondern fasst bloss auf (zum Setzen im Verstande, nicht etwa zum Aufbehalten) das schon producirte und im Verstande begriffene, und heisst daher reproductiv.
Das anschauende muss, und zwar als solches, d.h. als thätig, bestimmt, es muss ihm eine Thätigkeit entgegengesetzt werden, die nicht dieselbe, sondern eine andere sey. Thätigkeit aber ist immer Thätigkeit, und bis jetzt kann in ihr nichts unterschieden werden als ihre Richtung. Eine solche entgegengesetzte Richtung aber ist die durch das Reflectirtseyn von aussen entstandene und im Verstande aufbehaltene Richtung von C nach A. Welches das vierte wäre.
Diese entgegengesetzte Richtung muss, insofern die im Anschauen vorhandene dadurch bestimmt werden soll, selbst angeschaut werden; und so ist denn mit der Bestimmung des anschauenden zugleich eine, aber nicht reflectirte, Anschauung des angeschauten vorhanden.
Aber das angeschaute selbst muss als ein angeschautes bestimmt werden wenn es dem anschauenden entgegengesetzt werden soll. Und dies ist nur möglich durch Reflexion. Es ist bloss die Frage, welche nach aussen gehende Thätigkeit reflectirt werden solle; denn es muss eine nach aussen gehende Thätigkeit seyn, die reflectirt wird, aber die im Anschauen von A nach gehende Thätigkeit giebt die Anschauung des Anschauenden.
Es ist oben erinnert worden, dass zum Behuf der Begrenzung der Anschauung überhaupt in C die producirende Thätigkeit des Ich über C hinaus in das unbestimmte gehen müsse. Diese Thätigkeit wird aus der Unendlichkeit über C nach A reflectirt. Aber von C nach A liegt die im Verstande ihrer Spur nach aufbehaltene erstere Richtung, die der dem Ich zugeeigneten Thätigkeit von A nach C in der Anschauung widerstrebt: und in Beziehung auf dieselbe dem dem Ich entgegengesetzten, d. i. dem Nicht-Ich zugeeignet werden muss. Diese entgegengesetzte Thätigkeit wird als eine entgegengesetzte angeschaut; welches das fünfte wäre.
Dieses angeschaute muss als solches bestimmt werden, und zwar als das dem anschauenden entgegengesetzte angeschaute; also durch ein nicht-angeschautes, das aber doch ein Nicht-Ich ist. Ein solches aber liegt als absolutes Product der Thätigkeit des Ich über C hinaus Innerhalb C und A aber liegt das angeschaute, welches nach seiner Bestimmung im Verstande als etwas reales aufgefasst wird. Welches das sechste wäre.
Sie verhalten sich gegenseitig wie Thätigkeit und Leiden (Realität und Negation), und sind demnach vereinigt durch Wechselbestimmung. Kein angeschautes, kein anschauendes, und umgekehrt. Hinwiederum, wenn und inwiefern ein angeschautes gesetzt ist, ist ein anschauendes gesetzt, und umgekehrt.
Beide müssen bestimmt werden, denn das Ich soll sich setzen, als das anschauende, und sich insofern dem Nicht-Ich entgegensetzen; zu diesem Behufe aber bedarf es eines festen Unterscheidungsgrundes zwischen dem anschauenden und angeschauten; einen solchen aber giebt laut obiger Erörterungen die Wechselbestimmung nicht.
So wie das eine weiter bestimmt wird, wird es durch dasselbe auch das andere, eben darum, weil sie in Wechselbestimmung stehen. Eines von beiden aber muss aus dem gleichen Grunde durch sich selbst, und nicht durch das andere, bestimmt werden, weil wir ausserdem aus dem Kreise der Wechselbestimmung nicht herauskommen.
V) Das anschauende an sich, d. i. als Thätigkeit, ist schon dadurch bestimmt, dass es in Wechselbestimmung steht; es ist eine Thätigkeit, der im entgegengesetzten ein Leiden correspondirt, eine objective Thätigkeit. Eine solche wird weiter bestimmt durch eine nicht-objective, mithin reine Thätigkeit, Thätigkeit überhaupt und schlechthin.
Beide sind entgegengesetzt; beide müssen auch synthetisch vereinigt, d. i. gegenseitig durcheinander bestimmt werden: 1) die objective Thätigkeit durch die Thätigkeit schlechthin. Die Thätigkeit überhaupt ist die Bedingung aller objectiven Thätigkeit; sie ist Realgrund derselben. 2) Die Thätigkeit überhaupt durch die objective Thätigkeit ist gar nicht zu bestimmen, ausser durch ihr entgegengesetztes, das Leiden; mithin durch ein Object der Thätigkeit, und also durch objective Thätigkeit. Objective Thätigkeit ist der Bestimmungs- oder Ideal-Grund der Thätigkeit überhaupt. 3) Beide sind wechselseitig durch einander zu bestimmen, d. i. die Grenze zwischen beiden muss gesetzt werden. Diese ist der Uebergang von der reinen zur objectiven Thätigkeit, und umgekehrt; die Bedingung, auf welche reflectirt, oder von ihr abstrahirt werden kann.
Diese Bedingung, als solche, d. i. als Grenze der reinen und der objectiven Thätigkeit wird angeschaut durch die Einbildungskraft, fixirt im Verstande; beides auf die oben beschriebene Weise.
Die Anschauung ist objective Thätigkeit unter einer gewissen Bedingung. Unbedingt wäre sie nicht objective Thätigkeit, sondern reine.
Vermöge der Bestimmung durch den Wechsel ist das angeschaute auch nur unter einer gewissen Bedingung ein angeschautes. Ausser der Bedingung wäre es kein angeschautes, sondern ein schlechthin gesetztes, ein Ding an sich: ein Leiden schlechthin, als Gegentheil einer Thätigkeit schlechthin.
VI) Sowohl für das anschauende, als das angeschaute, ist die Anschauung etwas bedingtes. Durch dieses Merkmal sind (sie) demnach noch nicht zu unterscheiden, und wir haben sie jetzt weiter zu bestimmen. – Wir suchen die Bedingung der Anschauung für beide zu bestimmen; ob sie etwa durch diese zu unterscheiden seyn möchten.
Die absolute Thätigkeit wird durch die Bedingung eine objective – heisst offenbar: die absolute Thätigkeit wird, als solche, aufgehoben und vernichtet; und es ist in Rücksicht ihrer vorhanden ein Leiden. Demnach ist die Bedingung aller objectiven Thätigkeit ein Leiden.
Dieses Leiden muss angeschaut werden. Aber ein Leiden lässt sich nicht anders anschauen, als wie eine Unmöglichkeit der entgegengesetzten Thätigkeit; ein Gefühl des Zwanges zu einer bestimmten Handlung, welches der Einbildungskraft allerdings möglich ist. Dieser Zwang, wird im Verstande fixirt als Nothwendigkeit.
Das Gegentheil dieser durch ein Leiden bedingten Thätigkeit ist eine freie, angeschaut durch die Einbildungskraft als ein Schweben der Einbildungskraft selbst zwischen Verrichten und Nicht-Verrichten einer und ebenderselben Handlung; Auffassen und Nicht-Auffassen eines und ebendesselben Objectes im Verstande; aufgefasst in dem Verstande, als Möglichkeit.
Beide Arten der Thätigkeit, die an sich entgegengesetzt sind, werden synthetisch vereinigt. 1) Der Zwang wird durch Freiheit bestimmt; die freie Thätigkeit bestimmt sich selbst zum bestimmten Handeln (Selbstaffection); 2) die Freiheit durch Zwang. Nur unter Bedingung einer schon vorhandenen Bestimmung durch ein Leiden bestimmt sich die in der Selbstbestimmung noch immer freie Selbstthätigkeit zu einem bestimmten Handeln. (Die Spontaneität kann nur reflectiren unter Bedingung einer durch einen Anstoss von aussen schon geschehenen Reflexion; aber sie muss auch unter dieser Bedingung nicht reflectiren.) 3) Beide bestimmen sich gegenseitig in der Anschauung. Wechselwirkung der Selbstaffection des anschauenden, und einer Affection von aussen ist die Bedingung, unter der das anschauende ein anschauendes ist.
Dadurch ist denn auch zugleich das angeschaute bestimmt. Das Ding an sich ist Gegenstand der Anschauung unter Bedingung einer Wechselwirkung. Insofern das anschauende thätig ist, ist das angeschaute leidend; und insofern das angeschaute, welches insofern ein Ding an sich ist, thätig ist, ist das anschauende leidend. Ferner; insofern das anschauende thätig ist, ist es nicht leidend, und umgekehrt; so auch das angeschaute. Aber das giebt keine feste Bestimmung, und wir kommen dadurch aus unserem Zirkel nicht heraus. Mithin muss weiter bestimmt werden. Wir müssen nemlich suchen den Antheil eines von beiden in der aufgezeigten Wechselwirkung durch sich selbst zu bestimmen.
VII) Der Thätigkeit des Anschauenden, welcher ein Leiden im Objecte correspondirt, und die demnach in jener Wechselwirkung mit inbegriffen ist, ist entgegengesetzt eine solche Thätigkeit, der kein Leiden im Objecte correspondirt; die demnach auf das anschauende selbst geht (die in der Selbstaffection); und durch diese müsste demnach die erstere bestimmt werden.
Eine solche bestimmende Thätigkeit müsste angeschaut werden durch die Einbildungskraft, und fixirt werden im Verstande, gerade wie die bis jetzt aufgezeigten Arten derselben.
Es ist klar, dass auch die objective Thätigkeit des anschauenden keinen anderen Grund haben könne, als die Thätigkeit der Selbstbestimmung: liesse sich dem nach diese letztere Thätigkeit bestimmen, so wäre auch die erstere, und mit ihr der Antheil des anschauenden in der Wechselwirkung) so wie durch denselben der Antheil des angeschauten bestimmt.
Beide Arten der Thätigkeit müssen sich gegenseitig bestimmen: 1) die in sich selbst zurückgehende muss bestimmen die objective, wie soeben gezeigt worden; 2) die objective muss bestimmen die in sich selbst zurückgehende. Soviel objective Thätigkeit, soviel sich selbst bestimmende zur Bestimmung des Objectes. Aber die objective Thätigkeit lässt sich durch Bestimmung des Objectes bestimmen, mithin durch sie die in der Selbstbestimmung vorkommende. 3) Beide stehen demnach in Wechselbestimmung, wie jetzt gezeigt worden; und wir haben abermals keinen festen Punct der Bestimmung.
Die Thätigkeit des angeschauten in der Wechselwirkung, insofern sie auf das anschauende geht, wird gleichfalls bestimmt durch eine in sich selbst zurückgehende Thätigkeit, durch die es sich zur Einwirkung auf das anschauende bestimmt.
Nach obiger Erörterung ist die Thätigkeit zur Selbstbestimmung Bestimmung eines fixirten Productes der Einbildungskraft im Verstande durch die Vernunft: mithin ein Denken. Das anschauende bestimmt sich selbst zum Denken eines Objects.
Insofern das Object durch das Denken bestimmt wird, ist es ein gedachtes.
Nun ist es dadurch soeben bestimmt worden, als sich selbst bestimmend; zu einer Einwirkung auf das anschauende. Diese Bestimmung ist aber lediglich dadurch möglich geworden, dass ein Leiden im entgegengesetzten anschauenden bestimmt werden sollte. Kein Leiden im anschauenden, keine ursprüngliche und in sich selbst zurückgehende Thätigkeit im Objecte, als gedachte Thätigkeit. Keine solche Thätigkeit im Objecte, kein Leiden im anschauenden. Eine solche Wechselbestimmung aber ist nach obiger Erörterung die durch Wirksamkeit. Also wird das Object gedacht als Ursache von einem Leiden im anschauenden, als seinem Effect. – Die innere Thätigkeit des Objects, wodurch es sich bestimmt zur Wirksamkeit, ist ein bloss gedachtes (ein Noumen, wenn man dieser Thätigkeit durch die Einbildungskraft ein Substrat giebt, wie man es muss).
VIII) Die Thätigkeit einer Selbstbestimmung zum Bestimmen eines bestimmten Objects muss weiter bestimmt werden; denn noch haben wir keinen festen Punct. Sie wird aber bestimmt durch eine solche Thätigkeit des anschauenden, die kein Object als ein bestimmtes (=A) bestimmt; die auf kein bestimmtes Object geht (also etwa auf ein Object überhaupt, als blosses Objekt.)
Eine solche Thätigkeit müsste, durch Selbstbestimmung A oder -A sich zum Objecte geben können. Sie wäre demnach in Rücksicht auf A oder -A völlig unbestimmt oder frei; frei auf A zu reflectiren, oder davon zu abstrahiren.
Eine solche Thätigkeit muss zuvörderst angeschaut werden durch die Einbildungskraft; da sie aber zwischen entgegengesetzten, zwischen dem Auffassen und Nicht-Auffassen von A, mitten inne schwebt, muss sie angeschaut werden auch als Einbildungskraft, d. i. in ihrer Freiheit des Schwebens von einem zum anderen; (gleichsam, wenn man auf ein Gesetz sieht, von welchem wir hier freilich noch nichts wissen, als eine Berathschlagung des Gemüths mit sich selbst.) – Da jedoch durch diese Thätigkeit eins von beiden, entweder A oder -A, aufgefasst (A als ein zu reflectirendes, oder als ein solches, von dem zu abstrahiren ist, gesetzt) werden muss, so muss sie insofern auch als Verstand angeschaut werden. – Beides, durch eine neue Anschauung wieder vereinigt, und im Verstande festgesetzt, heisst Urtheilskraft. Urtheilskraft ist das bis jetzt freie Vermögen über schon im Verstande gesetzte Objecte zu reflectiren, oder von ihnen zu abstrahiren, und sie, nach Maassgabe dieser Reflexion oder Abstraction, mit weiterer Bestimmung im Verstande zu setzen.
Beide Thätigkeiten, der blosse Verstand als solcher, und die Urtheilskraft als solche, müssen sich wieder gegenseitig bestimmen. 1) Der Verstand die Urtheilskraft. Er enthält schon in sich die Objecte, von welchen die letztere abstrahirt oder sie reflectirt, und ist daher die Bedingung der Möglichkeit einer Urtheilskraft überhaupt. 2) Die Urtheilskraft den Verstand; sie bestimmt ihm das Object überhaupt als Object. Ohne sie wird überhaupt nicht reflectirt; ohne sie ist mithin nichts fixirtes im Verstande, welches erst durch Reflexion, und zum Behuf der Reflexion gesetzt wird, – mithin auch überhaupt kein Verstand; und so ist die Urtheilskraft hinwiederum die Bedingung der Möglichkeit des Verstandes, und beide 3) bestimmen sich demnach gegenseitig. Nichts im Verstande, keine Urtheilskraft; keine Urtheilskraft, nichts im Verstande für den Verstand, kein Denken des gedachten, als eines solchen.
Laut der Wechselbestimmung wird dadurch nun auch das Object bestimmt. Das gedachte, als Object des Denkens, also insofern als leidend, wird bestimmt durch ein nicht-gedachtes, mithin durch ein bloss denkbares (das den Grund seiner Denkbarkeit in sich selbst, und nicht in dem denkenden haben, mithin insofern thätig, und das denkende in Beziehung darauf leidend seyn soll). Beide, das gedachte und das denkbare, werden nun gegenseitig durch einander bestimmt: 1) alles gedachte ist denkbar; 2) alles denkbare wird gedacht als denkbares, und ist nur insofern denkbar, als es als solches gedacht wird. Kein denkbares, kein gedachtes; kein gedachtes, kein denkbares. – Das denkbare und die Denkbarkeit als solche sind blosser Gegenstand der Urtheilskraft.
Nur das als denkbar beurtheilte kann als Ursache der Anschauung gedacht werden.
Das denkende soll sich selbst bestimmen, etwas als denkbar zu denken, und insofern wäre das denkbare leidend; aber hinwiederum soll das denkbare sich selbst bestimmen, ein denkbares zu seyn; und insofern wäre das denkende leidend. Dies giebt hinwiederum eine Wechselwirkung des denkenden und des gedachten im Denken; mithin keinen festen Bestimmungspunct, und wir müssen das urtheilende noch weiter bestimmen.
IX) Die Thätigkeit, die überhaupt ein Objekt bestimmt, wird bestimmt durch eine solche, die gar kein Objekt hat, durch eine überhaupt nicht-objektive, der objektiven entgegengesetzte Thätigkeit. Es ist nur die Frage, wie eine solche Thätigkeit gesetzt, und der objektiven entgegengesetzt werden könne.
So wie eben die Möglichkeit deducirt wurde, von allem bestimmten Objekte = A zu abstrahiren, so wird hier die Möglichkeit postulirt, von allem Objekte überhaupt zu abstrahiren. Es muss ein solches absolutes Abstractions-Vermögen geben, wenn die geforderte Bestimmung möglich seyn soll; und sie muss möglich seyn, wenn ein Selbstbewusstseyn, und ein Bewusstseyn der Vorstellung möglich seyn soll.
Ein solches Vermögen sollte zuvörderst angeschaut werden können. – Die Einbildungskraft schwebt überhaupt zwischen Objekt und Nicht-Objekt, kraft ihres Wesens. Sie wird fixirt, kein Objekt zu haben; das heisst, die (reflectirte) Einbildungskraft wird gänzlich vernichtet, und diese Vernichtung, dieses Nicht-seyn der Einbildungskraft wird selbst durch (nicht reflectirte, und daher nicht zum deutlichen Bewusstseyn kommende) Einbildungskraft angeschaut. (Die in uns vorhandene dunkle Vorstellung, wenn wir erinnert werden, zum Behuf des reinen Denkens von aller Beimischung der Einbildungskraft zu abstrahiren, ist diese dem Denker gar oft vorkommende Anschauung). – Das Product einer solchen (nicht-reflectirten). Anschauung sollte fixirt werden im Verstande; aber dasselbe soll Nichts, gar kein Objekt seyn, mithin ist es nicht zu fixiren (Die dunkle Vorstellung des Gedankens von einem blossen Verhältnisse, ohne Glieder desselben, ist so etwas.) Bleibt demnach nichts übrig, als überhaupt die blosse Regel der Vernunft, zu abstrahiren, das blosse Gesetz einer nicht zu realisirenden Bestimmung (durch Einbildungskraft, und Verstand für das deutliche Bewusstseyn); – und jenes absolute Abstractionsvermögen ist mithin selbst die Vernunft.
Wenn alles objective aufgehoben wird, bleibt wenigstens das sich selbst bestimmende, und durch sich selbst bestimmte, das Ich, oder das Subject übrig. Subject und Object werden so durch einander bestimmt, dass eins durch das andere schlechthin ausgeschlossen wird. Bestimmt das Ich nur sich selbst, so bestimmt es nichts ausser sich; und bestimmt es etwas ausser sich, so bestimmt es nicht bloss sich selbst. Das Ich aber ist jetzt als dasjenige bestimmt, welches, nach Aufhebung alles Objekts durch das absolute Abstractionsvermögen, übrig bleibt und das Nicht-Ich als dasjenige, von welchem durch jenes Abstractionsvermögen abstrahirt werden kann: und wir haben demnach jetzt einen festen Unterscheidungspunct zwischen dem Objekte und Subjekte.
(Dies ist denn auch wirklich die augenscheinliche, und nach ihrer Andeutung gar nicht mehr zu verkennende Quelle alles Selbstbewusstseyns. Alles, von welchem ich abstrahiren, was ich wegdenken kann [wenn auch nicht auf einmal, doch wenigstens so, dass ich von dem, was ich jetzt übrig lasse, hinterher abstrahire, und dann dasjenige übrig lasse, von dem ich jetzt abstrahiren], ist nicht mein Ich, und ich setze es meinem Ich bloss dadurch entgegen, dass ich es betrachte, als ein solches, das ich wegdenken kann. Je mehreres ein bestimmtes Individuum sich wegdenken kann, desto mehr nähert sein empirisches Selbstbewusstseyn sich dem reinen; – von dem Kinde an, das zum ersten Male seine Wiege verlässt, und sie dadurch von sich selbst unterscheiden lernt, bis zum popularen Philosophen, der noch materielle Ideen-Bilder annimmt, und nach dem Sitze der Seele fragt, und bis zum transcendentalen Philosophen, der wenigstens die Regel, ein reines Ich zu denken, sich denkt, und sie erweiset.)
X) Diese, das Ich durch Abstraction von allem, wovon abstrahirt werden kann, bestimmende Thätigkeit müsste selbst wieder bestimmt werden. Da aber in dem, von welchem nicht und in welchem von Nichts abstrahirt werden kann (daher wird das Ich als einfach beurtheilt), sich nichts weiter bestimmen lässt: so könnte sie bloss durch eine schlechthin nicht bestimmende Thätigkeit – und das durch sie bestimmte durch ein schlechthin unbestimmtes bestimmt werden.
Ein solches Vermögen des schlechthin unbestimmten, als die Bedingung alles bestimmten, ist nun allerdings an der Einbildungskraft durch Folgerungen nachgewiesen worden; aber es lässt als solches sich gar nicht zum Bewusstseyn erheben, weil dann dasselbe reflectirt, mithin durch den Verstand bestimmt werden müsste, mithin es nicht unbestimmt und unendlich bliebe.
Das Ich ist in der Selbstbestimmung soeben, als bestimmend und bestimmt zugleich, betrachtet worden. Wird vermittelst der gegenwärtigen höheren Bestimmung darauf reflectirt, dass das das schlechthin bestimmte bestimmende ein schlechthin unbestimmtes seyn müsse; ferner darauf, dass das Ich und Nicht-Ich schlechthin entgegengesetzt sind, so ist, wenn das Ich als bestimmt betrachtet wird, das bestimmende unbestimmte das Nicht-Ich; und im Gegentheil, wenn das Ich als bestimmend betrachtet wird, ist es selbst das unbestimmte, und das durch dasselbe bestimmte ist das Nicht-Ich, und hieraus entsteht folgender Widerstreit:
Reflectirt das Ich auf sich selbst, und bestimmt sich dadurch, so ist das Nicht-Ich unendlich und unbegrenzt. Reflectirt dagegen das Ich auf das Nicht-Ich überhaupt (auf das Universum) und bestimmt es dadurch, so ist es selbst unendlich. In der Vorstellung stehen demnach Ich und Nicht-Ich in Wechselwirkung ist das eine endlich, so ist das andere unendlich, und umgekehrt; eins von beiden ist aber immer unendlich. – (Hier liegt der Grund der von Kant aufgestellten Antinomieen.)
XI) Wird in einer noch höheren Reflexion darauf reflectirt, dass das Ich selbst das schlechthin bestimmende, mithin auch dasjenige sey, welches die obige Reflexion, von der der Widerstreit abhängt, schlechthin bestimme: so wird das Nicht-Ich in jedem Falle wieder ein durch das Ich bestimmtes; es sey nun für die Reflexion ausdrücklich bestimmt, oder es sey für die Bestimmung des Ich durch sich selbst in der Reflexion unbestimmt gelassen; und so steht das Ich, insofern es endlich oder unendlich seyn kann, bloss mit sich selbst in Wechselwirkung: eine Wechselwirkung, in der das Ich mit sich selbst vollkommen vereinigt ist, und über welche keine theoretische Philosophie hinaufsteigt.